Panorama

Unterstützung von allen Seiten Gustl Mollaths erster Tag in Freiheit

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Mollath beim Ansturm der Medien nach seiner Entlassung.

(Foto: dpa)

Nach siebenjährigem Zwangsaufenthalt in der Psychiatrie ist Gustl Mollath vorerst wieder frei. Aber was fängt man nach so langer Zeit eigentlich mit seiner Freiheit an? Tipps und Hilfe bekommt Mollath von vielen Unterstützern. Eigentlich wünscht er sich nach den Anstrengungen der letzten Jahre nur eines: Ruhe und Entspannung.

An Ratschlägen fehlt es Gustl Mollath nicht. Seine Facebook-Seite quoll am Mittwoch über - von guten Wünschen und Empfehlungen: "Ich wünsche Gustl einen SAUGEILEN ersten Tag in Freiheit!! Mach all das, was Du in der langen Kerkerzeit vermisst hast, lass jucken!!", riet etwa ein Sympathisant dem am Vorabend aus der Psychiatrie entlassenen Nürnberger.

Doch Mollath selbst ließ es, wie aus seinem Umfeld zu erfahren war, erst einmal ruhig angehen. Der 56-Jährige brauche jetzt erst einmal Ruhe, beschied der Mollath-Unterstützer der ersten Stunde, der Nürnberger Gerhard Dörner, anfragende Journalisten. Erst in den nächsten Tagen wolle Mollath den Kontakt zur Öffentlichkeit suchen. Der Druck, innerhalb weniger Stunden die psychiatrische Klinik verlassen zu müssen, hatte diesen arg gestresst.

Wohin jetzt?

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Viel mehr als eine selbst gezüchtete Topfpflanze hatte Gustl Mollath bei seiner Entlassung aus der Psychiatrie nicht dabei.

(Foto: dpa)

Die Frage, wo Mollath nach seiner Entlassung aus der Bayreuther Psychiatrie vorübergehend untergebracht wurde, behandelten Mitglieder des Unterstützerkreises zunächst wie ein Staatsgeheimnis. Zu groß war die Sorge, dass Heerscharen von Journalisten die Unterkunft belagern könnten. Er selbst hatte bei seiner Entlassung noch gesagt, dass er gar nicht wisse, wo er die erste Nacht verbringen werde. Dann  sickerte aber doch durch, dass Mollath bei seinem altem Schulfreund Robert Lindner untergekommen ist - in einer kleinen Ortschaft auf der Frankenalb, eine halbe Autostunde von Nürnberg entfernt.

Mollath und Lindner hatten einst gemeinsam an der Nürnberger Rudolf-Steiner-Schule schulbegleitend eine Lehre als Schlosser absolviert. Lindner betreibt inzwischen im Osten Nürnbergs eine Schlosserei. Mollath hatte damals seine Liebe zur Metallverarbeitung und zu alten Autos entdeckt. Nach dem Abbruch seines Maschinenbaustudiums erwuchs daraus wohl die Entscheidung, sich als Oldtimer-Rekonstrukteur selbstständig zu machen.

Unterstützer nicht unvorbereitet

Glaubt man Dörner, haben Freunde und Unterstützer für die Zukunft Mollaths schon seit Längerem vorgesorgt. "Da mache ich mir keine Gedanken: Mollath wird eine Unterkunft und Arbeit haben, alles wird gut", versicherte Dörner. Wo genau, wollte er aber nicht sagen.

Auf den Tag X - Mollaths Entlassung - hatten sich die Unterstützer nach Dörners  Angaben seit rund eineinhalb Jahren vorbereitet. Schon Anfang 2012 habe er für Mollath eine Wohnung in seinem Nürnberger Haus reserviert. Mollath habe einen Mietvertrag dafür in der Tasche gehabt. Sein Schulfreund Lindner habe ihm eine Stelle in seiner Schlosserei angeboten. Doch daraus wurde erst einmal nichts; denn Mollaths Entlassung aus der Psychiatrie zog sich länger hin als seine Freunde erwartet hatten.

Inzwischen sei die Wohnung vermietet, so dass wohl eine andere Lösung gefunden werden müsse, berichtet Dörner. An Unterstützung fehlt es trotzdem nicht. Schon seit Monaten träfen bei ihm Hilfsangebote aus dem In- und Ausland ein. "Wildfremde Menschen, die ich gar nicht kenne, bieten mir Obdach an, wenn ich frei komme", hatte Mollath noch Frühjahr in einem Interview erklärt. Bei aller Dankbarkeit darüber kämen viele Angebot für ihn aber nicht infrage. Denn er wolle künftig wieder in seiner Heimatstadt Nürnberg leben.

Fehlende Sensibilität der Gerichte

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Kritiker werfen Ministerin Merk vor, sie habe nicht schnell genug auf den Justizskandal reagiert.

(Foto: dpa)

Mollath war am Dienstag überraschend auf Anweisung des Oberlandesgericht Nürnberg aus der Psychiatrie entlassen worden, da das Strafverfahren gegen ihn unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung  neu aufgerollt wird. Mollath kündigte an, um seine Ehre und seinen Ruf zu kämpfen. "Ich rechne mit großem Aufwand und viel Quälerei. Aber ich will vollständig rehabilitiert aus diesem Prozess gehen", sagte er.

Die Nürnberger Richter begründeten ihre Entscheidung mit Zweifeln an einem Attest. Eine Arztpraxis hatte darin vor Jahren die angeblichen Verletzungen dokumentiert, die Mollath seiner Ehefrau bei einer Prügelattacke zugefügt haben soll. Nach Angaben des Gerichts war Mollaths Frau jedoch nicht von ihrer Hausärztin, sondern von deren Sohn untersucht worden. Damit sei das Attest ein "falsches Dokument", was nach der Strafprozessordnung eine Wiederaufnahme des Verfahrens rechtfertige.

Schadenersatzprozess gegen bayerischen Staat

Mollaths Anwälte  kündigten für den Fall eines Freispruchs im Wiederaufnahmeverfahren einen Schadenersatzprozess gegen den bayerischen Staat an. Das sei aber im Moment eher nebensächlich.

Außerdem zeigten sie sich froh darüber, dass das OLG Nürnberg, im Gegensatz zu vorherigen Gerichten, die Sensibilität gehabt habe, zu sehen, "dass große Veränderungen eingetreten waren und dass Mollath freigelassen werden muss". Als Beispiel für neue Tatsachen nannten sie den Bericht der HypoVereinsbank, der einige von Mollaths Vorwürfen zu Schwarzgeldverschiebungen bestätigt hatte. Mollath hatte seine Frau, eine Vermögensberaterin bei einer Bank, und andere 2003 wegen unsauberer Geschäfte angezeigt.

Mollath selbst übte starke Kritik an Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU), die so tue, als habe er ihr die Wiederaufnahme seines Falles zu verdanken.

Nach Meinung seines Anwalts, hat die Ministerin in dem Justizskandal "eine unglückliche Rolle gespielt", da sie früher hätte reagieren müssen.  Merk verteidigte ihr spätes Handeln erneut. Sie habe erst aktiv werden und ein neues Verfahren fordern können, als es einen tatsächlichen Wiederaufnahmegrund gegeben habe, sagte sie. Das sei erst im November 2012 der Fall gewesen - bis dahin haben sie das rechtskräftige Urteil akzeptieren müssen.

Quelle: ntv.de, dpa

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