Panorama

Angeklagte geben Teilschuld zu Haftstrafen nach "Costa Concordia"-Havarie

kapitaen.jpg

Kapitän Schettino (r.) mit seinem Anwalt (l.): Schettino hatte das havarierte Schiff verlassen, als die meisten Passagiere noch versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Trotz mehrfacher Aufforderung durch die Hafenbehörden war Schettino nicht an Bord zurückgekehrt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Kapitän des gekenterten Kreuzfahrtschiffs, Francesco Schettino, ist der einzige, der noch angeklagt ist. Vier Crewmitglieder und ein Reedereivertreter werden zu teils mehrjähriger Haft verurteilt. Doch der Justiz zufolge kommt keiner von ihnen tatsächlich ins Gefängnis.

Rund eineinhalb Jahre nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" sind vier Besatzungsmitglieder und ein Krisen-Manager der Reederei zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Ein italienisches Gericht befand sie unter anderem der fahrlässigen Tötung in mehreren Fällen für schuldig. Nach einem Schuldbekenntnis der Angeklagten verhängte das Gericht mit Haftzeiten zwischen 18 und 34 Monaten relativ milde Strafen. Justizkreisen zufolge wird keiner der Verurteilten tatsächlich ins Gefängnis kommen: Kürzere Strafen könnten ausgesetzt werden, bei den längeren dürfte es Revisionsverfahren geben.

Kapitän Francesco Schettino ist nun der einzige, der noch angeklagt ist. Er muss sich unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Verlassen des Schiffs verantworten. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm seinem Anwalt zufolge bis zu 20 Jahren Haft.

Der Krisenmanager der Reederei, Roberto Ferrarini, wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Er habe zunächst versucht, den Ansehensverlust seines Unternehmens zu minimieren und infolgedessen den Rettungseinsatz verzögert. Als einziger der fünf Verurteilten war er nicht auf dem Boot gewesen. Schettinos Stellvertreter und erster Offizier an Bord des Kreuzfahrtschiffes, Ciro Ambrosio, erhielt eine Haftstrafe von 2,5 Jahren. Drei weitere Crewmitglieder bekamen 23, 20 und 18 Monate Haft.

Kapitän bietet Vergleich an

Die Angeklagten hatten zuvor eine Teilschuld an dem  Unglück anerkannt, um ihre Strafe zu mildern. Ihr Prozess läuft neben dem Hauptverfahren gegen Kapitän Francesco Schettino, der dem Gericht gleichfalls einen Vergleich angeboten hatte. Auch er will sich teilweise schuldig bekennen, wenn das Strafmaß auf drei Jahre und fünf Monate Haft begrenzt wird. Über den Antrag ist noch nicht entschieden. Für das Mammutverfahren gegen Schettino sind mehr als 400 Zeugen geladen, es gibt 250 Nebenkläger.

Bei der Haverie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" im Januar 2012 waren 32 Menschen gestorben und über 100 verletzt worden. Das Schiff mit rund 4200 Menschen an Bord war zu nahe an die italienische Insel Giglio herangefahren und gekentert.

Quelle: ntv.de, rts/dpa/AP