Panorama

"Was dir dein Herz rät" Käßmann gibt Ämter auf

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"Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben": Käßmann erklärt ihren Rücktritt.

(Foto: dpa)

Margot Käßmann tritt nach ihrer Trunkenheitsfahrt von all ihren Ämtern zurück. Das bestätigt die 51-Jährige in einer kurzen Erklärung. Sie könne "nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben", begründet Käßmann ihren Schritt.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, gibt ihre kirchlichen Spitzenämter auf. Käßmann zog damit die Konsequenzen aus dem Bekanntwerden einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss. Sie trete mit sofortiger Wirkung als EKD-Ratsvorsitzende und als hannoversche Landesbischöfin zurück, erklärte die 51-Jährige. Sie bleibe aber Pastorin der hannoverschen Landeskirche.

"Am vergangenen Samstagabend habe ich einen schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue", sagte Käßmann. Sie könne und wolle nicht darüber hinweg sehen, dass ihr Amt und ihre Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt seien. "Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so, wie ich sie hatte."

Würde beschädigt

Käßmann war am Samstagabend mit 1,54 Promille Alkohol im Blut am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden. Sie hatte zuvor im Zentrum von Hannover eine rote Ampel missachtet. Auf sie wartet nun ein Strafverfahren, da Alkoholvergehen am Steuer ab 1,1 Promille keine Ordnungswidrigkeit mehr sind.

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Ihr Rückzug löst vielerorts Bedauern aus.

(Foto: dpa)

Einer ihrer Ratgeber habe ihr ein Wort von Jesus Sirach mit auf den Weg gegeben: "Bleibe bei dem, was dir dein Herz rät", erklärte Käßmann mit brüchiger Stimme. "Und mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben." So manches, was sie jetzt über ihre Verfehlung lese, sei mit der Würde dieses Amtes nicht vereinbar. "Aber mir geht es neben dem Amt auch um Respekt und Achtung vor mir selbst und um meine Gradlinigkeit, die mir viel bedeutet."

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatte nach einer nächtlichen Krisenberatung noch Käßmann einmütig das Vertrauen ausgesprochen. Dafür bedankte sich die Bischöfin auf der Pressekonferenz ausdrücklich, auch bei ihren Freunden, Ratgebern und allen, "die mich so wunderbar getragen und gestützt haben".

Großes Bedauern

Die EKD reagierte mit tiefem Bedauern auf den Rücktritt ihrer Ratsvorsitzenden. "Die Gradlinigkeit und Klarheit in ihren theologischen, soziopolitischen und gesellschaftlichen Positionen werden der Evangelischen Kirche in Deutschland fehlen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der EKD-Synodenpräsidentin, Katrin Göring-Eckardt sowie des stellvertretenden EKD-Vorsitzenden, Nikolaus Schneider. "Ihr Rücktritt ist ein schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus."

Käßmann war erst im Oktober 2009 zur EKD-Ratsvorsitzenden gewählt worden. In der Geschichte der EKD ist sie die erste Frau gewesen, die dieses Spitzenamt inne hatte. Bis zu einer Neuwahl im November werde ihr Stellvertreter Nikolaus Schneider, der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, das Amt übernehmen, erklärte die Kirche. Der 62- Jährige ist seit 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Schneller Abschluss

Unterdessen rechnet die Staatsanwaltschaft in Hannover mit einem zügigen Abschluss des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens gegen Käßmann, sagte Staatsanwalt Jürgen Lendeckel. Da nicht davon auszugehen sei, dass die EKD-Ratsvorsitzende bei ihrer Fahrt andere konkret gefährdet habe, sei alleine der ermittelte Wert von 1,54 Promille relevant für die Höhe des Strafbefehls. Käßmann hatte die Fahrt zutiefst bedauert und erklärt, sich den rechtlichen Konsequenzen stellen zu wollen.

Die Bischöfin hatte auch einen Beifahrer im Auto. Dessen Personalien seien aber nicht aufgenommen worden, sagte der Sprecher des Innenministeriums in Hannover, Klaus Engemann. Ein Beifahrer spiele nur dann als Zeuge eine Rolle, "wenn der Fahrer völlig kontrollunfähig" sei. Dies sei offensichtlich nicht der Fall gewesen.

Quelle: ntv.de, dpa

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