Panorama

Gewürzketchup ist der Renner Londoner stehen auf "Food from Germany"

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Fish 'n' chips war gestern. Der aktuelle Deutschland-Hype in London verlangt nach Currywurst mit Ketchup. Dit is Berlin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht nur Stollen und Lebkuchen sind derzeit angesagt bei den Briten, auch Bratwurst, Harzer Roller und süßer Senf stehen hoch im Kurs. Die Londoner kaufen bei "Lidl" und "Kamps" und speisen bei "Herman ze German". Kurz: Deutsch zu sein, ist ein Erfolgsgarant.

Bei "Herman ze German" stehen die Londoner für eine Bratwurst aus dem Schwarzwald in der Mittagspause Schlange. Vor wenigen Tagen war Chefin Azadeh Falakshahi sogar in der in England beliebten TV-Show "Sunday Brunch" auf Channel4 zu Gast und durfte Leckereien aus Deutschland vorstellen. Ihre Käsespätzle und der Lebkuchen kamen besonders gut an.

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Die Firmen werben in Großbritannien anders als in Deutschland: "Kamps" ist in London das "Herz feiner Backwaren". Bei uns hingegen heißt es: "Bäckerei trifft Leckerei".

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Verwunderlich war das nicht, denn Germany steht auf der Insel derzeit hoch im Kurs. Auch bei "Kamps", "Lidl" oder dem "German Deli" am Borough Market reißen sich die Londoner um "Crumble Taler", X-mas-Stollen aus Dresden oder eine "German Laugenstange". Hauptsache deutsch - in der Tüte und der Produktbezeichnung. Die "Lidl"-Werbung in britischen Zeitungen fasst die neue Liebe der Briten zu deutschem Essen zusammen: "If I could - I would marry Stollen" ("Wenn ich könnte, würde ich Stollen heiraten").

Kunst und Komiker sind gefragt

In den Tagen vor Weihnachten sind Plätzchen, Lebkuchen und Marzipan besonders gefragt. "Wir kommen mit den Bestellungen kaum hinterher", sagt Susann Schmieder vom "German Deli". Die Firma vertreibt in Großbritannien Lebensmittel aus Deutschland und bedient damit einen Trend, der vor allem in der englischen Hauptstadt nicht zu übersehen ist. Schwarz-Rot-Gold ist in.

Im British Museum in London läuft die Sonderausstellung "Germany - Memories of a Nation" zur deutschen Geschichte mit Erfolg. Die Tate Modern präsentiert eine Werkschau des Malers Sigmar Polke. In anderen Häusern sind Gerhard Richter und Anselm Kiefer zu sehen. Auftritte des deutschen Komikers Henning Wehn, der in seinem Programm in breitem Akzent Klischees beider Nationen bedient, sind meistens ausverkauft.

"Dass wir deutsch sind, hat uns sehr geholfen"

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Deutsch mit britischem Humor: Das "ze" im Namen nimmt die schlechte deutsche Aussprache des "th" aufs Korn.

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Neben der Kultur sind aber auch Luxusgüter angesagt. Edle Küchen oder schicke Autos zum Beispiel. Die "Wirtschaftswoche" berichtete, dass in England sogar die "Biedersandale Birkenstock" eine Renaissance erlebt. Und auch als Reiseziel stehen Städte wie Berlin und München derzeit hoch im Kurs. Wer nicht verreisen will, geht auf die Christkindlmärkte in Birmingham, Manchester oder im Londoner Hyde Park zum "Winter Wonderland". Besonders beliebt ist aber eben "Food from Germany".

"Dass wir deutsch sind, hat uns sehr geholfen", sagt Andreas Lesniewicz. Der frühere Investment-Banker führt seit Ende 2013 in London zwei Filialen der Bäckerei Kamps. Er kann den Trend zu Produkten aus Deutschland nur bestätigen. "Obwohl wir noch am Anfang sind, hat sich unser November-Umsatz im Vergleich zum vergangenen Jahr um 20 Prozent gesteigert", erklärt er. Engländer seien besonders von der Tradition des deutschen Handwerks begeistert. Mit den typischen dunklen Broten liege man zudem auf dem Gesundheitskurs der Verbraucher. Verkaufsschlager sind aber trotzdem Rosinenschnecke und Salamibrötchen.

Deutsche Brötchen, britischer Belag

Beim Belag kommt das Franchiseunternehmen den Londonern entgegen. "Coronation Chicken" mit Huhn oder "Melt Tuna" mit Thunfisch dürfen auch auf einem deutschen Brötchen nicht fehlen. Lesniewicz denkt an Wachstum: "40 bis 50 Filialen sind in London machbar". Nur wenige Monate nach der Eröffnung wurde Kamps von der British Sandwich Association als "Bakery Sandwich Shop of the Year" ausgezeichnet.

"German Deli" hat mittlerweile 850 deutsche Produkte im Sortiment, darunter Harzer Roller, Quark und süßen Senf. Der Renner ist ein spezieller Gewürzketchup. Vor 14 Jahren begann Michael Ristau den Laden mit einem Partner, heute hat er 13 feste Angestellte, zwei Shops und einen Stand am "Borough Market". "Der Hype um deutsches Essen ging vor vier Jahren los. Seitdem wird es immer mehr. Ich denke, jedes Land ist mal dran. Momentan sind wir es", sagt seine Angestellte Susann Schmieder.

Deutsch mit britischem Humor

Von dem Aufschwung profitieren auch Florian Frey und Azadeh Falakshahi. Im Oktober eröffnete das Paar bereits das dritte Restaurant in London. Bei "Herman ze German" gibt es Brat- und Bockwurst aus dem Schwarzwald. "Der Hype hat viele Gründe. Berlin spielt eine große Rolle. Viele Engländer kehren von dort begeistert zurück", sagt Falakshahi. Läuft alles nach Plan, wird es die Würste von Metzger Hug aus Steinen mit dem "Herman-ze-German"-Logo bald auch in englischen Supermärkten geben. Dort haben indes die deutschen Discounter "Aldi" und "Lidl" die Vorherrschaft der großen Vier - "Tesco", "Sainsbury's", "Morrisons" und "Asda" durcheinandergewirbelt und einen Preiskampf entfacht.

In ihren Läden spielen Falakshahi und Frey elegant mit den Klischees und schaffen es dabei, cool zu sein. "Mit dem ze im Firmennamen nehmen wir unsere oft schlechte th-Aussprache aufs Korn. Damit zeigen wir den Engländern, dass wir ihren Humor mögen und uns auf die Schippe nehmen können. Das ist wichtig", glaubt Falakshahi. Die Gäste sitzen zum Teil auf Kirmesbänken. Die Wände sind mit Fleischwölfen dekoriert. Aus den Lautsprechern auf den Toiletten erklingen deutsche Märchen. Sauerkraut und Bier nach dem Reinheitsgebot gehören genauso auf die Speisekarte wie Schni-Po-Sa (Schnitzel, Pommes, Salat). Die Schnitzel kommen natürlich auch aus dem "Black Forest". Im Schaufenster steht ein Schild: "Yes, we really are German". In London ist das momentan ein Erfolgsgarant.

Quelle: ntv.de, Marc Schäfer, dpa