Panorama
Montag, 04. April 2011

Deutsch in den USA: "Mer schwetze noch die Muddersprooch"

Pfälzisch, Elsässisch, Schwäbisch in den USA? Ungefähr 400.000 Amerikaner sprechen diese Dialekte tatsächlich und lassen die Muttersprache ihrer Vorfahren damit weiter leben. "Pennsylvania Deutsch" kann sogar an Unis studiert werden.

Ein Werbeschild für die "Schlitterbahn", die Hauptattraktion im Vergnügungspark, aufgenommen an einem Highway, der von New Braunfels nach Weimar, Texas, führt.
Ein Werbeschild für die "Schlitterbahn", die Hauptattraktion im Vergnügungspark, aufgenommen an einem Highway, der von New Braunfels nach Weimar, Texas, führt.(Foto: picture alliance / dpa)

Buchstäblich in aller Munde ist in den USA natürlich Englisch, auch Spanisch hört man häufig. Aber Deutsch? Für einige Amerikaner ist ein alter deutscher Dialekt tatsächlich noch immer Alltags- und Muttersprache - das Pennsylvania German. Seine Sprecher leben zurückgezogen in US-Staaten wie Ohio, Indiana oder eben Pennsylvania und halten auch drei Jahrhunderte nach den ersten deutschen Siedlern die Mundart ihrer Vorfahren am Leben.

Sprachlich ist Pennsylvania Deutsch verwandt mit Dialekten wie Pfälzisch, Elsässisch und Schwäbisch - auch Schweizerdeutsch und englische Lehnwörter haben Einfluss. "Hoch"-Deutsche können daher kaum tiefgründige Gespräche mit den "Pennsylvania-Deutschen" führen - am ehesten gelingt das noch Menschen aus dem Südwesten der Republik.

Aus dem öffentlichen Leben ist die alte Sprache mittlerweile weitgehend verschwunden. Konservative Religionsgruppen wie Amish und Mennoniten benutzen sie nach wie vor. Die Nachfahren von Einwanderern aus Südwestdeutschland, dem Elsass oder der deutschsprachigen Schweiz pflegen die alten Traditionen und bewahrten ihre Muttersprache damit vor dem Aussterben.

Neues Interesse für "Pennsylvania Deutsch"

Mittlerweile steht der Dialekt sogar wieder höher im Kurs - bei Mundartdichtern, Heimatverbänden und auch bei Forschern. "Es stimmt, es gibt ein neues Interesse an 'Pennsylvania German'", bestätigt Edward Quinter von der Kutztown University in Pennsylvania. Dort, wo sich einst die ersten deutschen Siedler niederließen, kann man die Sprache sogar als Nebenfach studieren.

Die Aufmerksamkeit der Hochschule kommt nicht von ungefähr, denn die Zahl der Sprecher nimmt zu. "Ungefähr 400.000 Menschen beherrschen heute Pennsylvania Deutsch", schätzt Michael Werner. Der Sprachwissenschaftler hat über den Dialekt promoviert und ist Herausgeber einer eigenen Mundart-Zeitung.

Niemand wollte mit Nazis assoziiert werden

Noch vor rund 100 Jahren gab es in Pennsylvania eine deutsche Sprachinsel von der Größe der deutschsprachigen Schweiz, sagt Werner. Das waren damals über eine Million Menschen. Mitte des 20. Jahrhunderts aber sank die Zahl der Sprecher rapide, die antideutsche Stimmung in Amerika machte auch vor Pennsylvania Deutsch nicht Halt. Niemand wollte mit den "Krauts" oder Nazis assoziiert werden, viele Kinder lernten damals nur Englisch. Die "verlorene Generation" nennt sie Quinter.

Doch das ist Vergangenheit: Werner ist sich sicher, dass die Sprache Zukunft hat, "alleine wegen der hohen Geburtenrate der Amish". Nach Angaben des Elisabethtown College (Pennsylvania) hat sich die Bevölkerung der Amish in den letzten 20 Jahren bereits auf aktuell rund 250.000 verdoppelt. Die Rechnung ist einfach: Steigt die Zahl der Amish, steigt auch die der Dialektsprecher. Setzt sich dieser Trend fort, könnten es in 30 bis 40 Jahren schon wieder eine Million sein, meint Werner.

Sprache verändert sich

Allerdings wird die Sprache nicht dieselbe bleiben wie heute oder vor hundert Jahren. Fachleute gehen davon aus, dass sie sich weiterentwickelt, mehr Anglizismen auftauchen werden - wie schließlich auch im Hochdeutschen.

Wenn sich die amerikanischen Dialektsprecher aber weiterhin an einen ihrer Wahlsprüche halten, steht der Völkerverständigung nichts im Wege: "Mer schwetze noch die Muddersprooch", heißt es da - "Wir sprechen noch die Muttersprache".

Quelle: n-tv.de