Panorama

"Grünes Gold" aus Südafrika Mit gezückter Waffe gegen den Avocado-Klau

Der Avocado-Konsum ist in den vergangenen Jahren weltweit gestiegen. In Südafrika haben nun Banden das "grüne Gold" entdeckt. Sie klauen den Farmern die Früchte von den Bäumen - bis zu 150 Tonnen pro Nacht und Plantage. Bewaffnete Security soll das verhindern.

Es ist stockdunkel auf der Plantage. Nur der Mond wirft ein schwaches Licht auf die langen Reihen dichter, Meter hoher, buschiger Bäume. Die daran hängenden, reifen Avocadofrüchte sieht man in der Dunkelheit mit bloßem Auge nicht. "Und die Diebe auch nicht - selbst mit Taschenlampe nicht", sagt Corrie Large. "Hier können sich Horden von Menschen direkt unter einem Baum verstecken. Auf einer großen Plantage wie dieser ist es wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen", flüstert Large und läuft leicht nach vorn gebeugt weiter zwischen den Avocadobäumen entlang. Taschenlampe in der einen, den gezogenen Revolver in der anderen Hand.

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Acovado-Ernte auf einer Farm in Südafrika. Viele der Früchte gehen auch an deutsche Discounter.

(Foto: Nicole Macheroux-Denault)

Der Ex-Polizist hatte sich vor 15 Jahren entschlossen, seinen Staatsjob hinzuschmeißen und in der südafrikanischen Kleinstadt Tzaneen, 200 Kilometer von der Grenze nach Simbabwe entfernt, einen privaten Sicherheitsdienst aufzubauen. Erst bewachte er öffentliche Gebäude, Privatfirmen und -häuser. Dann begann der Avocado-Klau. Jetzt jagt Corrie Avocado-Diebe. Das ist wesentlich lukrativer, vor allem in diesen Tagen. Denn es ist Avocado-Erntezeit.

"Wir zahlen im Jahr bis zu 100.000 Euro für Sicherheitsmaßnahmen auf unserer Plantage", sagt Zander Ernst, Besitzer der Fruchtfarm "Allesbeste", die einen Großteil ihrer Avocados an Lidl in Deutschland verkauft. "Wenn man das auf alle Farmen in Südafrika hochrechnet, dann sind das gewaltige Ausgaben." "Allesbeste" ist ein Familienunternehmen mit 230 Hektar Avocadobäumen und einer neu gezüchteten Avocado-Art, die lange Lieferstrecken, wie die nach Europa, gut übersteht.

1,8 Millionen Euro Schaden in einer Nacht

Die Plantage wurde mehrfach überfallen, bis das Unternehmen in hohe Elektrozäune und Corrie Lang und seine Leute investierte. "Einmal haben hier 18 Leute innerhalb einer Nacht zehn Hektar Avocadobäume leergeräumt. Das sind 150 Tonnen Avocados", sagt Zander Ernst und schüttelt mit dem Kopf. 150 Tonnen verkauft Zander Ernst in Europa für 1,8 Millionen Euro. "Der einzige Weg, wie man seine Ernte schützen kann, ist, die eigene Farm besser zu sichern, als es der Nachbar tut", meint er. Am Ende des Tages sei es nun einmal so, dass derjenige der am wenigsten Geld in Sicherheitsmaßnahmen investiere, am schlimmsten beklaut werde.

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Corrie Large auf Patrouille.

(Foto: Nicole Macheroux-Denault)

"Wir patrouillieren und sichern zahlreiche Farmen hier im Umkreis", sagt Large. "Erst gestern bat uns ein Besitzer, drei zusätzliche Sicherheitsleute auf seine Plantage zu schicken." In der Nacht zuvor hatte wieder eine Bande säckeweise Avocados von den Bäumen gerissen. Die Diebe kommen meist in den frühen Morgenstunden. Die "Guards" von "Large Security" sind dann zu Fuß unterwegs. Large selbst fährt mit grellgrün blinkenden Lichtern auf der Plantage Streife. "Wir können nur abschrecken. Selten fangen wir die Diebe."

An diesem Abend patrouilliert Large auf der "Allesbeste"-Farm. "Das Problem ist der Fluss am Ende der Plantage", erklärt er. "An Flüssen dürfen keine Elektrozäune aufgestellt werden." Die Diebe waten nachts durch den Fluss, obwohl darin Krokodile und Nilpferde lauern. "Es zeigt nur, wie verzweifelt sie sind", so der ehemalige Polizist.

Nach der Avocado die Macadamianuss?

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Blick auf eine Plantage mit jungen Avocadobäumen.

(Foto: Nicole Macheroux-Denault)

Die meisten angeheuerten Diebe kommen aus Simbabwe. Für ein verschwindend geringes Honorar reißen sie die Avocados eilig und unsachgemäß von den Bäumen und lagern sie im Gebüsch auf der anderen Seite des Flusses. Am nächsten Tag kommt eine andere Gruppe und holt die Säcke ab. Ein Fahrer lädt die Avocados in einen angemieteten Minibus oder Lastwagen und bringt sie in eine Vertriebsstelle. Dort werden sie in Verkaufskartons oder kleine Netze umgepackt und anschließend an südafrikanische Supermärkte und Straßenstände verkauft.

"Glücklicherweise kennen wir noch keinen Fall, in dem die geklauten Avocados exportiert wurden", sagt Zander Ernst. "Aber wir wissen, dass die Kartelle gestohlene Macadamianüsse schon exportieren." Deren Ernte startet in wenigen Wochen. Dann, so Sicherheitschef Large, beginnt das gleiche Drama auf den Macadamia-Farmen. "So ist das in armen Ländern", meint er. "Wenn Gold an Bäumen hängt, wird immer jemand versuchen, es zu pflücken, um zu überleben."

Quelle: ntv.de

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