Panorama

Flucht ohne Rückkehr Nordkoreanerin sitzt in Südkorea fest

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Für das nordkoreanische Regime gelten Überläufer als Vaterlandsverräter.

(Foto: imago stock&people)

28.000 Nordkoreaner flohen seit den 1990er-Jahren in den Süden. Eine davon ist Kim Ryen Hi. Ihr Fall ist speziell: Die junge Frau möchte unbedingt zurück ins kommunistische Reich von Kim Jong Un. Aber sie darf nicht.

Vier Jahre sitzt Kim Ryen Hi jetzt schon in Südkorea fest. Dabei will sie zurück in ihre Heimat Nordkorea - dem Land, aus dem so viele Menschen am liebsten fliehen würden.

2011 reist die 45-Jährige nach China, um ein Leberleiden behandeln zu lassen. Doch ihr Geld reicht nicht, um die Ärzte zu bezahlen. In ihrer Not lässt sie sich auf einen Schmuggler ein, wie die "New York Times" berichtet. Er bietet ihr an, sie zum Arbeiten nach Südkorea zu bringen. Dort könne sie schnell viel Geld verdienen und nach ein paar Monaten nach China zurückkehren. Kim lässt sich auf den Handel ein. Sie ahnt nicht, dass sie damit den größten Fehler ihres Lebens begeht, denn eine Rückkehr aus dem freien Süden in das steinzeitkommunistische Nordkorea ist verboten.

Seit Ende der 1990er-Jahre sind nach Angaben der "New York Times" 28.000 Menschen aus dem Norden in den reichen Süden des Landes geflohen. Bei Kim ist das anders. Sie will unbedingt wieder nach Hause zu ihrer "wunderbaren Familie". Aber sie darf nicht. "Sie wurde aus eigenem Willen südkoreanische Bürgerin und daher gelten die Gesetze für sie genauso wie für alle anderen südkoreanischen Bürger", sagte Park Soo-Jiin, Sprecherin des Wiedervereinigungsministeriums in Seoul. Diese Gesetze verhindern, dass die südkoreanische Regierung die Nordkoreanerin in ihre Heimat zurückkehren lässt. Denn es ist illegal, Bürgern zur Flucht nach Nordkorea zu verhelfen.

Der "New York Times" schildert die Nordkoreanerin, dass sie im Süden sogar für Nordkorea spionierte: Demnach sammelte sie persönliche Daten anderer Flüchtlinge und übergab sie dem Regime ihrer Heimat. "Dummerweise dachte ich, dass Südkorea mich abschieben würde, wenn sie mitbekommen, dass ich spioniere." Anschließend zeigte sie sich selbst an - und wurde daraufhin nicht etwa des Landes verwiesen, sondern kam für zwei Jahre ins Gefängnis.

Letzte Hoffnung: politischer Deal

Inzwischen ist sie auf Bewährung frei. Einen südkoreanischen Pass hat sie nicht. Von Nordkorea kann sie kaum Hilfe erwarten, denn für das Regime gelten Überläufer als Vaterlandsverräter. Manchmal werden sogar zurückgebliebene Familienangehörige für die Flucht von Verwandten bestraft und in Straflager gesteckt. Als Kim 2011 das Land verließ, war sie mit einem Arzt in der Hauptstadt Pjöngjang verheiratet. Heute arbeitet sie in einer Recyclingfirma in Yeongcheon an einer Maschine, die alte Elektrozäune zerkleinert.

Auch eine Charmeoffensive wird Kim kaum helfen: Zuletzt verkündete sie öffentlich, Staatsgründer Kim Il Sung "wie einen leiblichen Vater" zu verehren. Bei einem Fußballspiel habe sie im Stadium sehnsüchtig die nordkoreanische Hymne gesungen.

Die letzte Hoffnung könnte ein politischer Handel zwischen den beiden Koreas sein: Bisher zwei Mal, zuletzt allerdings vor 15 Jahren, hat Südkorea Spione in den Norden abgeschoben. Ob so eine Geste auch im aktuellen Fall möglich ist? "Wenn ich eine Sache gelernt habe", sagt Kim, dann sei es dies: "Wie ignorant sich Nordkoreaner wie ich schon immer gegenüber Südkorea verhalten." Und dann fügt sie hinzu: "Aber genau so wenig verstehen die Südkoreaner Nordkorea." Mehr als alles andere wolle sie, dass Nordkorea erkenne, dass sie keine Verräterin sei. "Ich habe niemals, nicht für einen winzigen Moment, mein Vaterland vergessen."

Quelle: ntv.de, dsi