Panorama

Räumung in Berlin beendet Polizei holt rund 60 Personen aus "Liebig 34"

Die Räumung des symbolträchtigen Hausprojekts "Liebig 34" in Berlin-Friedrichshain ist beendet. Die Polizei verschafft sich Zugang zum Gebäude und holt Dutzende Menschen heraus. Der Protest bleibt weitgehend friedlich. In der näheren Umgebung werden die Beamten aber teils massiv angegriffen.

Es dauerte ein paar Stunden - aber am Ende verlief die Räumung des besetzten Hauses "Liebig 34" im Berliner Stadtteil Friedrichshain ohne große Zwischenfälle. Am Mittag teilte die Polizei mit, dass das Gebäude gesichert sei.. Insgesamt 2500 Polizisten waren im Einsatz, teils in schwerer Montur. Hinzu kamen Räumungsfahrzeuge. 1500 Demonstranten waren laut Polizei am Einsatzort. Auch nach der um pünktlich um 7.00 Uhr begonnenen Räumung blieben rund 500 von ihnen vor dem Haus und protestierten mit Sprechgesängen und Parolen.

Beamte hatten sich am Morgen zunächst mit Brecheisen und Kettensäge Zugang zu dem Haus verschafft. Weitere Polizisten stiegen durch ein Fenster im 1. Stock ins Haus ein. Nach und nach führten sie insgesamt rund 60 Menschen - überwiegend Frauen - aus dem Gebäude. Sie wurden von den Protestierenden oftmals lautstark und mit Applaus begrüßt. Nur wenige widersetzten sich. Am Abend waren sie nach Polizeiangeben alle wieder auf freiem Fuß. Rund um die Aktion gab es demnach 50 weitere Festnahmen.

In dem Eckhaus nördlich der früheren DDR-Prachtmeile mit ihren sogenannten Stalin-Bauten stießen die Einsatzkräfte laut einem Sprecher jedoch auf Hindernisse. Türen und Fenster wurden mit Werkzeugen aufgebrochen, ausgelegte Balken weggeräumt, Metall wurde aufgeflext.

Auch Mauerreste und schwere Betonelemente waren aufgetürmt und das Treppenhaus blockiert worden. Polizisten überprüften das Gebäude Etage für Etage. Auf den umliegenden Dächern waren Einsatzkräfte in Stellung. Im Anschluss nahm ein Baugutachter das komplette Gebäude unter die Lupe. Danach soll es an den Gerichtsvollzieher übergeben werden.

Angriffe auf Beamte

Am frühen Morgen hatte die Polizei mitgeteilt, es seien Gegenstände auf die Fahrbahn in der Nähe des Hauses gebracht worden. In den umliegenden Straßen seien eingesetzte Beamte teils massiv angegriffen worden, erklärte die Polizei. Dabei wurden auch Flaschen auf Polizisten geworfen. "Es wirkt zunächst nicht so, als wolle man das Objekt bereitwillig übergeben", twitterte die Polizei. Im Stadtgebiet brannten mehrere Autoreifen, Müllcontainer und Autos. Um die Feuerwehr bei der Löschung zu unterstützen, setzte die Polizei Wasserwerfer ein.

"Liebig 34" war eines der letzten Symbolprojekte der linksradikalen Szene in der Hauptstadt. Bereits vor zwei Jahren war ein zehnjähriger Gewerbemietvertrag ausgelaufen. Der Eigentümer setzte schließlich die Räumung durch.

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Ein Räumungsfahrzeug fuhr rückwärts an die Eingangstür heran.

(Foto: REUTERS)

Unterstützer der Bewohner hatten vor der Räumung zu Aktionen aufgerufen: "Lasst uns Chaos stiften, sichtbar sein und die Räumung der Liebig 34 verhindern", hieß es auf der Internetseite des Hauses. Schon in den vergangenen Tagen gab es eine Serie von Brandanschlägen und anderen Zerstörungen, etwa bei der Berliner S-Bahn.

Am Vorabend hatten sich Hunderte Demonstranten in der Nähe versammelt. Sie standen vor einer kleinen Konzertbühne in der Rigaer Straße. Eine Hip-Hop-Band trat auf, die Stimmung war friedlich. Im bunt bemalten Haus "Liebig 34" waren einige Fenster beleuchtet. Aus Lautsprechern schallten abwechselnd Musik und Reden einer Frau über die Kreuzung. Hinter den Gittern der nächsten Absperrung standen aber nur wenige Menschen, die zuhörten.

Die Polizei hatte bereits vor Tagen mit Sperrungen im Kiez begonnen. Zwei Straßen wurden abschnittsweise komplett gesperrt. Dutzende Anwohner waren aufgerufen, ihre Pkw umzusetzen. Die Sperrungen wollen noch das Wochenende über andauern. Bereits seit dem Wochenende kam es zu teils stundenlangen Protesten und Spontan-Konzerten. Nur wenige Meter vom nun geräumten Haus befindet sich ein Pflege- und Seniorenheim. Am Einsatztag selbst blieben eine Grundschule und eine Kita geschlossen.

Seit der Nacht hatte die Polizei ihre Präsenz massiv erhöht. Rund um den Einsatzort standen in den Straßen dicht gedrängt die Einsatzfahrzeuge. Neben Polizisten aus Berlin waren auch Beamte unter anderem aus Bayern und Hamburg im Einsatz.

Quelle: ntv.de, rpe/jhe/dpa/AFP