Panorama

Zeuge berichtet vor Gericht Polizisten plünderten Pistorius' Wohnung

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Oscar Pistorius' Verteidigung bringt die Ermittlungspannen zur Sprache.

(Foto: AP)

Unangenehme Fragen an die Polizei von Pretoria: Wo ist die teure Uhr, die sich in der Tatnacht noch in der Wohnung des wegen Mordes angeklagten Sportlers Pistorius befunden hat? Und wieso benutzt ein erfahrener Beamter am Tatort keine Gummihandschuhe?

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Giliam van Rensburg muss zugeben, dass es in seiner Behörde schlimme Verfehlungen gab.

(Foto: dpa)

Im Mord-Prozess gegen Oscar Pistorius sind schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben worden. Der ehemalige Leiter des zuständigen Kommissariats Giliam van Rensburg berichtete von erheblichen Pannen und Verfehlungen bei den Ermittlungen. So soll einer seiner damaligen Kollegen die Tatwaffe ohne Schutzhandschuhe angefasst haben. Zudem sollen Polizisten Pistorius' Wohnung geplündert haben.

"Der Ballistiker hantierte ohne Handschuhe an der Waffe rum. Er hatte schon das Magazin herausgenommen", sagte der im vergangenen Jahr aus dem Polizeidienst ausgeschiedene van Rensburg. "Ich habe ihn gefragt: Was machen Sie da? Er hat 'Entschuldigung' gesagt, sie an ihren Platz zurückgelegt und dann erst seine Handschuhe aus seiner Tasche gezogen", sagte er.

Außerdem sei er Zeuge eines mutmaßlichen Diebstahls geworden, sagte van Rensburg weiter. In Pistorius' Wohnung habe sich eine blutverschmierte Schatulle mit acht wertvollen Uhren befunden. "Ich habe die Stücke gesehen und wusste sofort, dass sie sehr teuer waren", sagte van Rensburg. Als er dann später gehört habe, dass eine davon im Wert von umgerechnet etwa 7000 Euro verschwunden war, seien ihm die Zusammenhänge sofort klar gewesen: "Das war einfach zu verlockend."

Erst die Spitze des Eisbergs?

Er habe es "nicht fassen" können, sagte van Rensburg. "Wir waren da. Wie konnte diese Uhr verschwinden?", sagte er aus. "Ich war wütend." Weder eine Durchsuchung der Ermittler noch der Fahrzeuge hätte etwas ergeben. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, aber auch diese habe keine Ergebnisse erbracht.

Die Ermittlungspannen waren bereits während der Voranhörungen zu dem Prozess im vergangenen Jahr bekannt geworden. Van Rensburg sagte: "Ich wage gar nicht, daran zu denken, was bei diesen Ermittlungen noch alles schiefgelaufen ist."

Pistorius muss sich wegen der Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp seit Anfang März vor Gericht verantworten. Der an den Unterschenkeln amputierte Sprintstar hatte sie in der Nacht zum Valentinstag vergangenen Jahres durch die geschlossene Badezimmertür seines Hauses erschossen. Er beteuert, das 29-jährige Model für einen Einbrecher gehalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 27-Jährigen dagegen vor, Steenkamp nach einem Streit vorsätzlich getötet zu haben.

Quelle: ntv.de, jog/sid/AFP

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