Panorama

"Bedeutender Vorfall" am Triebwerk Qantas setzt alle A380-Flüge aus

2u8w5255.jpg7861690410361794838.jpg

(Foto: dpa)

Ein Flugzeug der australischen Fluglinie Qantas gerät im indonesischen Luftraum in Schwierigkeiten und muss notlanden. Eines der Triebwerke an der linken Tragfläche sieht aus, als sei es explodiert. Qantas nimmt seine A380-Maschinen vorerst aus dem Verkehr. Der Hersteller Airbus bezeichnet den Vorfall als "bedeutend".

2u8w5233.jpg8849085536670212453.jpg

Von einem der Triebwerke fehlt ein großes Stück.

(Foto: dpa)

Motorenprobleme haben einen Airbus A380 der australischen Fluglinie Qantas zu einer Notlandung gezwungen. Bei dem bislang schwersten Zwischenfall mit dem größten Passagierflugzeug der Welt wurde keiner der 459 Insassen verletzt, wie die Behörden in Singapur mitteilten. Qantas nahm seine A380-Maschinen vorerst aus dem Verkehr, während der Hersteller Airbus den Vorfall als "bedeutend" bezeichnete.

Kurz nach dem Start in Singapur habe er einen Knall wie bei einer Explosion gehört, sagte der deutsche Passagier Ulf Waschenbusch des Fluges QF32 nach der Notlandung. "Ich schaute aus dem Fenster und sah Flammen" am linken Flügel. Vor der Rückkehr nach Singapur drehte der Pilot des zweistöckigen Flugzeugs demnach mehrere Runden und ließ Kerosin ab. "An Bord waren alle merkwürdig ruhig", berichtete Waschenbusch. Während sich die 26-köpfige Besatzung um die 433 Passagiere kümmerte, habe er sich "in guten Händen gefühlt".

Der Airbus hatte über der indonesischen Insel Batam unmittelbar südlich von Singapur nur sechs Minuten nach dem Start Probleme bekommen und kehrte daraufhin auf den Changi-Flughafen zurück. Die Maschine hatte ursprünglich ins australische Sydney fliegen sollen. Qantas nannte einen "erheblichen Maschinenschaden" als Grund für die Notlandung. Auch die indonesischen Behörden gaben einen Motorschaden als Grund für den Zwischenfall an. Während der Notlandung strömte an der Unterseite des Flugzeugs Rauch aus.

Problem liegt bei Rolls-Royce

2u8w4015.jpg7675872637219356681.jpg

Die Prüfer wollen jetzt die Ursache für den Vorfall herausfinden.

(Foto: dpa)

Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sagte bei n-tv, dass es sich bei dem Vorfall ganz offensichtlich nicht um ein Wartungsproblem von Qantas handele. "Es dürfte sich um ein Problem des Triebwerkherstellers Rolls-Royce handeln, dessen Triebwerk versagt hat. Airbus hat damit nichts zu tun." Großbongardt spricht von einem schwerwiegender Zwischenfall, nicht aber von einer Katastrophe, "auch wenn die Teile, die aus dem Triebwerk entwichen sind, auch durch die Tragfläche schlugen".

Airbus: Sicherheitsbedenken sind unbegründet

Für Airbus-Chef Tom Enders ist die Ursache für den Zwischenfall noch unklar. "Wir kennen die Ursache noch nicht. Und Spekulationen bringen uns nicht weiter", sagte Enders der "Bild"-Zeitung. Airbus habe ein Team von Experten nach Singapur geschickt, um bei der Ursachenforschung zu helfen. Mit dem Triebwerkshersteller Rolls Royce sei ein Inspektionsplan aufgestellt worden. "Der sieht vor, vorsorglich alle Rolls-Royce-Motoren zu untersuchen."

Sicherheitsbedenken der Passagiere an Bord der A380-Maschinen seien unbegründet, erklärte Enders. "Die A380 ist ein sicheres Flugzeug und nach strengsten Sicherheitsvorschriften der Behörden zugelassen." Es gebe im Übrigen keine Pannenserie beim A380.

Qantas lässt A380 am Boden

Die Fluglinie Qantas erklärte, dass sie die sechs A380-Maschinen ihrer Flotte nicht mehr einsetzen werde, bis die Ursache für die Notlandung geklärt sei. Die Bestellung von 20 weiteren Maschinen dieser Art werde jedoch nicht gestoppt. Qantas ist eine von fünf Fluglinien, die das Riesenflugzeug Airbus A380 einsetzt. Auch bei Lufthansa, Air France, Emirates Airlines und Singapore Airlines ist der Jumbojet Teil der Flotte. Lufthansa, Emirates und Air France teilten bereits mit, ihre A380-Maschinen weiter einzusetzen.

Der Hersteller Airbus mit Sitz in Frankreich bezeichnete den Vorfall als "bedeutend". Allerdings seien die Riesenmaschinen für solche Fälle mit vier Motoren ausgerüstet. Der Hersteller der Motoren, das britische Unternehmen Rolls-Royce, teilte mit, gemeinsam mit Qantas die Ursache für die Probleme untersuchen zu wollen.

Mit dem größten Passagierflugzeug hatte es in der Vergangenheit bereits technische Schwierigkeiten gegeben, allerdings bislang nicht von dieser Schwere. Im September 2009 musste ein A380 von Singapore Airlines wegen einer Motorpanne auf dem Weg nach Paris umkehren. Air France musste zwei Monate später eine Maschine wegen Problemen mit der Navigationselektronik umkehren lassen.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP