Panorama

Schwere Krawalle in Hamburg "Rote Flora"-Demo geht in Rauch auf

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Die Polizei erklärte große Bereiche der Hamburger Innenstadt zum Gefahrengebiet.

(Foto: dpa)

Eine Demonstration für den Erhalt des linken Kulturzentrums "Rote Flora" wird in Hamburg von schweren Krawallen überschattet. Im Schanzenviertel herrscht Ausnahmezustand.

Es dauert nicht einmal eine Minute und schon bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen. Böller und Rauchbomben regnen auf Polizisten nieder, als Reaktion setzen die Beamten Wasserwerfer ein. Die Ouvertüre eines hochexplosiven Tages in Hamburg, an dessen Ende die Straße rund um das linke Kulturzentrum "Rote Flora" schlimmer als nach einer Silvesternacht aussieht.

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Mülltonnen brennen in einer Seitenstraße der Reeperbahn.

(Foto: dpa)

Die Straße ist mit Scherben übersät, Straßenschilder sind umgeknickt, Dutzende Steine aus dem Pflaster gerissen, Biertischgarnituren demoliert und die Scheiben eines Drogeriemarktes zerstört. Und als die Polizei den Protestzug auflöst, verspricht einer der Redner auf dem Demonstrationswagen der aufgebrachten Menge: "Das heute ist nicht das Ende, das ist erst der Anfang."

Gleich mehrere Konfliktthemen, die seit Wochen in der Hansestadt leidenschaftlich diskutiert werden, stehen im Mittelpunkt des Protesttages: Es geht um die Zukunft der "Roten Flora", den Erhalt der Esso-Häuser, den allgemeinen Wohnungsmangel und die Lage der Lampedusa-Flüchtlinge. "Die Stadt gehört allen", ist eines der Leitmotive der rund 7300 überwiegend aus dem linken politischen Spektrum stammenden Teilnehmer.

Zunächst war alles friedlich

Als sich die ersten Demonstranten am frühen Nachmittag vor der "Roten Flora" versammeln, ist die Stimmung noch friedlich. Anwohner lassen Konfetti auf die Menge rieseln, Familien mit kleinen Kindern mischen sich unter die Protestierenden, es dröhnt Musik vom Demonstrationswagen. Doch als sich dann kurz vor 15.00 Uhr vermummte Linksautonome im Schwarzen Block an der Spitze des Demonstrationszugs versammeln, kippt die Stimmung. Kurz danach herrscht Ausnahmezustand im gesamtem Schanzenviertel. Wer nicht die direkte Konfrontation sucht, rettet sich in Hauseingänge und Kneipen oder sucht das Weite.

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Polizeibeamte drängen vor dem Kulturzentrum "Rote Flora" die Demonstranten zurück.

(Foto: dpa)

Seit Wochen wusste die Hamburger Polizei, dass an diesem vierten Adventssamstag ein Großeinsatz bevorstand. Was sich dann aber zwischen Schanzenviertel und Kiez abspielt, ist auch für Hamburger Verhältnisse ungewöhnlich. "Solche Gewaltausbrüche hatten wir schon lange nicht mehr", sagt Polizeisprecher Mirko Streiber am Abend. Das Besondere: Es habe keinerlei Rücksicht auf die Gesundheit von Polizisten und Unbeteiligten gegeben. "Das ist ungewöhnlich und neu", sagt Streiber.

Kritik am Polizeieinsatz

Doch es gibt auch Klagen über das Vorgehen der mehr als 2000 Beamten, die teilweise auch Pfefferspray einsetzten. "Die Polizei war sehr aggressiv und hat übertrieben", sagt einer der Demonstranten. "Das Auftreten der Polizei ist schon sehr krass. So unkontrolliert und nervös haben wir es nicht erwartet", sagt ein anderer.

Nach dem explosiven Aufeinandertreffen auf dem "Schulterblatt", bei dem es auch Pflastersteine und Glasflaschen auf die Polizisten hagelte, liefert sich ein Großteil der Demonstranten nahe der Reeperbahn ein "Katz-und-Maus"-Spiel mit den Beamten.

Und die Spur der Zerstörung geht weiter. Die Scheiben eines Büros der in Hamburg alleinregierenden SPD werden eingeschlagen, mehrere Autos beschädigt. Die Zwischenbilanz am frühen Abend: 25 verletzte Polizisten, mehrere verletzte Aktivisten und mehrere Festnahmen.

Damit es am Abend nicht auch noch auf dem Kiez zu schweren Ausschreitungen kommt, sperrt die Polizei die Reeperbahn ab. Polizisten fordern Besucher auf, die Amüsiermeile zu verlassen, da sie nicht ihre Sicherheit garantieren könnten.

Quelle: n-tv.de, Benjamin Haller, Britta Kollenbroich, dpa

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