Panorama

Höchste Caesium-Werte seit zwei Jahren Strahlung um Fukushima steigt drastisch

2013-10-06T215459Z_1714775864_GM1E9A70GBK01_RTRMADP_3_JAPAN-FUKUSHIMA-TEPCO-FINANCES.JPG6549129679979032681.jpg

Die Ruine von Fukushima bleibt eine Zeitbombe.

(Foto: REUTERS)

Schon lange wirft die Regierung dem Akw-Betreiber Tepco vor, die Lage um Fukushima nicht im Griff zu haben. Die jüngsten Strahlenmessungen erhärten diesen Verdacht - doch Tepco sieht den Grund in Bauarbeiten in Reaktornähe.

In der unmittelbaren Umgebung des japanischen Unglückskraftwerkes Fukushima nimmt die atomare Strahlung erheblich zu. In Meerwasser vor einem der beschädigten Reaktoren wurden die höchsten Werte seit zwei Jahren gemessen, wie die Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power mitteilte. Die Werte für Cäsium-134 und Cäsium-137 schnellten um das 13-fache in die Höhe und weit über den Grenzwerten.

Ein Tepco-Sprecher sagte, Grund für die steigende Radioaktivität seien Bauarbeiten in der Nähe eines Reaktors. Um den Boden zu stabilisieren und ein weiteres Auslaufen von verseuchtem Wasser ins Meer zu verhindern, würden Chemikalien in die Erde gepumpt. Dabei sei ein Überdruck entstanden, der verstrahlte Erde ins Wasser gespült habe.

Erst am Mittwoch kamen sechs Arbeiter mit radioaktivem Wasser in Berührung, weil ein Mitarbeiter versehentlich ein Rohr abgetrennt hatte. Dabei liefen sieben Tonnen hoch radioaktiv verseuchtes Wasser aus. Im Ozean wurden aber nach Angaben von Tepco-Mitarbeitern keine erhöhten Strahlungswerke gemessen. Zuletzt wurden fast täglich Probleme aus dem AKW bekannt, die zumeist auf Fahrlässigkeit zurückzuführen waren.

Das Kraftwerk wurde vor zweieinhalb Jahren von der Flutwelle eines Tsunamis getroffen. Daraufhin fielen die Kühlsysteme aus, so dass es zu einer Kernschmelze kam. Es handelte sich um das schwerste Atomunglück seit der Katastrophe von Tschernobyl.

Tanks lecken schon

Tepco kämpft seitdem mit immer gewaltigeren Massen an verseuchtem Wasser auf dem Gelände des Atomkraftwerks. Es stammt aus der Kühlung der beschädigten Reaktoren.

Zusätzlich sickert täglich Grundwasser ein und mischt sich dort mit dem Kühlwasser. Daher pumpt Tepco ständig Wasser ab und lagert mittlerweile mehr als 300.000 Tonnen davon in rund 1000 Tanks, die jedoch bald nicht mehr ausreichen und zum Teil anfangen zu lecken. Tepco will daher den Bau weiterer Tanks beschleunigen. Die Regierung in Tokio wirft dem Betreiber vor, die Lage in Fukushima nicht richtig im Griff zu haben.

Um die gewaltigen Probleme mit verseuchtem Wasser in der zerstörten Atomanlage in den Griff zu bekommen, bat die Regierung die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) laut Medien um Hilfe. Ein Team von Experten der Organisation will sich in der kommenden Woche vor Ort ein Bild von der Sanierung der Schäden rund um die havarierte Atomanlage machen.

Quelle: n-tv.de, ghö/rts/dpa

Mehr zum Thema