Panorama

Feucht mit Chancen auf Sonne Tief "Vasco" versaut vielen das lange Wochenende

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Drei Tage frei, der Mai geht los - doch allzu euphorisch geplante Radtouren oder sonstige Trips ins Grüne sollten nochmal auf den Prüfstand kommen. Vielerorts gibt es Regen, zum Teil sogar reichlich. Erst zum Mai-Feiertag wird es etwas freundlicher. Doch auch dann gehört der Schirm mit ins Ausflugsgepäck.

ntv: Spanien erlebt enorme Hitze, bei uns in Deutschland war zuletzt hingegen Frost angesagt. Wie kommen diese Kontraste zustande?

In Sevilla ist es schon Ende April wahnsinnig heiß.

In Sevilla ist es schon Ende April wahnsinnig heiß.

(Foto: picture alliance/dpa/EUROPA PRESS)

Björn Alexander: Während Spanien bereits jetzt unter enormer Dürre leidet und sich dort im Prinzip über Monate Hochdruckeinfluss behauptet, führte die wettersteuernde Strömung die Tiefdruckgebiete wiederholt zu uns nach Deutschland. Das bescherte uns einen regenreichen März und einen nassen und kühlen April, der Iberischen Halbinsel auf der anderen Seite schon sehr früh Hitze und ausgewachsene Hitzewellen.

Auf Rekordniveau?

So sieht es aktuell aus. Denn die Hitzeblase aus den Tiefen der Sahara, die den Südwesten Europas erreicht hat, spricht eigentlich eine hochsommerliche Sprache. Spitzen über 35 Grad mit Trend gen 40 Grad. Das ist für Ende April eine echte Hausnummer.

Hängt das auch mit dem Klimawandel zusammen?

Grundlegend beobachten wir seit einigen Jahren vermehrt stationäre Wetterlagen. Erinnern wir uns beispielsweise an das Dürrejahr 2018 bei uns und die vielen Temperaturrekorde in Deutschland und weltweit.

Gibt es Beispiele?

Eine sehr prominente Situation ereignete sich unter anderem im Sommer 2021 in Kanada, als mit fast 50 Grad sämtliche Rekorde pulverisiert wurden. Damals wurden in der Ortschaft Lytton 49,6 Grad gemessen - und das auf derselben geografischen Höhe wie Köln, Düsseldorf oder Berlin.

Wie kam es dazu?

Hierbei spielen geografische Randbedingungen wie die Lage, umgebende Berge, Föhn- oder Kesseleffekte eine Rolle. Aber die Faktoren des Klimawandels sind immer eindeutiger zu sehen. Einerseits schon allein durch die höhere weltweite Grundtemperatur. Andererseits sorgen länger anhaltende Wetterlagen dafür, dass Luftmassen wesentlich weiter und intensiver transportiert werden können. In diesem Fall eben von Süd nach Nord.

Wären solche Extremwerte in Richtung 50 Grad auch in Deutschland denkbar?

Eher nicht. In Nordamerika spielen die enormen Landmassen - sowohl bei winterlichen als auch bei sommerlichen Extremwetterlagen - eine entscheidende Rolle. Sie puffern wesentlich weniger, als es die Wassermassen bei uns machen. Im Winter wärmt oftmals der "milde" Nordatlantik samt Golfstrom, und im Sommer muss die Heißluft aus Afrika sehr häufig übers Mittelmeer.

Dennoch beobachten wir aber auch bei uns, dass Hitzerekorde vermehrt gebrochen werden.

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

(Foto: ntv)

So ist es. Das sehen wir beispielsweise sehr anschaulich an der 40-Grad-Marke. In den ersten Jahrzehnten der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen wurde sie in Deutschland nicht überschritten. Erstmalig war es 1983 der Fall. Dann war zunächst Ruhe, bevor die 40 Grad wiederholt zum Bestandteil der Wetterchroniken wurden.

Wann zum Beispiel?

2003, 2015, 2019 oder im Sommer 2022. Leider wird dieser Trend ziemlich sicher bestehen bleiben und besonders die Ballungszentren noch extremer in den Schwitzkasten nehmen. Hier spielen unter anderem die betonierten und bebauten Flächen eine maßgebliche Rolle. Städteplanerisches Handeln ist somit jetzt noch wichtiger denn je, um zukünftige Hitzewellen abschwächen zu können.

Könnte die aktuelle Hitze in Spanien ihren Weg bis zu uns finden?

Grundsätzlich sind ab etwa Mitte April auch Hitzetage jenseits der 30-Grad-Marke bei uns in Deutschland denkbar. Die Rekorde liegen im April nämlich bei um die 30 bis knapp 33 Grad. Aber dafür braucht es eben eine entsprechende Wetterlage.

Welche Lage müsste das sein?

Ein Tief über Westeuropa, das die Wärme nordostwärts führt. Garniert mit einem Hoch über Mitteleuropa und schon hätten wir hierzulande Frühsommer. Zumal auch die Sonne schon so viel Kraft hat wie im August.

Wie ist denn die meteorologische Wirklichkeit für die kommenden Tage?

Den Beginn macht Tief "Vasco", das zwar mit milder, aber auch mit regenreicher Luft von Westen aufzieht. Damit wird es vor allem im Süden unseres Landes teilweise ziemlich nass. Zum Teil drohen bis in die Nacht zum Samstag Regenmengen von 20 bis 40, in Staulagen von 40 bis 80 Litern pro Quadratmeter - zudem Gewitter und auf den Bergen Sturmböen. Das Ganze bei 10 bis 20 Grad. Und eine ähnliche Spanne erwartet uns ebenso am langen Wochenende.

Mit welchem Wetter?

Das ist im Detail leider noch etwas unsicher. Insgesamt am besten sieht es noch an der Ostsee aus, hier kommen die meisten Sonnenstunden zusammen. Weniger Glück hat man unterdessen am Erzgebirge und ab Sonntag vor allem auch in den Alpen. Hier setzt nämlich abermals teils kräftiger Regen ein. Dazu werden es meistens 12 bis 20 Grad. Am wärmsten ist es am Rhein, am kühlsten im Seewind an der Küste sowie am Alpenrand am verregneten und gewitterbelasteten Mai-Feiertag.

Was bringt uns der Montag im Rest des Landes?

Im Norden und Nordosten bleibt es am ehesten schön, mit gutem, aber auch ziemlich frischem Ausflugswetter. Die Landesmitte geht wahrscheinlich wechselhaft durch den 1. Mai. Mit Glück bringen die durchziehenden Wolken aber nur wenig bis keinen Regen mit.

Und danach?

Haben die Wettercomputer für den Mai recht durchschnittliche bis sogar zu nasse Ansätze im Programm. Auch der Temperaturtrend will sich im Mittelmaß bis leicht überdurchschnittlich bewegen. Das wären dann im Gesamtmonat um die 70 Liter Regen pro Quadratmeter und erste richtige Gehversuche des (Früh-)Sommers in der zweiten Maihälfte.

Quelle: ntv.de

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