"Ketamin von nackten Körpern"US-Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Gruppenvergewaltigung an Elite-Uni

Ein Vorfall an der US-Elite-Universität Cornell erregt landesweit Aufmerksamkeit: Eine junge Frau soll im Oktober 2024 von sieben Männern unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden sein. Die Studenten sollen auf einer Snapchat-Gruppe dazu eingeladen haben.
Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates New York ermittelt erneut wegen einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer Frau an der Cornell University im Jahr 2024. Die Frau reichte am 16. September eine Zivilklage ein, in der sie angibt, in einem Studentenwohnheim der Universität von mehreren Personen unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden zu sein, berichtet unter anderem die britische BBC.
Die Frau, die in den Gerichtsakten unter dem Pseudonym "Jane Doe" genannt wird, behauptet in der Klage, dass sie im Oktober 2024 von sieben Männern der Studentenverbindung Chi Phi der Cornell Universität missbraucht wurde. Bei dem Vorfall sollen Alkohol und die Droge Ketamin im Spiel gewesen sein. Jane Doe gab in der Klage an, dass sie während des angeblichen Missbrauchs betrunken gewesen sei und daher nicht in der Lage ihre Zustimmung zu geben.
Sie wirft der Studentenverbindung zudem vor, andere Mitglieder über eine Snapchat-Gruppe zu einer Gruppenvergewaltigung eingeladen zu haben. In der Klageschrift gibt es ein Bild, das einen angeblichen Gruppenchat der Studentenverbindung zeigt. In diesem schreibt einer der männlichen Studenten, es gebe "Free P-y" ("kostenlose Muschi"). Ein anderer schreibt: "du kannst reinkommen und sie dir holen", berichtet die "New York Post".
Die Frau meldete den Vorfall bereits im November 2024 der Campus Polizei der Cornell. Keiner der Mitglieder der Studentenverbindung wurde bisher strafrechtlich verfolgt. Gegen die sieben Beschuldigten wurden Suspendierungen ausgesprochen. Angeblich wurde ihnen "die Möglichkeit gegeben, ihre Strafe durch die Einreichung von Essays" zu milden, heißt es in der Klage. Die Universität weist diese Behauptung zurück.
Unterschiedliche Vorwürfe
Der nun unter Druck stehende Bezirksstaatsanwalt Matthew Van Houten teilte mit, dass sich die Aussagen 2024 von den in der Zivilklage erhobenen Vorwürfen unterscheiden würden. Seinem Büro sei zum damaligen Zeitpunkt keine andere Wahl geblieben, als von einer Anklage gegen die beschuldigten Studenten abzusehen. Die Ermittlungen nehme er nur wieder auf, weil die Zivilklage angeblich Details enthalte, von denen sein Büro nichts wusste.
"In der eidesstattlichen Erklärung vom November 2024 behauptet Jane Doe nicht, gegen ihren Willen unter Drogen gesetzt oder von mehreren Männern vergewaltigt zu werden", sagte Van Houten in einer Erklärung, die der BBC vorliegt. Jane Doe soll ihre Teilnahme an Drogenkonsum und sexuellen Handlungen als "freiwillig, bewusst und einvernehmlich" beschrieben haben, so der Bezirksstaatsanwalt. Er räumte aber ein, dass Opfer von sexuellen Opfergriffen "Jahre der Therapie und Heilung" brauchen können, ehe sie das Erlebte vollständig verarbeiten und verstehen können.
"Ketamin von nackten Körpern"
Der Staatsanwalt enthüllt in seiner Erklärung nun detaillierte Schilderungen dessen, was dem mutmaßlichen Opfer passiert war, nachdem das Opfer sich im Haus der Studentenverbindung befand. "Mann Nr. 1 brachte Jane Doe an einen 'ruhigen Ort' und 'fragte, wie sie zu einem Dreier mit zwei männlichen Partnern stehen würde'", schrieb Van Houtens Behörde unter Berufung auf die polizeiliche Anzeige der Frau. "Doe 'stimmte zu, da sie sich zu ihm hingezogen fühlte und zudem durch den Alkohol neugierig geworden war'", hieß es weiter. "Als sie erfuhr, dass Mann Nr. 2 der dritte Teilnehmer sein würde, erinnerte sich Jane Doe daran, aufgeregt gewesen zu sein, weil sie dachte, dass der Wunsch von den Männern nach einem Dreier bedeute, dass sie schwul seien. '"
Von da an artete die Nacht in ein schockierendes Gelage aus, bei dem die Gruppe Ketamin von den nackten Körpern der anderen schnupfte und während des Sex Alkohol konsumierte, hieß es in ihrer Aussage. Dabei hatten einige der Männer Mühe, bei Bewusstsein zu bleiben, und würgten, während sie versuchten, sich nicht zu übergeben.
"Zu Beginn des Dreiers beschrieb Jane Doe ihren Rauschgrad als '5 oder 6 von 10' und sagte, sie sei 'ziemlich einverstanden mit diesem Dreier'", hieß es in der Aussage. Dann begannen auch andere Männer den Raum zu betreten und Doe gab an, aufgrund ihrer zunehmenden Benommenheit durch die Drogen und den Alkohol, allmählich den Überblick darüber zu verlieren, was vor sich ging. Einer der Männer sagte "etwas sehr Unhöfliches und Gemeines", entschuldigte sich und "packte ihr Gesicht" und fing an, sie zu küssen. Doe wich schnell zurück, um ihn "davon abzuhalten".
"Sex als Wiedergutmachung"
Die anderen Männer begannen nach Aussage Jane Doe Komplimente zu machen. Ein Mann fragte "ob sie alle Drogen von ihrem perfekten Körper nehmen könnten". Sie habe zugestimmt und gab an noch mehr Ketamin geschnupft zu haben. Doe erinnert sich daran, sich "extrem high" gefühlt zu haben. Einer der Männer wollte wieder Sex mit ihr "als Wiedergutmachung dafür, dass er früher in der Nacht ohnmächtig geworden sei". Jane Doe gab zunächst an, sie sei müde und fragte den Mann: "was ist aus, nur du und ich geworden?".
Sie konnte sich nicht daran erinnern, wie es angefangen hatte aber, ließ sich dann auf einen Dreier ein, hieß es in der Erklärung. Die Nacht endete nach vier Stunden um 5:45 morgens, als Jane Doe ihren Rauschzustand mit einer 8 auf einer Skala von 1 bis 10 beschrieb. Sie habe den Männern mitgeteilt, sie sei "müde und müsse ins Bett". "Zu diesem Zeitpunkt beendeten die Männer den Dreier mit ihr, soweit sie sich erinnern kann", endet die Erklärung der Staatsanwaltschaft.
Van Houten sagte, die Erklärung vom November 2024 enthielt keine Behauptung, sie sei gegen ihren Willen unter Drogen gesetzt oder von mehreren Männern vergewaltigt worden. Das Verhalten der Mitglieder der Studentenverbindung sei ohne Frage "widerlich und moralisch verwerflich" aber "Strafverfolgung beruhe auf Beweisen und nicht auf Emotionen". Ein Bürgergremium werde den Fall nun prüfen und feststellen, ob eine formelle Anklage erhoben werden soll.
Die Cornell Universität stellte klar, dass einige der beschuldigten Studenten der Schule verwiesen wurden - und nannte das Opfer "unverantwortlich", weil es behauptete, jemand sei ungeschoren davongekommen. Zudem sei eine interne Untersuchung eingeleitet worden. "Keinem der Angeklagten wurde als alleine Folge seiner Beteiligung die Möglichkeit geboten, Aufsätze zu schreiben", sagte die Cornell. Einem Bericht aus dem Jahr 2025 zufolge gaben 35 Prozent der Studentinnen und 8 Prozent der Studenten an, während ihrer Zeit an der Cornell sexuelle Übergriffe erlebt zu haben. Der Fall von Jane Doe erregte nach der Klage landesweite Aufmerksamkeit.