Panorama

"Dimension ist atemberaubend" Zerstörung in Beirut schockiert THW-Helfer

Die Aufräumarbeiten nach der verheerenden Explosion in Beirut haben gerade erst begonnen. Aus Deutschland eintreffende Helfer zeigen sich schockiert von den Zerstörungen. Bei den Libanesen wächst derweil die Wut. Aktivisten planen Demos gegen die Regierung.

Vier Tage nach der verheerenden Explosion in Beirut sollen heute viele Opfer der Katastrophe beerdigt werden. Aktivsten haben für den Nachmittag zudem zu Demonstrationen gegen die Regierung aufgerufen, die sie für die Detonation verantwortlich machen. Rettungshelfer suchen in den Trümmern weiter nach Opfern der gewaltigen Explosion.

Deutsche Rettungshelfer zeigten sich vom Ausmaß der Zerstörung in Beirut schockiert. "Das Einsatzgebiet ist wirklich riesig", sagte die Sprecherin des Technischen Hilfswerks (THW), Georgia Pfleiderer, der Deutschen Presse-Agentur. Die Schäden seien immens. "Was hier an Gebäuden stand, das waren ja richtige Hochregallager und Großgebäude, die liegen alle in Trümmern. Das ist wirklich eine Dimension, die ist echt atemberaubend." Ihr bisher fünfter THW-Einsatz im Ausland sei "vom Ausmaß des Schadens das Größte, was ich bisher gesehen habe".

Die Explosion hat die Wut vieler Libanesen auf die Regierung weiter gesteigert. Sie werfen der politischen Elite schon seit langem Korruption und Ausbeutung des Landes vor. Bereits im vergangenen Herbst waren Massenproteste ausgebrochen, die grundlegende politische Reformen verlangten. Durch die Explosion wächst der Druck auf die Regierung. Auch viele Staaten und internationale Organisationen verlangen im Gegenzug für finanzielle Hilfe weitgehende Reformen. Der Libanon leidet seit Monaten unter einer der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen seiner Geschichte, die durch die Corona-Pandemie noch verschärft wurde. Viele Libanesen sind in Armut abgerutscht. Ihnen fehlt das Geld für einen Wiederaufbau.

USA fordern transparente Untersuchung

Bei der Explosion am Dienstag wurden mehr als 150 Menschen getötet, rund 5000 wurden verletzt. Immer noch werden mehr als 60 Menschen vermisst. 25 Tote konnten nach Angaben des Gesundheitsministeriums bisher nicht identifiziert werden. Von den mehr als 5000 Verletzten schwebten demnach noch mindestens 120 in Lebensgefahr. Große Teile des Beiruter Hafens wurden vollständig zerstört und auch die umliegenden Wohngebiete stark beschädigt. Bis zu 250.000 Menschen sind obdachlos. Die Explosion soll durch eine große Menge der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat ausgelöst worden sei, die nach Regierungsangaben über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert worden war.

US-Präsident Donald Trump sagte derweil seine Teilnahme an der von Frankreich organisierten internationalen Geberkonferenz für den Libanon zu. "Alle wollen helfen", twitterte Trump am Freitag nach einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen Emmanuel Macron. Er werde sich am Sonntag an der Videokonferenz mit Macron sowie Vertretern der libanesischen Regierung und zahlreicher anderer Länder beteiligten. In einem Telefonat mit seinem libanesischen Kollegen Michel Aoun bekundete Trump seine Anteilnahme. Er sicherte Aoun die Unterstützung der USA zu. Drei Flugzeuge mit Hilfsgütern an Bord sowie medizinisches Personal und weitere Einsatzkräfte seien bereits auf dem Weg in den Libanon.

US-Außenminister Mike Pompeo forderte in einer vom State Department verbreiteten Erklärung eine "gründliche und transparente" Untersuchung des Unglücks. "Die Menschen im Libanon verdienen Rechenschaft sowie eine Regierung, die der Sicherheit und dem Wohlbefinden ihrer Bürger Priorität einräumt."

Interpol hilft bei Identifizierung

Bereits vor der Explosion litt die Hälfte der Bevölkerung in Beirut Hunger und lebte unterhalb der Armutsgrenze. Die Stiftung RTL will helfen: Unsere Partner CARE Deutschland e.V. und I.S.A.R. Germany e.V. kümmern sich um die Versorgung von Verletzten und um Notunterkünfte für die unzähligen Obdachlosen, aber auch um langfristige Hilfe für Kinder und Familien, die vor dem Nichts stehen. Sie können uns ganz einfach mit 10 Euro unterstützen.

Schicken Sie eine SMS mit dem Wort BEIRUT an die 44 8 44.

Oder spenden Sie per Überweisung:

Stichwort: Beirut
Empfänger: Stiftung RTL
Konto: DE55 370 605 905 605 605 605
Sparda-Bank West

Am Freitag waren Verantwortliche des Hafens von Beirut festgenommen worden. Dazu zählten Zoll-Chef Badri Dahir, dessen Vorgänger Schafik Mirhi und Hafen-Direktor Hassan Kuraitim, meldete die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA. Die Entscheidung sei im Zuge von Ermittlungen zu den Hintergründen der Explosion getroffen worden, hieß es weiter. Bereits am Vorabend waren 16 Hafen-Mitarbeiter festgenommen worden. Nach Justizangaben wurden bislang 18 Personen vernommen. Die Ermittlungen zur Ursache der Katastrophe laufen aber noch.

Libanons Präsident Aoun erklärte am Freitag, bei den Ermittlungen solle untersucht werden, ob die Explosion durch Fahrlässigkeit verursacht worden sei. Es solle aber auch geprüft werden, ob es möglicherweise eine "ausländische Einmischung" durch eine Rakete oder Bombe gegeben habe. Dafür gibt es allerdings bislang keinerlei Anzeichen.

Die internationale Polizeiorganisation Interpol unterstützt die örtlichen Behörden mit Experten. Dabei gehe es unter anderem um die Identifizierung von Opfern, teilte Interpol am Freitagabend in Lyon mit. Interpol werde jegliche Hilfe leisten, die vom Libanon beantragt werde, erklärte Generalsekretär Jürgen Stock. An der Suche nach Überlebenden waren Internationale Teams beteiligt, darunter auch das THW. Ein Krisenunterstützungsteam (KUT) der Bundeswehr traf am Freitag in Libanons Hauptstadt ein. Dazu zählen Soldaten und zivile Experten, die die deutsche Botschaft unterstützen sollen.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP