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Nordkorea, Irak, Syrien 100 Millionen Christen werden verfolgt

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In Ägypten sind die koptischen Christen - zehn Prozent der Bevölkerung - weiterhin Repressalien ausgesetzt. Das Land steht auf Platz 23.

(Foto: AP)

Die größte Gefahr für Christen ist in vielen Ländern islamistischer Terror. Im Irak sind Christen im vergangenen Jahr aus ganzen Landstrichen verschwunden. Ewiger Spitzenreiter des jährlichen Weltverfolgungsindex ist allerdings ein ganz unislamisches Land.

Unterdrückung, Arbeitslager, Misshandlungen: In keinem Staat werden Christen so stark verfolgt wie in Nordkorea. 70.000 von ihnen sind in dem abgeschotteten kommunistischen Land in Lagern interniert, wie aus dem vom christlichen Hilfswerk Open Doors veröffentlichten "Weltverfolgungsindex 2015" hervorgeht. Dort seien sie schwerster Arbeit und Folter ausgesetzt. Zum 13. Mal in Folge setzte die in Organisation Nordkorea deshalb auf den ersten Platz ihres jährlich erscheinenden Indexes.

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Nach Schätzungen von Open Doors sind weltweit rund 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens Repressalien ausgesetzt. In dem Ranking folgt Somalia auf dem zweiten Platz. Im Irak (3.) und in Syrien (4.) litten Christen besonders unter der Herrschaft der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), heißt es. Aus der Ninive-Ebene und der Millionenstadt Mossul im Irak sei die christliche Gemeinschaft praktisch verschwunden. In Syrien seien von 1,8 Millionen Christen bereits 700.000 aus dem Land geflohen, viele weitere seien innerhalb des Landes auf der Flucht. Betroffen seien hier vor allem Christen aus den Gebieten, die der IS erobert hat.

Bedrohung in Afrika wächst

Islamischer Extremismus sei in den meisten der 50 aufgeführten Länder ein Grund der Verfolgung. "Die Verfolgung von Christen hat sich nach unseren Beobachtungen auch im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2015 weiter verstärkt", sagte der Leiter von Open Doors, Markus Rode. Die Rangliste solle aber nicht in der Debatte um die Stellung des Islam in Deutschland instrumentalisiert werden, warnte er.

Mit Somalia, Sudan, Eritrea und Nigeria sind vier Staaten vom afrikanischen Kontinent in den Top Ten des Weltverfolgungsindex vertreten. In dem Bericht ist von einer deutlichen Verschlechterung der Lage in Afrika die Rede. Besonders abgestürzt sind Somalias Nachbarstaaten Kenia (von Platz 43 auf Platz 19) und Dschibuti (von Platz 46 auf Platz 24). Der Sudan tat sich im vergangenen Jahr mit dem Fall Mariam Ibrahim hervor, die wegen Apostasie zum Tode verurteilt worden war. Das Urteil wurde später auf internationalen Druck hin aufgehoben, die zweifache Mutter reiste mit ihren Kindern in die USA aus.

Dramatisch ist dem Bericht zufolge auch die Lage in Nigeria, wo die Terrorgruppe Boko Haram - wie der IS im Nahen Osten - ein Kalifat ausgerufen hat. Dieses werde mit äußerster Brutalität über den gesamten Bundesstaat Borno und Teile von Adamawa ausgebreitet.

Für den Index werden die Lebensumstände der Christen von Menschenrechtsexperten, Wissenschaftlern und Betroffenen beurteilt. Dazu werden Freiheiten und Einschränkungen der Christen in ihrem alltäglichen Leben erfasst. Kategorien sind zum Beispiel Privatleben, Familie, Gesellschaft, Leben im Staat und kirchliches Leben.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa

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