Politik

Welthunger-Index zeigt Rückgang 800 Millionen Menschen leiden Hunger

In Afgahnistan, Sambia und Sierra Leone ist unter anderem die Hungersnot besonders groß.

Unter anderem in Afghanistan, Sambia und Sierra Leone ist die Hungersnot besonders groß.

(Foto: Welthungerhilfe)

Die Welthungerhilfe meldet Fortschritte in der Bekämpfung des Hungers in der Welt, doch in vielen Ländern ist die Situation weiterhin alarmierend. Besonders verheerend wirken sich bewaffnete Konflikte aus.

Trotz großer Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers sind weltweit immer noch fast 800 Millionen Menschen unterernährt. Bewaffnete Konflikte wie im Jemen, im Südsudan oder in Syrien sind oft die Hauptursache für Hunger und Mangelernährung, wie aus dem nun veröffentlichten Welthungerindex 2016 hervorgeht. Weltweit ist der Hunger demnach seit dem Jahr 2000 um 29 Prozent zurückgegangen. Auch in absoluten Zahlen ist der Hunger auf dem Rückzug, obwohl die Weltbevölkerung weiter wächst. Dennoch sind weltweit noch immer 795 Millionen Menschen unterernährt. Zum Vergleich: Zwei Jahre zuvor galten noch 842 Millionen Menschen als chronisch unterernährt.

"Ich beginne mit dem Licht. Es sind knapp unter 800 Millionen Menschen, die noch hungern. Das ist ein weiterer Fortschritt und in sehr vielen Ländern hat es auch in den vergangenen Jahren Fortschritte gegeben", sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann bei n-tv. Es gebe aber eben auch Schatten - 800 Millionen sei eine hohe Zahl. Vor allem würden Menschen in Subsahara-Afrika nach wie vor in Hunger leben. "Was der größte Schatten für uns ist, ist dass oft Erfolge, die eingetreten sind, durch kriegerische Auseinandersetzungen, durch Bürgerkriege wieder aufgehoben werden, so dass Menschen wieder in Hungersituationen kommen, die eigentlich schon in einer besseren Situation waren."

Ungleichheit innerhalb eines Landes wird nicht berücksichtigt

In Ägypten ist die Unterernährung zwar dem Index zufolge nur "mäßig". Allerdings ist in dem bevölkerungsreichsten arabischen Land keine Verbesserung festzustellen. Dass der aktuelle Wert heute sogar noch etwas schlechter ist als im Jahr 2005 birgt auch politischen Sprengstoff. Große Fortschritte wurden den Angaben zufolge dagegen in Ruanda und in Myanmar erzielt.

Die nationalen Durchschnittswerte verdecken nach Angaben der Autoren zum Teil, wie ungleich einzelne Regionen oder Bevölkerungsgruppen innerhalb eines Landes vom Hunger betroffen seien - etwa weil ein bestimmter Stamm oder eine bestimmte Kaste diskriminiert wird. Einige Länder tauchen im diesjährigen Index allerdings gar nicht auf, da es von dort aufgrund der Kriegssituation keine belastbaren Daten gibt. 

Auch 2030 wird es noch Hungersnot geben

Rund 65 Millionen Menschen sind zudem auf der Flucht. "Davon ist ja nur ein Bruchteil nach Europa gekommen", sagte Dieckmann. Die meisten Menschen würden in angrenzende Länder fliehen. Ein Beispiel sei etwa Niger, in das Nigerianer auf der Flucht vor den Kämpfen zwischen der radikalislamischen Miliz Boko Haram und den Regierungstruppen fliehen würden. In dem armen Land Niger, dem Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch am Montag weitere Hilfe zusagte, seien Hunderttausende Menschen untergekommen. Sie lebten dort oft in Zelten oder seien in Privathäusern untergekommen. Aber die Landwirtschaft in Niger könne nicht alle Menschen versorgen.

Das UN-Ziel, dass es bis 2030 keine Hungersnot mehr in der Welt geben solle, werde aller Voraussicht nach verfehlt, sagte Dieckmann. Zwar habe die Zahl der Länder abgenommen, in denen nach dem Welthunger-Index Menschen unterernährt sind. Jedoch sei das Tempo der Verbesserung der Versorgungslage zu gering, um in 14 Jahren Hungersnöte besiegen zu können.

Quelle: ntv.de, sro/dpa/rts