Politik

Fingerspuren auf Kalaschnikow Abaaoud mordete offenbar auch selbst

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Steuerte die Angriffe offenbar direkt vor Ort: Abdelhamid Abaaoud

(Foto: picture alliance / dpa)

Bislang hielten die französischen Ermittler den bei der Erstürmung seiner Wohnung getöteten Dschihadisten Abdelhamid Abaaoud für den Drahtzieher hinter der Terrorserie von Paris - doch seine Verstrickung geht offenbar noch viel tiefer.

Der als Drahtzieher geltende Islamist Abdelhamid Abaaoud war offenbar direkt an den Anschlägen von Paris beteiligt. Auf einer Kalaschnikow, die bei der Angriffsserie benutzt worden war, wurden Spuren des inzwischen getöteten Belgiers gefunden, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr. Abaaoud wurde zudem am Abend des Anschlags gegen 22.00 Uhr von einer Überwachungskamera im Pariser Vorort Montreuil gefilmt.

In Montreuil, wo der 28-jährige Abaaoud an der Metro-Station Croix de Chavaux gefilmt wurde, war nach den Anschlägen ein schwarzer Seat gefunden worden. Diesen nutzten die Angreifer bei der Attacke auf eine Reihe von Bars und Restaurants in der französischen Hauptstadt. In dem Auto befanden sich drei Kalaschnikows. Die Spuren auf einer der Waffen stützen die These, dass Abaaoud einer der Angreifer auf die Bars und Restaurants war.

"Drahtzieher" des Todes

Bislang war wenig über die Rolle bekannt, die das Mitglied der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bei den Anschlägen mit 130 Toten spielte. Frankreichs Premierminister Manuel Valls bezeichnete ihn nach Bekanntwerden seines Todes als "einen der Drahtzieher" der blutigsten Anschläge in der Geschichte Frankreichs. Abaaoud wurde am Mittwoch bei der Erstürmung einer Wohnung im Pariser Vorort Saint-Denis durch Sondereinheiten getötet. Seine stark verstümmelte Leiche wurde erst am folgenden Tag anhand von Fingerabdrücken identifiziert.

Neue Erkenntnisse gab es auch zu der in Saint-Denis getöteten Cousine Abaaouds: Die 26-jährige Hasna Aitboulahcen sei nicht durch die Zündung einer Sprengstoffweste gestorben, verlautete aus Polizeikreisen. Bei dem Selbstmordattentäter in der Wohnung handelte es sich demnach um einen Mann, der bislang nicht identifiziert wurde. Seine Leiche war ebenfalls so stark entstellt, dass die Ermittler ihn zunächst für eine junge Frau gehalten hatten.

Zwei der Pariser Selbstmordattentäter wurden nach jüngsten Erkenntnissen der Pariser Staatsanwaltschaft am 3. Oktober zusammen auf der griechischen Insel Leros kontrolliert. Der Nachweis für den zweiten Attentäter sei mit Hilfe der Fingerabdrücke gelungen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bereits Anfang der Woche war ebenfalls durch einen Abgleich der Fingerabdrücke der Nachweis für einen anderen Attentäter gelungen.

Die Ermittler konnten mit den Fingerabdrücken lediglich belegen, dass die beiden Attentäter in Leros kontrolliert wurden. Nicht geklärt ist ihre Identität. Aus französischen Ermittlerkreisen hieß es, der IS verfüge über "authentische ungenutzte Reisepässe". Diese würden eingesetzt, um gezielt Menschen in den europäischen Schengen-Raum einzuschleusen.

Quelle: ntv.de, jve/AFP