Politik

Hetzer bewirbt sich mit Attacke AfD-Schreck Gedeon strebt Parteivorsitz an

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Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Gedeon will AfD-Vorsitzender werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wegen Antisemitismusvorwürfen hat Wolfgang Gedeon gerade erst ein Ausschlussverfahren aus der AfD überstanden. Nun will er an die Spitze der Partei. Vor dem Bundesparteitag greift der 72-Jährige den Vorstand an. Dort scheint eine erneute Gauland-Amtszeit nun doch nicht ausgeschlossen.

Kurz vor dem Bundesparteitag der AfD in Braunschweig hat nun auch der parteiintern umstrittene baden-württembergische Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon seine Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt gegeben. Das teilte er auf der Bewerbungs-Seite der AfD mit. Dort attackierte Gedeon auch den Bundesvorstand: Es sei skandalös, wenn dieser versuche, durch Parteiausschlussverfahren den innerparteilichen Meinungskampf zu seinen Gunsten zu steuern, schrieb der 72-Jährige.

Der momentane Co-Vorsitzende und Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland hat unterdessen mit einem Rückzug vom Rückzug kokettiert und erklärt, dass er erst auf dem Parteitag entscheiden wolle, ob er erneut antritt. Wenn sein Co-Vorsitzender Jörg Meuthen und der sächsische AfD-Politiker Tino Chrupalla als neue Doppelspitze bestimmt würden, "würde ich es gerne so lassen, wie es geplant war", sagte Gauland dem "Focus". "Ansonsten behalte ich mir eine Kandidatur für den zweiten Sprecherposten vor." Zuvor hatte Gauland eine erneute Kandidatur für sein Amt ausgeschlossen.

Der neue Bewerber Gedeon beklagte derweil in seinem Bewerbungstext "ein Heer staatlich bezahlter 'Antisemitismus-Beauftragter'" in Deutschland. Ende Oktober war ein Parteiausschlussverfahren gegen den wegen Antisemitismusvorwürfen vorbelasteten Landtagsabgeordneten erneut gescheitert. Der baden-württembergische Landesvorstand hatte ebenfalls schon den Parteiausschluss gegen Gedeon angestrebt - das Landesschiedsgericht im Südwesten wies den Antrag aber unter Verweis auf formale Gründe zurück. Gedeon selbst weist die Antisemitismus-Vorwürfe zurück. Sie hatten 2016 vorübergehend zur Spaltung der AfD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag geführt. Gedeon gehört dem Landesparlament derzeit als fraktionsloser Abgeordneter an und löst mit seinen Redebeiträgen immer wieder Empörung aus.

Die AfD will auf ihrem zweitägigen Parteitag, der am Samstag beginnt, einen neuen Bundesvorstand wählen. Als aussichtsreiche Kandidaten für die zwei Co-Vorsitzenden-Posten gelten der aktuelle Vorsitzende Jörg Meuthen und der sächsische Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla. Das Feld der Bewerber ist in den vergangenen Tagen aber noch einmal unübersichtlicher geworden. Vor allem der Berliner Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio hat die Planungen für den Bundesparteitag mit seiner kurzfristig bekanntgegebenen Kandidatur noch einmal kräftig durcheinandergewirbelt. Curio ist innenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion. Bei der Neuwahl der Fraktionsspitze im September hatte er erfolglos für zwei Posten kandidiert.

Als chancenreiche Kandidatinnen für die Co-Vorsitzenden-Posten der Bundespartei gelten auch die niedersächsische Landeschefin Dana Guth und die Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst. Der Co-Vorsitzende und Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland will nach eigenem Bekunden erst auf dem Parteitag entscheiden, ob er erneut antritt.

Quelle: ntv.de, cri/dpa