Politik

Gewalt vor den Wahlen Deutsche Kriegsfotografin erschossen

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Anja Niedringhaus wurde nur 48 Jahre alt. Auf diesem Foto von 2005 ist sie ausnahmsweise nicht in einem Kriegsgebiet, sondern in Rom unterwegs.

(Foto: AP)

Ein Checkpoint-Polizist feuert im Osten Afghanistans auf den Wagen der deutschen AP-Fotografin Anja Niedringhaus und ihrer kanadischen Kollegin. Die 48-Jährige ist sofort tot. Der Schütze wird verhört. Die Taliban bestreiten, verantwortlich zu sein.

Die prominente deutsche Foto-Reporterin Anja Niedringhaus ist nach Angaben der Polizei in Ostafghanistan von einem Polizisten erschossen worden. Ein Sprecher in der Provinz Chost sagte, die kanadische Journalistin Kathy Gannon sei schwer verletzt und in ein Krankenhaus gebracht worden. Niedringhaus sei sofort tot gewesen. Beide Frauen arbeiteten für die US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP) und hatten jahrelange Erfahrung in der Region und anderen Konfliktgebieten.

Niedringhaus hat bis zum 2. April Tweets aus Afghanistan abgesetzt. In vielen davon trauert sie um gestorbene Kollegen.

Die beiden Reporterinnen waren zur Berichters

tattung über die afghanische Präsidentenwahl nach Chost gereist. Die New Yorker AP-Zentrale hat den Tod der 48 Jahre alten Niedringhaus inzwischen bestätigt. Der Zustand von Kathy Gannon sei stabil. Ein anwesender freier Mitarbeiter von "AP Television" habe mitgeteilt, beide hätten in einem Wagen in einem Wahlkonvoi gesessen, als ein Polizist mit den Worten "Allahu Akbar" (Gott ist Groß) das Feuer auf sie eröffnet habe. Er sei danach festgenommen worden, ohne Widerstand zu leisten.

Schütze wird verhört

Die Taliban - die Angriffe auf die Wahlen angekündigt haben - weisen jede Verantwortung für den Mord zurück. Das Auswärtige Amt teilte mit, die deutsche Botschaft in Kabul sei "mit Nachdruck um Aufklärung bemüht".

Der Polizeisprecher der Provinz Chost sagte, die Frauen seien von der Provinzhauptstadt aus mit einem einheimischen Fahrer eigenständig - ohne den Konvoi - weiter nach Tanai an der pakistanischen Grenze gefahren, weil sie von dort über die Wahl berichten wollten. Ihr Fahrer sei unverletzt geblieben. Der Schütze sei Kommandeur eines Checkpoints vor dem Büro des Distriktgouverneurs gewesen. Es handele sich um einen "sehr tragischen Vorfall". Das Innenministerium in Kabul teilte mit, der Schütze werde verhört.

DJV: "Das darf nicht ungesühnt bleiben"

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sowie die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) reagierten bestürzt. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr forderte die afghanische Regierung dazu auf, dafür zu sorgen, "dass Journalisten in den kommenden Tagen über die Präsidentschaftswahl berichten können, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen". DJV-Chef Michael Konken forderte, den Täter zur Verantwortung zu ziehen: "Wer Journalisten tötet, löscht Leben aus und versetzt der Pressefreiheit einen schweren Schlag. Das darf nicht ungesühnt bleiben."

Niedringhaus arbeitete seit 2002 für die AP. 2005 gewann sie gemeinsam mit einem Team von AP-Fotografen den Pulitzer-Preis für ihre Berichterstattung im Irak. Im vergangenen Monat war ein schwedischer Reporter in Kabul auf offener Straße erschossen worden. Kurz danach war unter den Opfern eines Taliban-Angriffs auf das Serena-Hotel in Kabul ein afghanischer Reporter der französischen Nachrichtenagentur AFP, auch ein Großteil seiner Familie wurde getötet. Die Sicherheitslage in Afghanistan vor der Wahl ist extrem angespannt.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa