Politik

Deutsche Kolonialherrschaft Afrikaner fordern Entschuldigung

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Für Moctar Kamara waren die Kolonialkriege gegen die Herero und die Nama ein Völkermord.

(Foto: dpa)

Es ist ein weitgehend unbekanntes Kapitel der deutschen Geschichte: In ihren afrikanischen Kolonien verübten die Deutschen zahlreiche Gräueltaten. Jetzt fordern afrikanische Gruppen Wiedergutmachung.

Die Massaker an den Herero und den Nama, einem Stamm in der damaligen Kolonie "Deutsch-Südwestafrika", sind noch immer recht unbekannt. Zudem weist die Bundesregierung die Klassifizierung der Massaker als "Völkermord" zurück - obwohl Historiker anderer Meinung sind. Afrikanische Gruppen fordern daher eine Entschuldigung und Wiedergutmachung Deutschlands für solche Gräueltaten aus der Kolonialzeit.

"Die Bundesregierung versucht, Völkermord zu leugnen", sagte Moctar Kamara vom Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Berlin vor der Übergabe von afrikanischen Gebeinen, die Anfang des 20. Jahrhunderts als Forschungsobjekte nach Berlin kamen. Mit den Nachfahren der Opfer müsse über Entschädigungszahlungen verhandelt werden, betonte Kamara.

Die Gebeine stammen zum Teil von Toten der Herero, die zwischen 1904 und 1908 in der damaligen Kolonie "Deutsch-Südwestafrika" von Deutschen getötet wurden. Heute gehört das Gebiet zu Namibia. Die Berliner Universitätsklinik Charité wollte die 21 Gebeine aus Afrika am Nachmittag an Vertreter der namibischen Regierung übergeben.

Zehntausende Tote bei Kolonialkriegen

Das Auswärtige Amt betonte, dass alle Bundesregierungen seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 die historische, politische und moralische Verantwortung Deutschlands zum Ausdruck gebracht hätten. Dazu gehöre auch das tiefe Bedauern über den grausamen Kolonialkrieg in den Jahren 1904 bis 1908. Die Bundesregierung komme dieser Verantwortung insbesondere durch eine verstärkte bilaterale Zusammenarbeit nach, auch auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit, sagte ein Sprecher.

Das heutige Namibia war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. 1904 bekämpften die deutschen Truppen den Widerstand der Herero. Später nahmen auch die Nama, die im Süden des Landes lebten und von den Deutschen "Hottentotten" genannt wurden, den Kampf gegen die Kolonialisten auf. Die meisten Historiker werten den Krieg gegen Herero und Nama als Völkermord, da das Ziel nicht nur Sieg und Unterwerfung waren, sondern Vertreibung und Vernichtung.

Gesicherte Zahlen gibt es nicht, man schätzt, dass 50 bis 70 Prozent der bis zu 100.000 Herero, die um 1900 in Südwestafrika lebten, ums Leben kamen. Von den rund 20.000 Nama kamen bis zu 50 Prozent ums Leben. Tausende starben in Konzentrationslagern, die errichtet wurden, um den Kämpfern die Unterstützung durch die Einheimischen zu entziehen. Zu den verfolgten Völkern gehörten auch die Damara und San. Offiziell wurde das Ende des Kriegs am 31. März 1907 erklärt. Erst 1908 wurden die letzten Konzentrationslager aufgelöst.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa