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Muslimbrüder protestieren gegen Mursis Entmachtung Ägyptische Polizei setzt Tränengas ein

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Mursis Unterstützer sammelten sich nach dem Freitagsgebet nahe der Rabaa al-Adawija Moschee.

(Foto: dpa)

US-Außenminister Kerry verteidigt die Entmachtung von Ägyptens Ex-Präsident Mursi. Die Muslimbrüder reagieren entsetzt. Auch die - aus ihrer Sicht - einseitige Berichterstattung der ägyptischen Medien treibt sie auf die Straßen. Die Polizei setzt Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Die ägyptische Polizei ist in der Hauptstadt Kairo mit Tränengas gegen Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi vorgegangen. Die Demonstranten hätten einen Komplex mit den Redaktionen mehrerer Medien angegriffen, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Die Partei für Gerechtigkeit und Freiheit der Muslimbrüder dagegen erklärte, ihre Anhänger seien während friedlicher Proteste vor dem Gebäudekomplex mit Tränengasgranaten beschossen worden.

Die Anhänger Mursis hatten sich vor dem Medienkomplex versammelt, um gegen die aus ihrer Sicht einseitige Berichterstattung zu protestieren. Tatsächlich unterstützen die meisten Medien den Sturz Mursis durch das Militär am 3. Juli. Während Armeechef Abdel Fattah al-Sisi eine zivile Übergangsregierung einsetzte, wurde Mursi an einem unbekannten Ort unter Arrest gestellt.

Die Islamisten fordern die Wiedereinsetzung von Präsident Mursi. In mehreren Städten protestierten sie bei sengender Hitze und trotz des islamischen Fastengebots, das ihnen tagsüber das Trinken verbietet, nach dem Freitagsgebet gegen seine Entmachtung. Neben Kairo wurden aus der Hafenstadt Alexandria sowie aus Al-Scharkija und Al-Arisch Demonstrationszüge gemeldet.

Protestlager soll geräumt werden

Die Muslimbrüder reagierten damit auch auf Drohungen des Innenministeriums, ihre seit Wochen andauernden Proteste auf dem Platz Rabaa al-Adawija und dem Platz al-Nahda gewaltsam aufzulösen. Die Behörden wollen den Zugang zu den Camps schon bald blockieren. Die Aktion solle "innerhalb von 48 Stunden" beginnen, berichteten arabische Medien unter Berufung auf das staatliche Fernsehen. Demnach können Menschen die beiden Lager in Kairo zwar verlassen, aber nicht mehr betreten. Dies sei eine Vorstufe zur geplanten Räumung der Protestcamps, hieß es.

Bei einer Umfrage des ägyptischen Ibn- Chaldun-Zentrums hatten diese Woche 63 Prozent der Befragten angegeben, sie befürworteten eine Auflösung der Protestlager. Die Vorsitzende des Nationalen Frauenrates, Mervat Telawi, warf den Muslimbrüdern sogar vor, sie benutzten in ihren Protestlagern Kinder als "menschliche Schutzschilde".

Kerry verteidigt das Einschreiten der Armee

Die US-Regierung rechtfertigte indes die Entmachtung von Präsident Mursi. US-Außenminister John Kerry sagte in einem Interview des pakistanischen Fernsehsenders GEO TV, die Armee sei von Millionen, die ein Abgleiten Ägyptens ins Chaos befürchtet hätten, zum Eingreifen aufgefordert worden.

"Ihr Ziel war es nicht - soweit wir das bisher beurteilen können -, die Macht zu übernehmen", sagte Kerry. Vielmehr habe die Armee "die Demokratie wiederhergestellt". Die Gewalt gegen protestierende Muslimbrüder in den vergangenen Wochen sei jedoch "völlig inakzeptabel". Ende Juli waren bei schweren Auseinandersetzungen mindestens 80 Menschen getötet worden. Vor einem Monat hatte sich US-Präsident Barack Obama noch "sehr besorgt" über das Einschreiten der Armee geäußert.

Die Islamisten reagierten schockiert auf Kerrys Äußerungen. "Wir erwarten nichts von den USA. Wir glauben, dass die US-Regierung mitschuldig an dem Militärputsch ist", erklärte der Sprecher der Islamistenbewegung, Gehad al-Haddad.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte zu Kerrys Äußerungen: "Die Amerikaner versuchen wie wir, die Lage zu beruhigen." Vor der Abreise aus Kairo traf Westerwelle den gemäßigten Islamisten Abdel Moneim Abul Futuh. Auch der FDP-Politiker sprach nicht von einem "Militärputsch".

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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