Politik

Ostermärsche gegen Krieg und Gewalt Aktivisten greifen Grass' Kritik auf

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Ostermarsch in Berlin.

(Foto: dpa)

Früher waren es Hunderttausende - heute ist die Beteiligung nur mäßig: In vielen Städten Deutschlands gehen Aktivisten für den weltweiten Frieden auf die Straße. Die Ostermarschierer greifen auch die Debatte um das Israel-kritische Gedicht von Günter Grass auf.

In mehreren dutzend Städten haben tausende Friedensbewegte auf ihren traditionellen Ostermärschen gegen Krieg, Gewalt und atomare Bedrohung demonstriert. "Politische Probleme können nur politisch gelöst werden. Kriegsabenteuer bringen Tod und Zerstörung", erklärten die Veranstalter. Die Ostermarsch-Bewegung griff auch die Debatte um das Israel-kritische Gedicht von Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass auf.

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Die Ostermarschierer danken Grass für sein Gedicht "Was gesagt werden muss".

(Foto: dapd)

Die Ostermarschierer forderten, "Kriege und Kriegsvorbereitungen zu stoppen". Zudem setzten sie sich für den Rückzug der Bundeswehr von allen Auslandseinsätzen ein. In Berlin und Stuttgart kamen nach Angaben der Veranstalter jeweils rund tausend Menschen zu den Protesten zusammen, in München waren es 450 und in Leipzig hundert Teilnehmer. Bundesweit sind dieses Jahr an den Ostertagen mehr als 70 Demonstrationen, Kundgebungen, Friedensgottesdienste und andere Aktionen geplant.

Die Demonstranten machten auch die Debatte um das Grass-Gedicht und den Konflikt zwischen Israel und dem Iran zum Thema ihrer Proteste. In Bremerhaven hätten mehrere Demonstranten Transparente getragen, die Grass in seinen Äußerungen unterstützten, sagte der Sprecher der Infostelle Ostermarsch, Willi van Ooyen. Thema sei die Kritik von Grass an Israel unter anderem bei Reden in Stuttgart gewesen.

Auch van Ooyen selbst äußerte seine Sorge über die politische Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten. "Wir wollen, dass die Menschen in Israel - aber auch in Palästina, im Irak und in Syrien - in Frieden leben können", erklärte er. "Kriegsdrohungen und Kriegsvorbereitungen vergiften die politische Atmosphäre." Es gebe kein Recht auf Präventivkriege und Erstschläge. "Sie verstoßen gegen das Völkerrecht und sind Verbrechen, die geächtet werden müssen."

Grass hatte in seinem am Mittwoch veröffentlichten Gedicht "Was gesagt werden muss" der israelischen Regierung vorgeworfen, mit ihrer Iran-Politik den Weltfrieden zu gefährden. Dabei ging es vor allem um die Möglichkeit eines Angriffs Israels auf iranische Atomanlagen.

Die ersten Ostermärsche in der Bundesrepublik fanden 1960 statt. Damals hatten Pazifisten den Atomraketen-Übungsplatz Bergen-Hohne im Kreis Celle als Ziel eines dreitägigen Sternmarsches ausgesucht.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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