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Die sunnitischen Sahwa-Milizen sollen im Auftrag der Regierung für Sicherheit sorgen.
Die sunnitischen Sahwa-Milizen sollen im Auftrag der Regierung für Sicherheit sorgen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Mittwoch, 11. August 2010

Zahlt besser als die Regierung: Al-Kaida lockt Feinde

Das Terrornetzwerk Al-Kaida strebt im Irak ein Comeback an, indem sie die früheren sunnitischen Verbündeten mit Geld lockt, sich ihr wieder anzuschließen. Die pro-amerikanischen Sahwa-Milizen sind eigentlich Gegner der Al-Kaida-Terroristen, von der Bagdader Regierung allerdings schlecht bezahlt und misstrauisch beäugt.

Wenige Wochen vor Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak umwirbt das Terrornetzwerk Al-Kaida die Kämpfer der pro-amerikanischen sunnitischen Sahwa-Milizen. "Die Al-Kaida strebt im Irak ein Comeback an, indem sie eine große Zahl der früheren sunnitischen Verbündeten dazu verlockt, sich ihr wieder anzuschließen", berichtete die britische Tageszeitung "Guardian". Dies gelinge vor allem deshalb, weil die Terrororganisation den Sahwa-Milizionären "mehr bezahlt als das monatliche Gehalt, das sie derzeit von der (irakischen) Regierung erhalten", heißt es in dem Bericht.

Der Sold fließt spärlich und oft verspätet.
Der Sold fließt spärlich und oft verspätet.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Sahwa-Milizen - auch bekannt unter dem Namen "Söhne des Irak" - waren 2005 entstanden, als das US-Militär dazu überging, sunnitische Widerstandskämpfer und Al-Kaida-Kader abzuwerben. Die neu entstandene Formation wurde damals von den Amerikanern bezahlt und bewaffnet. Zeitweise erreichte sie eine Stärke von 100.000 Mann. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der militärischen Stabilisierung des Iraks durch die US-Truppen in den Jahren 2007 und 2008. Danach wurde der Großteil der Sahwa-Kämpfer entlassen und der Rest der mehrheitlich schiitischen Regierung in Bagdad unterstellt.

Die noch bestehenden Sahwa-Einheiten versehen heute Sicherheitsaufgaben in den hauptsächlich sunnitischen Gebieten westlich und nördlich von Bagdad. Die sunnitischen Milizionäre klagen über schlechte und oft verspätete Bezahlung. Ihre Angehörigen sind häufig den brutalen Terrorakten der Al-Kaida ausgesetzt, von der sie als Verräter betrachtet werden, während ihnen die schiitisch geführte Regierung zutiefst misstraut. Mit dem sich abzeichnenden Rückzug der USA aus dem Irak befürchten sie außerdem, ihre Schutzmacht in einem feindseligen Umfeld zu verlieren.

Leichtes Spiel für Al-Kaida

Die Al-Kaida, die in den letzten Jahren ihrerseits schwere Verluste einstecken musste, nutzt nun offenbar diese Unsicherheit, um Terrain zurückzugewinnen. "Die Al-Kaida hat hier ein enormes Comeback gefeiert", zitierte der "Guardian"-Bericht den Sahwa-Kommandeur Scheich Sabah al-Dschanabi aus Hilla, 100 Kilometer südlich von Bagdad. "Das ist mein Revier, und ich kenne jeden einzelnen Menschen, der hier lebt. Und ich weiß, wo die Loyalitäten liegen." Von seinen 1800 Fußsoldaten hätten 100 nicht mehr den Sold abgeholt - ein Zeichen dafür, dass sie zur Al-Kaida übergelaufen sind.

Als Gegner Al-Kaidas bekommen die Sahwa-Kämpfer die Brutalität besonders zu spüren.
Als Gegner Al-Kaidas bekommen die Sahwa-Kämpfer die Brutalität besonders zu spüren.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Sahwa-Kommandeur Scheich Mustafa al-Dschuburi, der die südlichen Bagdader Stadtviertel Dora und Dschabur kontrolliert, beklagte gegenüber dem "Guardian", dass seine Männer bis zu drei Monate ohne Sold geblieben seien. Das Terrornetz trete nun mit Geldangeboten und Drohungen an sie heran. "Die Al-Kaida hat derzeit leichtes Spiel. Meine Männer sind von der irakischen Regierung enttäuscht, und es fällt ihnen leicht, sich den Terroristen anzuschließen", meinte Al-Dschuburi.

Der "Guardian"-Reporter sprach auch mit zwei langjährigen Sahwa-Milizionären, die von Al-Kaida-Vertretern zum Übertritt überredet werden sollten. Beiden wurden mehr Geld, Waffen und Schutz versprochen. Irakische Regierungsbeamte bestritten hingegen gegenüber der britischen Zeitung, dass der neue Rekrutierungsanlauf der Al-Kaida ein größeres Problem darstelle. Die genannten Zahlen seien "übertrieben".

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Quelle: n-tv.de

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