Politik
Alesx Salmond hatte trotz der Niederlage viel für Schottland gewonnen. Sein Rückzug kommt überraschend.
Alesx Salmond hatte trotz der Niederlage viel für Schottland gewonnen. Sein Rückzug kommt überraschend.(Foto: REUTERS)
Freitag, 19. September 2014

Überraschung in Schottland: Alex Salmond tritt zurück

Der schottische Regierungschef Alex Salmond wirft nach dem gescheiterten Referendum über die Unabhängigkeit von Großbritannien das Handtuch. Das kommt überraschend, denn den Chef der Nationalpartei SNP hatten manche als den fähigsten britischen Politiker der Gegenwart bezeichnet.

Nach dem verlorenen Referendum zur Unabhängigkeit hat Schottlands Ministerpräsident Alex Salmond seinen Rücktritt als Regierungschef und als Parteivorsitzender der SNP angekündigt. Er werde auf dem Parteitag in Perth nicht mehr kandidieren, sagte Salmond in Edinburgh. "Ich denke, dass Partei, Parlament und Land von einer neuen Führung profitieren würden", sagte der 59-Jährige. Es sei "das Privileg" seines "Lebens" gewesen, Chef der schottischen Regionalregierung gewesen zu sein.

Video

Salmond war am Freitag als der Erste Minister Schottlands vor einer riesigen schottischen Flagge, dem weißen Andreaskreuz auf blauem Grund, vor die Kameras getreten und hatte seine Niederlage eingeräumt. "Ich akzeptiere das Urteil des Volkes", sagte er mit gesenktem Kopf. Später sagte er: "Der Traum stirbt nie." Die britische Regierung forderte Salmond auf, schnell ihr Versprechen weiterer Autonomierechte für Schottland einzulösen.

Der Rücktritt kam für viele Schotten dennoch überraschend. Der Chef der Nationalpartei SNP, den manche als den fähigsten britischen Politiker der Gegenwart bezeichnen, hätte viel von dem erreichen können, was er Schottland versprach.

Salmond wird von seinen Anhängern wie ein Volksheld gefeiert. Redetalent, Schlagfertigkeit und Witz brachten ihm auch den Respekt seiner Gegner ein. Sein Privatleben um seine kinderlose Ehe mit Gattin Moira schirmt er von der Öffentlichkeit ab - "very private" nennen ihn die Menschen in seinem Heimatort Linlithgow. Nach dem Studium an der schottischen Universität St. Andrews arbeitete Salmond unter anderem als Banker.

Blanke Panik in London

Zur SNP kam der junge Alex in den frühen 70ern und wurde 1990 ihr Vorsitzender. Nach Führungskämpfen und einem Rücktritt übernahm er das Amt 2004 wieder - und führte die Partei zu einem nicht gekannten Höhenflug. 2007 wurde die Unabhängigkeitspartei stärkste Kraft und Salmond Ministerpräsident in der schottischen Regionalregierung.

Als es vier Jahre später zur absoluten Mehrheit reichte, erkannte Salmond die Chance und brachte ein zunächst belächeltes Referendum über die Unabhängigkeit auf den Weg. Dass schließlich fast 45 Prozent der Schotten dafür stimmen würden, hielt damals kaum jemand für möglich. Doch es gelang ihm und der geschickt geführten "YES"-Kampagne, in London blanke Panik auszulösen und der Regierung das Versprechen maximaler Eigenständigkeit für Schottland zu entlocken.

Salmond wollte die Dezentralisierung von Beginn auf den Stimmzettel schreiben, obwohl das die Abspaltung unwahrscheinlich gemacht hätte. Man hatte im Allgemeinen damit gerechnet, dass Salmond dem britischen Premier David Cameron bei den anstehenden Verhandlungen zwischen London und Edinburgh so manche Schweißperle auf die Stirn treiben würde.

Quelle: n-tv.de