Politik

Terrorangriff in Kenia Alle Geiseln sind frei

2013-09-24T000631Z_495887514_GM1E99O0MDP01_RTRMADP_3_KENYA-ATTACK.JPG8104629853060573750.jpg

Ein Polizist bewacht das Gebäude, während Sicherheitskräfte nach verbliebenen Geiseln suchen.

(Foto: REUTERS)

Die Belagerung eines Einkaufszentrums in Nairobi ist offenbar zu Ende. Das kenianische Innenministerium verkündet auf seiner Twitter-Seite, Sicherheitskräfte hätten das Gebäude unter Kontrolle gebracht und die Geiseln befreit. Die letzten Geiselnehmer sollen tot sein.

Die Terroristen legten Feuer in dem Gebäude, um die Einsatzkräfte zu verwirren.

(Foto: AP)

Rund 60 Stunden nach dem Angriff islamistischer Terroristen auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi haben die Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben die Kontrolle zurückgewonnen. "Wir kontrollieren das Einkaufszentrum", erklärte das Innenministerium am Montagabend im Kurznachrichtendienst Twitter. "Wir gehen davon, dass alle Geiseln frei gekommen sind."

Das kenianische Militär teilte mit, die Soldaten hätten die letzten sechs Terroristen getötet. Bombenräumkommandos seien im Einsatz, um Sprengsätze unschädlich zu machen. Das könne mehrere Stunden dauern. "Unsere Sicherheitskräfte durchkämmen alle Etagen, um zu sehen, ob jemand zurückgeblieben ist", lautete ein weiterer Tweet des Innenministeriums.

Innenminister Joseph Ole Lenku hatte bereits am Nachmittag erklärt, ein Ende des Geiseldramas sei absehbar. Ein Terrorkommando der somalischen Islamistenmiliz Al-Shabaab hatte am Samstag das Einkaufszentrum gestürmt. Nach letzten Angaben kamen 62 Menschen um, rund 175 wurden verletzt. Es war unklar, wie viele Angreifer und Geiseln sich in dem Einkaufszentrum aufhielten. Rund 60 Menschen galten zwischenzeitlich noch als vermisst.

Am Montag hatte sich die Lage in dem belagerten Einkaufszentrum dramatisch zugespitzt. Am Mittag stieg plötzlich dichter schwarzer Rauch aus dem Gebäude auf. Kurz zuvor hatten Ohrenzeugen mehrere l aute Explosionen gehört. Nach Angaben des Innenministeriums hatten die Angreifer das Feuer selbst ausgelöst und unter anderem Matratzen angezündet, um die Einsatzkräfte zu verwirren.

Verdächtige festgenommen

Militärchef Julius Karange betonte, die Al-Shabaab-Terroristen stammten aus verschiedenen Ländern. Es handele sich um eine "multinationale Gruppe". Er fügte hinzu: "Wir wissen, wer diese Leute sind. Wir kämpfen hier gegen globalen Terrorismus." Einzelne Nationalitäten nannte er nicht. Entgegen anderslautender Meldungen handelte es sich bei allen Tätern um Männer. Jedoch hätten sich einige von ihnen als Frauen verkleidet, um die Polizei in die Irre zu führen.

Medienberichten zufolge nahm die Polizei einen Verdächtigen fest, der mit der Attacke in Zusammenhang stehen soll. Der 33-Jährige sei kürzlich zum Islam übergetreten. Er lebe in Meru im Osten des Landes und sei gefasst worden, als er ein Flugzeug in die Türkei besteigen wollte. Das Innenministerium bestätigte zudem weitere Festnahmen am Flughafen. Die Inhaftierten würden verhört.

Ein Sprecher der somalischen Shebab-Miliz, die das Einkaufszentrum am Samstag gestürmt hatte, sagte am Sonntagabend einem somalischen Radiosender, die Gruppe werde nicht eher Ruhe geben, bis Kenia seine Truppen aus dem Nachbarland Somalia zurückziehe. Er drohte mit weiteren Anschlägen und fügte hinzu, die Dschihadisten in Westgate seien angewiesen worden, Geiseln zu töten, falls die Streitkräfte versuchen sollten, das Gebäude zu stürmen.

Bereits in der Nacht zum Montag waren viele Geiseln gerettet worden. Zuvor waren die Sicherheitskräfte weit in das Gebäude vorgedrungen. Präsident Uhuru Kenyatta ließ erklären, die Regierung werde nicht eher ruhen, bis die Belagerung beendet sei. Kenyatta hat bereits mehrmals in Fernsehansprachen zu Ruhe und Geduld aufgerufen. An der Geiselbefreiung waren offenbar neben der nationalen Eliteeinheit Recce auch Spezialkräfte aus Israel und den USA beteiligt. Dabei ging es anscheinend vor allem um Aufklärung.

Sorge um Tourismus

Unter den Opfern waren auch mehrere Ausländer. Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond sagte am Montag, es seien "ziemlich sicher" sechs Briten getötet worden. Zuvor hatte es geheißen, es seien drei Briten und ein Mensch mit britischem und australischem Pass tot. Nun gebe es ein weiteres bestätigtes britisches Opfer, sagte Hammond. Die endgültige Bestätigung eines sechsten Opfers stehe noch aus. Das Einkaufszentrum Westgate war bei Touristen und wohlhabenden Kenianern beliebt.

Tourismusministerin Phyllis Jepkosgei Kandie versicherte Keniaurlaubern derweil, dass sie sich in ihrem Land sicher fühlen könnten. "Wir möchten unsere internationalen Besucher und Touristen bitten, keine Angst zu haben", sagte sie. "Sie sind bei uns sicher, wo immer sie auch hinreisen."

Wegen der Ereignisse in Nairobi gestattete der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in den Haag dem kenianischen Vizepräsidenten William Ruto, für eine Woche nach Kenia zurückzukehren, um sich an den Bemühungen um eine Beilegung der Geiselkrise zu beteiligen. So lange werde der laufende Prozess gegen Ruto ausgesetzt. Dieser muss sich seit dem 10. September im Zusammenhang mit blutigen Ausschreitungen nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2007 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Den Haag verantworten.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa/rts

Mehr zum Thema