Politik

"Mordindustrie" auf den Philippinen Amnesty: Duterte bricht Menschenrechte

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Philippiner protestieren in Quezon City nahe Manila gegen das Vorgehen von Duterte.

(Foto: dpa)

Tausende Menschen hat der philippinische Präsident Duterte in seinem brutalen Anti-Drogen-Kampf töten lassen. Jetzt fordert Amnesty International, der Internationale Strafgerichtshof müsse sich mit dem Thema befassen.

Amnesty International wirft dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte wegen seines harten Vorgehens gegen den Drogenhandel Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation wurden in den bislang sieben Monaten seiner Amtszeit bereits mehr als 2500 Menschen von der Polizei getötet. Zudem sollen Killer-Kommandos weitere 4000 Tote auf dem Gewissen haben.

In dem Bericht listet Amnesty insgesamt 59 Todesfälle genauer auf. Darin berichten zwei Auftragsmörder auch, dass ihnen ein Polizeibeamter für jeden getöteten Drogenabhängigen 5000 philippinische Pesos (etwa 94 Euro) gezahlt habe. Amnesty appellierte an Duterte, alle "außergerichtlichen Hinrichtungen" sofort zu stoppen. Andernfalls müsse sich der Internationale Strafgerichtshof damit befassen.

Duterte steht wegen seines Drogenkriegs auch international in der Kritik. Am Montag hatte der Polizeichef der Philippinen, Ronald dela Rosa, die Auflösung von berüchtigten Anti-Drogen-Einheiten bekanntgegeben. Zudem soll intern hart gegen korrupte Beamte vorgegangen werden. Auslöser war der Fall eines südkoreanischen Geschäftsmanns, der vermutlich von Polizisten entführt und dann getötet wurde.

Duterte will seine Kampagne aber fortsetzen. Amnesty-Expertin Tirana Hassan sagte: "Das ist kein Krieg gegen Drogen, das ist ein Krieg gegen die Armen." Mittlerweile gebe es in dem südostasiatischen Inselstaat eine regelrechte "Mordindustrie". Polizeibeamte würden für "Begegnungen" bezahlt - ein Begriff, der benutzt werde, um Tötungen ohne jede juristische Grundlage zu verschleiern.

Ein Polizeibeamter, der namentlich nicht genannt wurde, sagte: "Wir werden pro 'Begegnung' bezahlt. Die Summe variiert zwischen 8000 und 15.000 Peso (etwa 150 bis 280 Euro) pro Kopf. Wenn sich die Aktion gegen vier Leute richtet, gibt es also mindestens 32.000 Peso." Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation kommen die Befehle "aus der Regierung von ganz oben".

Quelle: ntv.de, bdk/dpa

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