Politik

Mit Fassbomben gegen Zivilisten Amnesty wirft Assad Kriegsverbrechen vor

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Allein im vergangenen Monat wurden laut Amnesty Angriffe mit wenigstens 85 Fassbomben in Aleppo registriert. Dabei sind 110 Zivilisten ums Leben gekommen (Aufnahme vom 3. Mai 2015).

(Foto: REUTERS)

Syriens Armee setzt weiter auf heimtückische Billig-Waffen: Fassbomben werden gezielt auf Krankenhäuser, Schulen, Märkte und Moscheen abgeworfen. Die "kollektive Bestrafung" kostete schon mehr als 11.000 Menschen das Leben.

Das Grauen im syrischen Bürgerkrieg nimmt kein Ende. Amnesty International wirft der syrischen Regierung vor, weiterhin gezielt Fassbomben gegen Zivilisten einzusetzen. Durch derartige Angriffe seien seit Januar 2014 allein in der Provinz Aleppo über 3000 Menschen getötet worden, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation. Demnach wurden zudem bei Beschuss mit Mörsern und improvisierten Raketen durch Oppositionsgruppen mehr als 600 weitere Zivilisten getötet. Syriens Präsident Baschar al-Assad bestreitet, dass seine Truppen Fassbomben einsetzen.

Fassbomben

Fassbomben sind improvisierte, billig hergestellte Bomben. Meistens bestehen sie aus einem Fass, das mit explosiven Stoffen und scharfkantigen Metallstücken gefüllt ist und aus der Luft abgeworfen wird. Die zerstörerische Wirkung beruht auf der Menge an Sprengstoff in einem solchen Behälter und der verheerenden Wirkung der Metallteile, vor allem auf weiche Ziele.

In dem Amnesty-Bericht mit dem Titel "Death everywhere: War crimes and human rights abuses in Aleppo" heißt es weiter, die syrische Regierung greife "gezielt und systematisch" Zivilisten an und bombardiere dabei Krankenhäuser, Schulen, Märkte und Moscheen. Viele öffentliche Einrichtungen hätten daher ihren Betrieb mittlerweile in geschützte Bunker und Kellerräume verlegt. Die Dauer, das Ausmaß und die Intensität der Angriffe lassen auf eine Form der "kollektiven Bestrafung" gegen die Bevölkerung von Aleppo schließen. "Eine solche kollektive Bestrafung ist ein Kriegsverbrechen", schreibt Amnesty.

Allein im April wurden dem Bericht zufolge in Aleppo 110 Zivilisten durch Fassbomben getötet, während sich die Zahl ziviler Opfer der mit Metallstücken, Benzin und Sprengstoff gefüllten Bomben in ganz Syrien auf über 11.000 seit Anfang 2012 belaufe. Der Bericht beschreibt unter anderem einen einzelnen Angriff in Aleppo im Juni 2014, bei dem ein Hubschrauber des Militärs eine Fassbombe auf rund 150 Menschen abwarf, die in einer Schlange auf die Zuteilung von Lebensmittelrationen einer Hilfsorganisation warteten.

Der Bürgerkrieg in Syrien dauert seit mittlerweile vier Jahren an. Sowohl die Regierung als auch bewaffnete Oppositionsgruppen haben sich in dem Konflikt laut Amnesty schwerer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht. "Vor über einem Jahr hat die UNO eine Resolution verabschiedet, in welcher sie ein Ende der Menschenrechtsverletzungen forderte, insbesondere durch den Einsatz von Fassbomben", sagte der für den Nahen Osten zuständige Amnesty-Direktor Philip Luther. Doch statt die angedrohten Konsequenzen einzuleiten, habe die internationale Gemeinschaft inzwischen "den Zivilisten von Aleppo den Rücken zugewandt".

Quelle: ntv.de, dsi/AFP