Politik

Massaker in syrischer Stadt Armee tötet Deserteure

Das Regime in Syrien geht weiterhin massiv gegen Hochburgen des Widerstands vor. Die Ortschaft Rastan soll nahezu zerstört worden sein. Menschenrechtler sprechen von einem Massaker. Dennoch weigern sich immer mehr Soldaten, auf Zivilisten zu schießen.

Die syrische Armee hat nach Angaben der staatlichen Medien eine große Zahl bewaffneter Regimegegner getötet. Die Ortschaft Rastan in der Provinz Homs sei nun wieder unter Kontrolle der Sicherheitskräfte, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. "Die Soldaten durchsuchen jetzt die Stadt nach bewaffneten Banden und Terroristen", meldete der TV-Sender.

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Am Samstag werden Särge durch Homs getragen.

(Foto: REUTERS)

Gegner des Regimes von Präsident Baschar Al-Assad hatten am Samstag von einem "Massaker" in Rastan gesprochen. Syrien steuert auf Bürgerkrieg zu .

"Die Stadt ist fast vollständig durch den Beschuss zerstört", berichteten Regimegegner im benachbarten Libanon. Mindestens 130 Zivilisten und Rebellen seien ums Leben gekommen.

Blutiger Kampf

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Friedlicher Protest in Homs am Freitag.

(Foto: REUTERS)

Die syrische Opposition glaubt, dass seit Beginn der Proteste gegen das Regime im März bereits mehr als 3000 Menschen getötet wurden. 90 Menschen sollen angeblich zu Tode gefoltert worden sein. Einige dieser Fälle wurden mit Fotos dokumentiert. Eine Überprüfung dieser Informationen ist jedoch wegen der Medienblockade in Syrien oft nicht möglich.

Unterdessen steigt die Zahl der Deserteure. In den vergangenen Tagen hatten sich Berichte über fahnenflüchtige Soldaten und auch Offiziere der syrischen Armee gehäuft. In Videos, die sie im Internet veröffentlicht hatten, sagten die Deserteure, sie hätten den Befehl verweigert, auf Zivilisten zu schießen.

Opposition noch uneins

Am Samstag trafen sich in Istanbul Vertreter von mehr als 70 Gruppierungen, um über eine Erweiterung des Mitte September gebildeten Übergangsrates zu verhandeln. "Wir befinden uns in einer kritischen Phase, das haben jetzt alle verstanden", sagte ein Mitglied des Rates.

Es sei jedoch nicht einfach, einen Konsens zu finden, "weil wirklich erstmals alle Gruppierungen vertreten sind". Unter anderem schlossen sich die Muslimbruderschaft und der Höhere Syrische Revolutionsrat an. Die Ergebnisse der Verhandlungen sollen spätestens am Dienstag der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Gemeinsames Ziel aller Oppositionellen ist der Sturz des Regimes von Präsident Assad. Uneinigkeit gab es in den vergangenen Wochen jedoch über die Frage, welche Form von ausländischer Unterstützung den Revolutionären helfen könnte und ob sie angesichts der Militäroperationen gegen Demonstranten zu den Waffen greifen sollten.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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