Politik

Diagnosefehler Ärztin muss zahlen

Die Eltern behinderter Kinder können den vollen Unterhaltsaufwand ersetzt bekommen, wenn ihr Arzt bei der Schwangerschaftsuntersuchung die Fehlbildungen übersehen hat. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom Dienstag können sich die Eltern in solchen Fällen darauf berufen, sie hätten das Kind bei Kenntnis der Behinderung abgetrieben.

Damit gab der BGH der Schadensersatzklage eines Ehepaars aus dem Raum Donauwörth statt, dessen inzwischen fünfjähriger Sohn Sebastian mit zwei Armstummeln und verkümmerten Beinen auf die Welt gekommen war. Die Frauenärztin der werdenden Mutter hatte trotz mehrerer Ultraschalluntersuchungen die Missbildungen nicht erkannt und damit laut BGH einen Diagnosefehler begangen.

Nach Angaben der Eltern muss Sebastian rund um die Uhr betreut werden und hat bereits mehrere Operationen hinter sich. Die Frau litt nach der Geburt an einem psychischen Trauma und war zeitweise latent suizidgefährdet. Wegen dieser schwerwiegenden seelischen Belastungen, so der BGH, wäre eine Abtreibung nach den Ultraschalluntersuchungen auch noch in der 22.Schwangerschaftswoche rechtmäßig gewesen.

Scharfe Kritik an BGH-Urteil

Die Bundesärztekammer (BÄK) kritisierte das BGH-Urteil scharf. "Durch die Entscheidung des BGH haben diejenigen Recht bekommen, die den Menschen nach Maß progagieren", erklärte BÄK-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe.

Entsetzt reagierte auch der Behindertenverband "Netzwerk Artikel 3". Mit der faktischen Anerkennung eines Kindes mit Behinderungen als Schaden hätten die Bundesrichter all jenen den Rücken gestärkt, die ein Leben mit Behinderungen ablehnten, sagte Sprecher Ottmar Miles-Paul am Dienstag in Kassel. In dem Verband sind 70 Organisationen zusammengeschlossen, um das Benachteiligungsverbot von Menschen wegen ihrer Behinderung in Artikel 3 Grundgesetz mit Leben zu füllen.

Quelle: n-tv.de