Politik

Barbara Zehnpfennig im Interview "Ausmaß ist gravierend"

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Guttenberg will ein paar Fußnoten nachreichen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die 475 Seiten seiner Doktorarbeit will Verteidigungsminister Guttenberg selbst verfasst und alle Quellen offengelegt haben. So hat er es unterschrieben. Doch die Passauer Professorin Zehnpfennig, bei der Guttenberg Teile der Einleitung seiner Dissertation abgeschrieben haben soll, sieht gravierenden Textklau.

n-tv: Sind Sie Minister Guttenberg persönlich böse, dass er Sie da offenbar nicht genannt hat?

Barbara Zehnpfenning: Ein persönliches Verhältnis zu der Sache habe ich nicht. Ich sehe eigentlich die juristische Seite eher als die entscheidende an.

Finden Sie es moralisch verwerflich, Fußnoten zu vergessen?

Wenn man sie vergisst, dann ist es eine lässliche Sünde. Wenn man sie weglässt, ist es schon gravierender. Wenn Letzteres der Fall ist, dann schlägt das natürlich auf ihn zurück.

Würden Sie sagen, der Doktortitel muss weg?

Ich wurde so schon zitiert, dass ich das gefordert hätte. Das ist absolut nicht meine Position. Es muss juristisch geprüft werden, ob das hinreichendes Gewicht hat. Wenn ich das ernst nehme, was in der Rezension von Herrn Fischer-Lescano steht – der hat eine Menge von Textstellen, von langen Textpassagen aufgelistet, die identisch und nicht gekennzeichnet sind plus dem, was ich über meinen Fall sagen kann, dann ist das schon gravierend.

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Politikwissenschaftlerin Zehnpfennig ist nicht persönlich beleidigt.

(Foto: dapd)

Nun sind Sie Professorin und keine Politikerin, aber Sie lehren Politische Theorie. Wie viel Glaubwürdigkeit hat ein Politiker für Sie in diesem Fall verloren?

Er muss sich natürlich an seinen eigenen Maßstäben messen lassen. Er hat diese Maßstäbe recht hoch gehängt. Das ist immer riskant. Er könnte jetzt tatsächlich Opfer seines eigenen Anspruchs werden. Er wird dann schon mit kritischeren Augen gesehen.

Sie sind ja an der Universität Passau. Wie wird bei Ihnen in solchen Fällen gewöhnlich vorgegangen?

Ich habe, Gott sei Dank, keine reiche Erfahrung mit diesem Thema. Aber es muss dann natürlich die Rechtsabteilung tätig werden und dem genau nachgehen, inwieweit Regeln verletzt wurden.  Dann wird darüber entschieden, ob der Plagiatsvorwurf so weitgehend ist, dass der Doktortitel aberkannt wird. Man muss ja bei einer Doktorarbeit auch unterschreiben, dass man alle verwendeten Quellen angegeben hat. Dann ist es praktisch eine Dokumentenfälschung, wenn man das fälschlicherweise bestätigt.

Quelle: n-tv.de

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