Politik

Dürre in USA macht Getreide teurer Bäcker wollen Preise erhöhen

Die Deutschen müssen sich nach Branchenangaben auf höhere Brotpreise einstellen. Bäcker und Mühlen wollen die steigenden Preise für Agrarrohstoffe an die Verbraucher weitergeben. Vor allem die Dürre in den USA, in Russland und der Ukraine sorgt bei ihnen für einen höheren Kostendruck.

Die Deutschen müssen sich möglicherweise schon bald auf höhere Brotpreise einstellen. Grund seien die steigenden Preise für Agrarrohstoffe, sagten Vertreter des Verbandes Deutscher Mühlen (VDM) und des Bäckerhandwerks. Der Preis für eine Tonne Brotweizen kletterte ihren Angaben zufolge seit Dezember um rund 70 Euro auf 270 Euro. "Diese Belastung müssen wir weitergeben, sonst sind die Mühlen pleite", sagte VDM-Hauptgeschäftsführer Manfred Weizbauer.

Auch die Bäcker stellten bereits Preissteigerungen in Aussicht. "Mittelfristig werden wir die Preise anpassen müssen", sagte Amin Werner, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Seinen Angaben zufolge entfallen bei Standardartikeln wie Brot und Brötchen in kleinen Handwerksbetrieben zwischen 18 und 25 Prozent der Kosten auf Mehl und andere Rohstoffe.

Wettbewerb wirkt preisdämpfend

Große Preissteigerungen erwarten Fachleute wegen des scharfen Wettbewerbs in der Branche allerdings nicht. Werner befürchtet angesichts des Preiskampfes eher, dass weitere Bäckereien auf der Strecke bleiben werden. Die Getreidepreise seien auch nicht der einzige Grund, warum Brot teurer werde, so Werner weiter.

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Der scharfe Wettbewerb in den Branche könnte weiter Pleiten nach sich ziehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bäcker müssten inzwischen auch mehr für Energie und Personal ausgeben. "Alle drei Kostenblöcke sind deutlich gestiegen und bedeuten in der Folge, dass die Bäcker über Preiserhöhungen nachdenken müssen." Um wie viel die Preise steigen könnten, hänge allerdings vom jeweiligen Sortiment und der Lage ab.

Beschleunigt wird die Preisentwicklung neben dem teuren Getreide und steigenden Energiekosten derzeit auch durch die Dürre in den USA sowie weiten Teilen Russlands und der Ukraine. Besonders in den vergangenen Wochen sind die Preise für Weizen, Mais und Soja dadurch drastisch gestiegen.

Ehrenkodex gegen Spekulationsgeschäfte

Die deutschen Mühlen beziehen zwar 95 Prozent des Brotgetreides, also Weizen und Roggen, aus dem Inland. Die Preise werden aber maßgeblich von den internationalen Getreidemärkten bestimmt, und die sind wegen der extremen Dürre im wichtigen Anbauland USA gerade hoch angespannt. Wegen Ernteausfällen reichen die Weltgetreidevorräte nach Angaben des Mühlenverbands derzeit nur noch für 69 Tage.

Für die stark gestiegenen Rohstoffkosten macht Werner vor allem Spekulanten verantwortlich. Er forderte einen Ehrenkodex für Investoren, Banken und Versicherungen, der die Spekulation mit Agrarrohstoffen und Lebensmitteln verbietet. Zuletzt waren mehrere Banken aus dem Geschäft mit Agrarrohstoffen ausgestiegen, darunter die Commerzbank. Auch die Fondsgesellschaft der Sparkassen Dekabank und die Landesbank Baden-Württemberg hatten bereits angekündigt, bei eigenen Produkten auf Investments in Agrarrohstoffe zu verzichten.

Uno warnt vor Preisexplosion

Angesichts eines weltweiten Anstiegs der Preise für Lebensmittel warnen die Vereinten Nationen vor dem Ausbruch einer ähnlich verhängnisvollen Krise wie vor vier Jahren.  Mais verteuerte sich nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO im Juli um fast 23 Prozent, die internationalen Weizenpreise folgten und legten etwa 19 Prozent zu. Als Grund hierfür verweist die Organisation auf die schlimmste Dürreperiode im Mittleren Westen der USA seit 1956.

Insgesamt sind Lebensmittel in Deutschland immer noch vergleichsweise günstig zu haben: In den vergangen 30 Jahren sind ihre Preise nach Angaben der Ernährungsindustrie nur halb so stark gestiegen wie die allgemeinen Lebenshaltungskosten.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa/rts

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