Politik

Stromnetzausbau bleibt schwierig Bahntrassen kaum nutzbar

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Schon heute durchschneiden Tausende Kilometer Gleise das Land.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die bestehenden Bahntrassen können nur mit Einschränkungen für die geplanten Stromautobahnen von Nord- nach Süddeutschland genutzt werden. Das ergibt ein Gutachten im Auftrag der Bundesnetzagentur. Zwar ergäben sich "Vorteile und Synergieeffekte" im Hinblick auf den Fächenverbrauch. Der Aufwand sei allerdings groß und kostspielig.

Die Bahntrassen in Deutschland können dem stockenden Stromnetzausbau nach Expertenmeinung nicht zum Durchbruch verhelfen. Die bestehenden Anlagen der Deutschen Bahn könnten dafür nur in sehr begrenztem Maße genutzt werden, erklärte die Bundesnetzagentur. Durch eine räumliche und technische Mitnutzung von Bahnstromtrassen ergäben sich "Vorteile und Synergieeffekte, allein schon im Hinblick auf den landschaftlichen Verbrauch von Flächen", heißt es in dem Bericht. Der Aufwand, die Bahnstromtrassen in den Netzausbau einzubeziehen, wäre allerdings groß. Ursache seien technische Hindernisse und die hohen Kosten.

Die Bonner Behörde hatte diese Möglichkeit untersucht, da die Bahn bereits über ein großes Stromnetz verfügt. Für die Energiewende in Deutschland müssen das deutschlandweite Stromnetz in den kommenden Jahren mit Milliardensummen ausgebaut werden. Bislang kamen die Pläne aber kaum voran. Der Genehmigungsprozess dauert oftmals zehn Jahre - unter anderem, weil Anwohner dagegen vorgehen.

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Über die gemeinsame Nutzung von Oberleitungsmasten muss noch einmal "nachgedacht" werden.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer hatte die Stromtrassen der Bahn als Möglichkeit zum Netzausbau ins Gespräch gebracht - das Gutachten dämpft aber die Erwartungen. Die eigenen Freileitungen der Bahn können nicht genutzt werden, weil sie mit einer anderen Frequenz betrieben werden. Zwar könnten entlang der Trassen Hochspannungskabel im Erdreich verlegt werden, erklärte die Netzagentur. "Allerdings stellt diese Variante die mit Abstand teuerste Möglichkeit dar." Bliebe noch die Möglichkeit gemeinsamer Masten für die bisherigen Bahnleitungen und neue Hochspannungs-Freileitungen. "Diese Lösungen und die benötigten Masten müssten noch entwickelt werden", heißt es dazu im Gutachten.

Energiewirtschaft winkt ab

Auch in der Energiewirtschaft ist die Skepsis groß. "Ich glaube nicht, dass das ein großes Thema wird", sagte EnBW Hans-Peter Villis in Düsseldorf. Es kämen allenfalls kleine Strecken in Frage. Das Stromnetz der Bahn hat eine Länge von 7750 Kilometern. Das Unternehmen ist selbst der größte Stromverbraucher des Landes.

Die SPD hatte den vier großen Stromnetzbetreibern Täuschung bei den Investitionskosten für den Netzausbau vorgeworfen. "Die Netzanbieter übertreiben maßlos. Es wird mit Zahlen operiert, die wahrscheinlich mindestens doppelt so hoch sind wie die tatsächlichen Zusatzkosten", sagte Vize-Fraktionschef Ulrich Kelber. Das sei der "Versuch, die nächsten Erhöhungen bei den Netzentgelten zu rechtfertigen, und die Energiewende auszubremsen".

Erwartungen zu hoch gesteckt

Für die Energiewende müssen neue Leitungen gebaut werden, um etwa Windenergie aus Norddeutschland zu den von dem beschleunigten Atomausstieg besonders getroffenen Verbrauchszentren im Westen und im Süden der Republik zu transportieren. Den Netzbetreibern zufolge müssen neue Trassen mit einer Länge von rund 3800 Kilometern gebaut werden und bestehende mit einer Länge von rund 4000 km modernisiert werden. Die Bahntrassen hätten dabei theoretisch eine große Rolle spielen können. "Die nicht selten allzu optimistische Beurteilung dieser Transportmöglichkeit muss nach Einschätzung der Gutachter teilweise deutlich korrigiert werden", erklärten die Experten jedoch nun.

Quelle: ntv.de, rts

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