Politik

"Kleines Wunder" in Mainz Bau einer neuen Synagoge

Rund 70 Jahre nach der Reichspogromnacht hat in Mainz mit einer Grundsteinlegung der Bau einer neuen Synagoge begonnen. "Wir sollten uns sehr darüber freuen, dass das jüdische Leben in unserem Land sichtbar wird", sagte die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, in Mainz. Angesichts der deutschen Geschichte grenze das fast schon an ein kleines Wunder. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sprach von einem "Morgen, der uns Hoffnung geben kann". Gemeinsam mit der am 9. November dieses Jahres erfolgten Grundsteinlegung für eine Synagoge in Speyer sei er ein "Zeichen gegen totalitäre Ausgrenzung".

Das Gotteshaus sowie ein Gemeindezentrum für 400 Menschen samt Bibliothek entstehen dort, wo bis zum 9. November 1938 die alte Mainzer Hauptsynagoge stand - unweit des Domes und der evangelischen Christuskirche. Rund zehn Millionen Euro kostet der Bau, von dem das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Mainz jeweils die Hälfte zahlen.

Noch ist auf der Baubrache in der Mainzer Neustadt nur ein schmuckloses weißes Zelt zu sehen. Daneben türmen sich Reste eines abgerissenen Hauses, ein Bagger und ein Kipplaster stehen davor. Zehn Jahre wurde geplant, bis nun mit dem Bau begonnen werden kann.

Der spektakuläre Entwurf des Kölner Architekten Manuel Herz hatte sich 1999 bei einem bundesweiten Wettbewerb durchgesetzt. Die Fassade aus grüner Keramik bildet abstrahiert fünf Buchstaben, die den hebräischen Segensspruch "Kedushah" beschreiben. Das hornförmige Synagogendach weist nach Osten, Richtung Jerusalem. Die Bauarbeiten sollen im Februar 2009 beginnen, die Einweihung ist für die erste Jahreshälfte 2010 vorgesehen. Dann hat ein Provisorium ausgedient. Denn bislang gibt es nur eine Betstube in einem Wohnhaus.

Die Vorsitzende der Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich, sprach an diesem kühlen und trüben Herbsttag von einem "tief bewegenden Ereignis". Nach 1945 sei nur "eine kleine Schar" jüdischer Menschen in Mainz geblieben. Mittlerweile sei die Gemeinde dank vieler aus der ehemaligen Sowjetunion zugezogener Menschen auf etwa 1000 Mitglieder gewachsen. Viele von ihnen sind zur Grundsteinlegung gekommen. Auch ehemalige Gemeindemitglieder sind trotz ihres hohen Alters aus dem Ausland angereist. Sie lauschten teils mit Tränen in den Augen den Reden, Gebeten und Klarinettenklängen. "Die neue Synagoge wird uns die Möglichkeit geben, hier heimisch zu werden", so Schindler- Siegreich.

Nach Meinung Knoblochs verbindet die Grundsteinlegung in Mainz Freude und Trauer. Sie mahnte, an einem solchen Tag der Opfer des "national-sozialistischen Rassenwahns" zu gedenken. Das friedliche Miteinander sei noch immer eine "empfindliche und zarte Frucht". Daher stelle die neue Synagoge eine wichtige Geste dar. Sie solle kein Denkmal sein, sondern ein "in die Zukunft gerichtetes Gebäude".

Quelle: n-tv.de

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