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Die britischen Jungferninseln sind eines der beliebtesten Ziele für Steueroptimierer und Steuerbetrüger.
Die britischen Jungferninseln sind eines der beliebtesten Ziele für Steueroptimierer und Steuerbetrüger.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 10. Mai 2013

Steuerbetrügern droht Ermittlungs-Tsunami: Behörden bekommen Offshore-Leaks-Daten

Lange wollten die Mitglieder des Enthüllungsnetzwerks ICIJ die Offshore-Leaks-Daten nicht mit den Behörden teilen. Jetzt bekommen Steuerfahnder auch in Deutschland dennoch Einblick. Tausende Steuersünder haben damit allen Grund zur Sorge. Ermittler könnten sehr bald vor ihrer Tür stehen.

Das Bundesfinanzministerium bekommt nun doch Zugriff auf die Offshore-Leaks-Daten. Etlichen Steuerbetrügern aus Deutschland drohen damit Ermittlungen. Laut der "Süddeutschen Zeitung" erhalten die USA, Großbritannien, Australien und die Bundesrepublik 400 Gigabyte mit sensiblen Informationen, die zu einem großen Teil auf den Offshore-Leaks beruhen. Es handelt sich um mehr als zwei Millionen Dokumente.

Ein geheimer Informant hatte vor mehr als einem Jahr dem Internationalen Konsortium für investigativen Journalismus (ICIJ) eine Festplatte mit den Daten von 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern übergeben. Die Unterlagen stammen von zwei Firmen, die auf die Errichtung von Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind. Nach aufwendiger Recherche präsentieren die Medien des ICIJ aus 46 Ländern nun seit Anfang April ihre Ergebnisse aus der Analyse der Daten.

Einige der Enthüllungen zeichneten nach, in welchem Maße Prominente auch aus Deutschland in fragwürdige Steueroptimierungsprogramme verwickelt sind. Auch von geheimen Konten von Diktatoren und Finanztransaktionen im internationalen Waffenhandel berichteten die Medien. Die Enthüllung hatte die Debatte über den Umgang mit Steueroasen neu entfacht.

Auf Steuerbetrug stehen bis zu zehn Jahre Haft

Die "Süddeutsche Zeitung" und der Norddeutsche Rundfunk, die dem Enthüllungsnetzwerk ICIJ angehören, hatten es bisher abgelehnt, die Daten mit Behörden zu teilen. Als Argument nannten sie den Quellenschutz.

Ein Sprecher des deutschen Finanzministeriums bestätigte nun aber, dass sein Haus doch Zugriff auf die Informationen bekommt. Mit den USA, Großbritannien und Australien, die aus noch unbekannter Quelle an die Daten kamen, arbeite Deutschland seit langem in internationalen Steuersachen zusammen, sagte der Sprecher. Die Analyse der Unterlagen werde jetzt international koordiniert.

Rechtsexperten gingen schon unter der Prämisse, dass die Medien nur einige wenige Fälle öffentlich machen würden, davon aus, dass die Offshore-Leaks-Enthüllungen eine Ermittlungswelle entfachen würden. Dass die Steuerfahnder nun direkten Zugriff auf die Daten erhalten, kommt, um im Bild zu bleiben, einem Tsunami gleich.

Steuerbetrügern drohen in schweren Fällen bis zu zehn Jahre Haft. Und bei den Offshore-Leaks-Daten dürfte es sich laut dem renommierten Steuerrechtsexperten Wolfgang Joecks von der Univeristät Greifswald überwiegend um schwere Fälle handeln. n-tv.de sagte er kürzlich, dass sich die Offshore-Geschäfte erst bei beträchtlichen Summen wirklich lohnen.

Quelle: n-tv.de