Politik

Die EU und ihre Plastikbeutel Brüssels Tüten-Plan ist für die Tonne

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die EU will den Verbrauch von Plastiktüten begrenzen und hat sich auf ein Maßnahmenpaket geeinigt, das sie als Lösung für die Umwelt-Misere verkauft. Doch die vermeintliche Lösung ist noch eine leere Hülse.

Jedes Jahr, so schätzt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, landen mehr als 6,4 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen der Welt. Ein nicht unwesentlicher Teil davon besteht aus Plastiktüten. Entweder fressen Fische den Müll und verenden daran, oder die Kunststoffe werden von Wind und Wasser zersetzt, ebenfalls gefressen und landen irgendwann als kleinste Partikel im Fischfleisch wieder auf unseren Tellern.

Die EU ist sich einig, das muss sich ändern: Der Verbrauch von Plastiktüten muss reduziert werden, die Natur, vor allem die Meeresbewohner müssen besser geschützt werden. Wie aus einer Stimme tönt es aus den Kehlen der EU-Botschafter von 28 Mitgliedsstaaten: Der Verbrauch von Plastiktüten, die nach ihrer Benutzung millionenfach in der Natur landen, muss begrenzt werden. Klingt erst einmal ambitioniert. Doch was uns Brüssel als eine Lösung des Problems verkauft, ist noch eine leere Polit-Hülse.

Denn momentan gibt es weder ein Verbot, eine Begrenzung, Regulierung noch sonst irgendetwas Konkretes. Die 28 Botschafter haben sich lediglich darauf geeinigt, ihr Maßnahmenpaket dem Umweltausschuss des Europäischen Parlamentes vorzulegen. Danach müssen die Minister den Vorschlag abnehmen, bevor das Europaparlament darüber abstimmt, ob die Bestimmung an die 28 nationalen Parlamente weitergegeben wird. Die nationalen Parlamente wiederum dürfen sich dann jeweils eine eigene Regelung überlegen. Geht es noch komplizierter?

Bis irgendetwas Greifbares kommt - wenn es denn kommt - werden noch einige Millionen Tonnen Plastikmüll mehr in Meere, Flüsse und Landschaften gelangen. Denn die Mitgliedsstaaten haben die Wahl, ob sie die Tüten bis 2019 mit einem Preis belegen, oder den Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr auf 40 reduzieren - bis zum Jahr 2025. Der Pro-Kopf-Jahresverbrauch in Deutschland ist mit 64 Tüten davon nicht weit entfernt. In Polen und Portugal liegt er aber derzeit bei rund 500 Beuteln.

Stellen wir der EU ein Zeugnis aus: Sie war stets bemüht, Umweltprobleme ernst zu nehmen. So richtig ernsthaft ist das jedoch nicht und wirklich engagiert werden Umweltfragen in Brüssel immer noch nicht behandelt. Mit mehr Entschlossenheit, einer schnellen Durchsetzung und einer strengen Begrenzung hätte sich an der Plastiktüte ein Exempel für den Einsatz für die Umwelt statuieren lassen. Die Chance ist wieder einmal vertan.

Quelle: n-tv.de