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Ex-Dschihadist packte aus Bundeswehr wirft Kronzeugen raus

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Die Fregatte "Hessen" läuft zu ihrem UNIFIL-Einsatz Richtung Libanon aus (19.02.2008).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein ehemaliger Anhänger des Terrornetzwerkes Al-Kaida war monatelang Soldat bei der Bundeswehr. Gedient hat er auf der Fregatte "Hessen" vor der Küste Libanons. Ausgebildet wurde er in einem pakistanischen Terrorlager der Lashkar-e-Taiba. Später änderte er seine Einstellung. Die Bundeswehr wusste von der Biografie des Mannes.

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Lashkar-e-Taiba soll den Mumbai-Terror organisiert haben.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein in pakistanischen Terrorlagern ausgebildeter Mann war mehrere Monate Soldat bei der Bundeswehr. In einem Radio-Feature des Südwestrundfunks (SWR) sagte Yannick Nasir, dass er 2003 ein Ausbildungslager der Lashkar-e-Taiba in Pakistan besucht habe - der Terrororganisation, die hinter dem Anschlag im indischem Mumbai 2008 gestanden haben soll. Zugleich berichtete Nasir, sich 2007 freiwillig für die Bundeswehr gemeldet zu haben. Als Matrose war er auf der Fregatte "Hessen" eingesetzt, bis er 2008 vorzeitig entlassen wurde.

Yannick Nasir (23) ist der Stiefsohn des 2009 zu acht Jahren Haft verurteilten Aleem Nasir. Yannick Nasir trat in diesem und einem zweiten Terrorprozess vor dem Oberlandesgericht Koblenz als Kronzeuge der Staatsanwaltschaft auf. Durch seine Aussagen konnte bewiesen werden, dass Aleem Nasir Mitglied der Terror-Organisation Al-Kaida war, diese mit Geld, Material und Kämpfern versorgte und Zugang zu hohen Führungskreisen von Al-Kaida in Pakistan hatte.

Streit über das Zeugenschutzprogramm

Die Zeugenaussagen veränderten Yannick Nasirs Leben. "Für mich hat sich das in keinster Weise gelohnt. Im Gegenteil, ich habe sehr viel einbüßen müssen, ich habe sehr viel an Lebensqualität verloren dadurch, aber ich bin trotzdem froh es getan zu haben und ich bereue es keine Sekunde", sagte er dem SWR.

Jahrelang selbst Anhänger des Terrors, änderte Yannick Nasir seine Einstellung und verließ die Familie Anfang 2007. Heute ist er im Zeugenschutz und erhebt gegen Bundeswehr und das Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz Vorwürfe, getroffene Zusagen nicht eingehalten zu haben. Vor der ersten Vernehmung habe er eine klare Bedingung gestellt: "Ich sage nur aus, wenn ich meinen Job behalten kann." Die zuständige Bundesanwaltschaft dementiert, Zusagen dieser Art gemacht zu haben.

Bundeswehr war eingeweiht

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Steinmeier besuchte am 01.06.2008 in Beirut die Fregatte "Hessen". Zu den Soldaten an Bord des Schiffes gehörte zu diesem Zeitpunkt Yannick Nasir.

(Foto: dpa)

Die Bundeswehr habe von seiner Vergangenheit gewusst. In einem Vier-Augen-Gespräch habe ihm sein Kommandant gesagt, dass er eingeweiht worden sei, berichtete Nasir im Gespräch mit dem SWR.

Als Soldat war er mit der Fregatte im Einsatz vor der Küste des Libanon – auch als im Juni 2008 der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier kam. Es gibt Bilder, auf denen der SPD-Politiker und der Ex-Jhiadist zu sehen sind. Mit Beginn des Verfahrens gegen seinen Stiefvater sei er dann aber beurlaubt worden. Danach kam die Entlassung mit der Begründung, dass man bei der Bundeswehr nicht für seine Sicherheit sorgen könne.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Yannick Nasir, da er bei den Zeugenaussagen vor dem Oberlandesgericht Koblenz ausgesagt hatte, selbst Geld geschmuggelt zu haben und in dem pakistanischen Ausbildungslager von Lashkar-e-Taiba gewesen zu sein.

Quelle: n-tv.de, dpa

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