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"News"-Skandal noch nicht das Ende Cameron tritt Flucht nach vorn an

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Rupert Murdoch wird zum Gespött der Presse.

(Foto: Reuters)

Tausende abgehörte Handys, bestochene Polizisten – das ist nach Ansicht des britischen Premiers noch nicht das Ende der Fahnenstange. Er will nicht nur die Praktiken bei Murdoch-Medien untersuchen lassen, sondern auch bei anderen. Australien, das Heimatland Murdochs, zieht Lehren aus dem Skandal und verschärft seine Gesetze zum Schutz der Privatsphäre.

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Cameron bleibt gar nichts anderes übrig, als mit den Medien abzurechnen.

(Foto: AP)

Der britische Abhör- und Bestechungsskandal könnte nach Auffassung von Premierminister David Cameron noch weit größere Dimensionen haben als bislang angenommen. Cameron sagte, neben dem Skandalblatt "News of the World" hätten vermutlich auch andere Medien unlautere Methoden zur Recherche angewandt. Daher werde der geplante richterliche Untersuchungsausschuss nicht nur die Arbeit bei dem mittlerweile eingestellten Murdoch-Blatt untersuchen, sondern auch andere britische Medien unter die Lupe nehmen. Dazu gehörten auch Fernsehsender und Internetdienste.

Bereits vor mehreren Jahren war ein Report der Medienkontrolleure aufgetaucht, der hunderte Verstöße verschiedenster Redaktionen auflistete.

"Wir sollten zwar nicht automatisch annehmen, dass diese Praktiken über die ganze Medienlandschaft verstreut waren, aber es wäre naiv zu denken, dass sie auf eine Zeitung oder eine Zeitungsgruppe beschränkt waren", sagte Cameron. "Es ist klar, dass sie weiter reichten, und die Untersuchung sowie die Polizeiermittlungen müssen in die Richtung gehen, in die die Beweise führen."

Durch die Hintertür zur Nr. 10

Cameron, der jede Verwicklung in die Affäre oder Einflussnahme auf die Ermittlungen vehement bestreitet, tritt damit praktisch die Flucht nach vorn an. Er war in den vergangenen Tagen immer stärker unter Druck geraten und sieht sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Unter anderem hatte er den früheren "News of the World"-Chef Andy Coulson zu seinem Berater und Regierungssprecher gemacht. Dieser soll während seiner Zeit bei dem Blatt über die dortigen Abhör- und Bestechungsmethoden Bescheid gewusst haben.

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Cameron will sich immer an den Verhaltenskodex gehalten haben.

(Foto: REUTERS)

Außerdem werden Cameron zu enge Kontakte zum Top-Management des Verlags News International von Rupert Murdoch vorgeworfen, in dem die Zeitung erschien. Murdoch hatte am Vortag erklärt, er habe den Regierungssitz in der Downing Street auf Anraten Camerons "durch die Hintertür" betreten. Der Premier betonte hingegen, er habe an keinem einzigen unredlichen Treffen mit Vertretern von News International teilgenommen. Bei den Gesprächen sei der vorgeschriebene Verhaltenskodex stets eingehalten worden. Die Einstellung Coulsons bereue er dennoch rückblickend.

Der Skandal schwelt seit Jahren, war aber in den vergangenen Wochen neu aufgeflammt. Journalisten des Murdoch-Blattes "News of the World" sollen Tausende Telefone von Prominenten, Terror- und Mordopfern sowie Soldatenwitwen abgehört haben. Außerdem flossen Bestechungsgelder an die Polizei.

Australien verschärft die Gesetze

Murdoch droht derweil auch in seinem Heimatland Australien Ungemach. Die australische Regierung habe wegen des Skandals in Großbritannien "ernste Fragen" zu den Geschäften des Medienimperiums. Die Murdoch gehörende Holding News Limited kontrolliert 70 Prozent des australischen Zeitungsmarktes.

Zudem will Australien seine Gesetzgebung zum Schutz der Privatsphäre verschärfen. Innenminister Brendan O'Connor sagte, der Skandal mache "ein Handeln erforderlich". Bisher gebe es in Australien kein allgemeines Gesetz, das die Privatsphäre schütze. Dies bedeute, dass niemand rechtlich abgesichert sei, der gegen eine Verletzung seiner Privatsphäre klagen wolle, sagte O'Connor. Künftig solle es möglich sein, Medien in solchen Fällen vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen. Die Linksregierung, der O'Connor angehört, liegt derzeit mit einigen Publikationen des Murdoch-Konzerns im Clinch.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts/AFP

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