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Städte in den USA erreichbar China baut neue Langstreckenraketen

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Einer der Vorläufer der neuen Rakete ist die Dongfeng-31, ebenfalls eine Interkontinentalrakete.

(Foto: REUTERS)

Mit seiner wachsenden Wirtschaftsmacht baut China auch seine militärische Stärke aus: Staatliche Medien melden den Bau einer neuen Interkontinentalrakete. Peking reagiere damit auf die technische Aufrüstung der USA.

China hat erstmals die Entwicklung eines neuen Typs von Langstreckenraketen mit der Bezeichnung Dongfeng ("Ostwind") bestätigt. In einer Armeeeinrichtung der Provinz Shaanxi würden Raketen vom Typ Dongfeng-41 (DF-41) gebaut, berichtete die staatliche Zeitung "Global Times" unter Berufung auf Behördenangaben.

Nach Angaben des US-Fachblatts "Jane's Strategic Weapon Systems" gehört diese neue Raketengeneration mit etwa 12.000 Kilometern Reichweite zu den Raketen mit der längsten Reichweite der Welt. Je nach Standort der Abschussrampen könnte Dongfeng-41 auch Ziele in den USA und ganz Europa erreichen.

Die Dongfeng-41 wäre allerdings nicht die erste Interkontinentalrakete der Volksrepublik. China besitzt vermutlich bereits seit den frühen 80er-Jahren mit der Dongfeng-5 einen Raketentyp, der Nuklear-Sprengköpfe über Entfernungen von bis zu 13.000 Kilometer transportieren können soll. Im Jahr 1999 wurde die ballistische Interkontinentalrakete Dongfeng-31 eingeführt, die eine Reichweite von immerhin um die 11.000 Kilometer haben soll.

USA: Mehrere Atomsprengköpfe transportierbar

In einem Bericht des US-Außenministeriums vom Juni heißt es, die DF-41 könne womöglich mehrere unabhängig voneinander lenkbare Atomsprengköpfe gleichzeitig transportieren. Vergleichbare Fähigkeiten sind bei russischen und US-amerikanischen Interkontinentalraketen Standard. "Weil die USA ihr Raketenabwehrsystem weiter ausbauen, geht der Trend zu Trägerraketen der dritten Generation mit mehreren Atomsprengköpfen", zitierte die "Global Times" einen chinesischen Militäranalysten. Dem Blatt zufolge ist es das erste Mal, dass Peking offiziell die Existenz der DF-41-Raketen bestätigt.

Die Umstände der Bekanntmachung sind jedoch dubios: Der entsprechende Eintrag auf einer Website einer nachgeordneten Umweltbehörde wurde angeblich bereits am Freitag wieder gelöscht. Allerdings veröffentlichte die Zeitung einen Screenshot des Artikels. Womöglich sind die Informationen unabsichtlich an die Öffentlichkeit gelangt.

Bisherige Berichte über die Entwicklung der DF-41 hatte Peking lediglich mit dem Hinweis kommentiert, Experimente der Armee würden sich nicht gegen ein bestimmtes Land oder einen bestimmten Gegner richten. In den vergangenen Monaten hatten sich die Territorialkonflikte zwischen China und mehreren Nachbarstaaten verschärft, die mit den USA verbündet sind.

Laut einem Bericht der taiwanesischen Tageszeitung "China Times" soll die neue DF-41 dazu in der Lage sein, drei amerikanische Städte gleichzeitig anzugreifen. Damit verfolge China unter anderem das Ziel, in möglichen Abrüstungsgesprächen mit den USA eine bessere Verhandlungsposition zu erlangen. Die Zeitung beruft sich auf einen Bericht des auf asiatische Sicherheitsfragen und Militärtechnik spezialisierten Online-Magazins "Kanwa Defense Review".

Quelle: ntv.de, kst/AFP