Politik

Trotz Umfrage-Aufschwung Das Netz spottet über die FDP

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Für Generalsekretär Patrick Döring fördern die Piraten eine "Tyrannei der Masse". Das sagte der FDP-Politiker am Abend der Landtagswahl im Saarland.

(Foto: Screenshot)

Der Patient zuckt, aber er ist noch nicht am Ende. Auf vier Prozent klettern die Liberalen in der jüngsten Umfrage. Während die einen wieder hoffen, schlachten andere die Krise genüsslich aus. Im Netz ergießt sich über der Partei der Hohn. Der reicht von vernichtender Häme bis hin zu kreativen Hilfsangeboten. Die parteiinterne Kritik an Rösler wächst unterdessen.

Zum ersten Mal seit fünf Monaten gewinnt die FDP wieder leicht an Zustimmung: In der Forsa-Umfrage von "Stern" und RTL kletterte sie im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf vier Prozent. Es ist ihr bester Wert seit Anfang Oktober 2011. Union und Liberale kämen derzeit zusammen auf 40 Prozent. Forsa-Chef Manfred Güllner führt das Plus für die FDP auf die Nominierung von Christian Lindner zum Spitzenkandidaten für die Wahl in Nordrhein-Westfalen im Mai zurück. "Der Lindner-Effekt verschafft bundesweit Auftrieb", sagte er dem "Stern".

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Mit mindestens 5 Prozent der Stimmen will Wolfgang Kubicki im Mai wieder in den Landtag in Schleswig-Holstein einziehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Doch intern brodelt es offenbar bei den Liberalen: Der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki kritisierte in der "Bunten" den Führungsstil des Bundesvorsitzenden Philipp Rösler. Für Rösler sei der Parteivorsitz zu früh gekommen, deswegen verhalte er sich "gelegentlich nicht ganz so sicher", sagte Kubicki. "Er ist leider nicht mehr locker." In Schleswig-Holstein wird am 6. Mai gewählt.

Nach Kubickis Ansicht stünde die FDP besser da, wenn der frühere Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann noch am Leben wäre. "Solch schlechte Umfragewerte hätten wir nicht, wenn er noch am Leben wäre", sagte Kubicki. "Möllemann hätte es nicht zugelassen, dass die FDP am Markt der Meinungen so zurechtgestutzt wird."

Während die FDP wieder von besseren Zeiten träumt, regiert vor allem im Internet noch immer hauptsächlich der Spott. Vor allem bei Twitter und Facebook bekommt die Partei ordentlich ihr Fett weg.

"Die kleine FDP möchte bitte aus dem Saarland abgeholt werden"

Auf Facebook verbreitet sich besonders ein Bild vielfach: Es zeigt den Spruch "Diese Partei ist in deinem Bundesland nicht verfügbar" mit dem Parteilogo und dem auf der Videoplattform YouTube üblichen Hinweis auf einen von der Gema gesperrten Videoclip. Ein User kommentierte das Foto hämisch mit "Von der Oppositionsbank auf die Parkbank".

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Verschiedene Bildmontagen widmen sich derzeit dem Thema FDP.

(Foto: Screenshot)

Bei Twitter ist vor allem FDP-Generalsekretär Patrick Döring die Zielscheibe der Häme. Dieser hatte den Piraten nach ihrem Erfolg im Saarland bescheinigt, sie förderten die "Tyrannei der Masse". Daraus ist inzwischen eine Bildmontage entstanden. Es zeigt den FDP-Politiker bei "Wer wird Millionär". "Wie nennt man die Herrschaftsform, in der politische Willensbildung und Macht vom Volk ausgeht?", lautet die Frage. Zur Antwort stehen Aristokratie, Tyrannei der Masse, Demokratie und Theokratie. Döring wählt die "Tyrannei"-Option, die auf dem Bild als falsch dargestellt wird.

Auch sonst gehen die meisten Beiträge derzeit in dieselbe Richtung. "Die kleine FDP möchte bitte aus dem Saarland abgeholt werden", schreibt ein User bei Twitter. Ein anderer wendet sich direkt an die Medien. Wenn diese weiterhin FDP-Leute einladen, müssten sie fairerweise auch die von anderen Splitterparteien wie der ÖDP oder der APPD einladen.

Blogger schlägt Fusion von FDP und Piraten vor

Die "taz" lästert zum jüngsten Umfrageplus der FDP: "Glückwunsch an die letzten beiden FDP-Wählerinnen zur Geburt ihres Kindes". Ein User schlägt der Partei für die Bundestagswahl den Slogan "Wir schaffen das" vor, darunter steht 18 Promille. In der Vergangenheit hatte die Partei mit dem Wahlziel 18 Prozent geliebäugelt.

Für manche Menschen scheint die FDP-Krise auch Motivation zu sein, komplette Internetseiten neu ins Netz zu stellen. So ist etwa ist eine ganze Internetzeitung mit dem Titel "Der Untergang – Das Ende der FDP" entstanden. Sie sammelt alle neuen Nachrichten, die neue Hiobsbotschaften über die Partei enthalten.

Wer noch einmal nachschauen will, in welchen Bundesländern die FDP noch vertreten ist, kann das auf www.istdiefdpnochimlandtag.de tun. Eine Karte zeigt an, in welchen Ländern die Liberalen noch in den Parlamenten sitzen. Ein Countdown hat bereits von 16 auf inzwischen nur noch 10 heruntergezählt.

Doch nicht alle machen sich über das Schicksal der Partei lustig. Till Westermayer will der Partei offensichtlich helfen. Dafür hat er auf seinem Blog schon Pläne entwickelt. Er schlägt eine Fusion von FDP und Piraten unter dem neuen Namen Freidemokraten&Piraten (FD&P) vor und zählt verschiedene Gründe dafür auf. Eine Kostprobe: "Beide ergänzen sich gut. Wo die einen aus dem Landtag fliegen, kommen die anderen rein." Beispiele sind Berlin und das Saarland. Schleswig-Holstein und NRW könnten im Mai noch folgen.

Quelle: ntv.de, mit AFP

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