Politik

US-Infektiologe Anthony Fauci Der Mann, der Trump widerspricht

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Der Präsident und der Experte: Trump und Fauci auf einer Pressekonferenz.

(Foto: REUTERS)

Neben Trump wirkt er klein und hager. Doch was er sagt, zählt: Fauci erklärt den US-Amerikanern die Coronavirus-Pandemie. Aussagen des Präsidenten dazu muss er schon mal korrigieren. Schon wird spekuliert, wie lange der Wissenschaftler mit der Reibeisenstimme noch im Amt ist.

Trump prescht vor. Bis Ostern, sagt der Präsident, sollten die USA wieder im Normalbetrieb laufen. Während ein Großteil der Welt herunterfährt, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus zu bremsen, soll die größte Wirtschaftsmacht nach dem Willen des Staatschefs in zweieinhalb Wochen wieder dem gewohnten Alltag nachgehen können.

Der Widerspruch lässt nicht lange auf sich warten. Er kommt in Gestalt einer Person, die in den letzten Wochen stark an Ansehen gewonnen hat, nicht nur in den USA. Anthony Fauci ist seit 1984 Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten der USA. Damals war Ronald Reagan Präsident und Fauci machte sich einen Namen im Kampf gegen Aids.

Der 79-Jährige widerspricht Trump auf seine typisch diplomatische Art und mit der markanten Reibeisenstimme: "Man kann ein Datum ins Auge fassen, aber man muss sehr flexibel sein", sagt er. Sätze wie diese rücken den Immunologen ins Rampenlicht. Nicht nur, weil er ein anerkannter Experte für Infektionskrankheiten ist, sondern auch, weil er ein ums andere Mal die Aussagen seines Präsidenten korrigieren oder relativieren muss - ohne aber diesen direkt zu kritisieren. Fauci setzt auf Fakten - das reicht manchmal schon, um Trump zu widerlegen. Oder er vermeidet dessen Wortwahl. Den Begriff "China-Virus" würde er nie benutzen, stellte Fauci jüngst klar.

Fauci kann sein Lachen kaum verbergen

Weltweit bekannt wurde der Wissenschaftler durch einen Videoschnipsel, der ihn bei einer der täglichen Pressekonferenzen mit Trump zeigt. Der Präsident spricht gerade über das US-Außenministerium, das State Department, und fügt in Anspielung auf eine Verschwörungstheorie an: "Oder wie sie es nennen: das Deep State Department." Er suggeriert, das Ministerium sei ein Staat im Staate. In dem Video ist zu sehen, wie Fauci, der neben Trump steht, sein Lachen kaum unterdrücken kann und sich an die Stirn fasst. Der Clip ging viral und wurde von jenen begeistert aufgenommen, die daran zweifeln, dass Trump richtig auf diese Pandemie reagiert.

Für den Republikaner, der in diesem Jahr auf seine Wiederwahl hofft, kommt die Krise äußerst ungelegen. Der Absturz der Börsenkurse hat seinen wichtigsten Trumpf pulverisiert: die boomende Wirtschaft. Trumps schlingernder Kurs trug auch nicht gerade dazu bei, Vertrauen zu erwecken. Anfangs redete er die Pandemie klein, sagte voraus, sie werde "wie ein Wunder" verschwinden. Dann leitete er radikale Maßnahmen ein, etwa den Einreisestopp aus Europa. Nun will er am liebsten, dass zu Ostern alles wieder normal ist. Eine Rezession oder Depression würde mehr Tote zur Folge haben als das Virus, sagte er in einem Interview.

#WhereIsFauci

Die Realität sieht freilich anders aus: Die WHO befürchtet bereits, dass die USA nach Europa zum neuen Epizentrum der Pandemie werden könnten. Etliche Bundesstaaten haben Ausgangsbeschränkungen erlassen, New York leidet massiv unter der Ausbreitung des Virus. Und ein Medikament oder ein Impfstoff sind noch nicht in Sicht - auch wenn Trump Anfang des Monats sagte, Letzterer werde in wenigen Monaten bereitstehen. Fauci widersprach. Und er erhob Einspruch, als der Staatschef ein Medikament gegen Malaria zum Wundermittel und "Gottesgeschenk" gegen Sars-CoV-2 ausrief.

Dem Wissenschaftler ist klar, dass diese Krise auch nach Ostern noch andauern wird. Eine Rückkehr zur gesellschaftlichen und ökonomischen Normalität dürfte so schnell nicht machbar sein. Faucis schnörkellose, faktenbasierte Art lässt ihn wie ein Pendant zu RKI-Chef Lothar Wieler oder dem Virologen Christian Drosten wirken, die Deutschland täglich über die Pandemie aufklären. Wie wichtig das mittlerweile für viele Menschen ist, wurde deutlich, als der US-Mediziner zwei Tage nacheinander nicht an der täglichen Pressekonferenz des Weißen Hauses teilnahm. Nutzer in sozialen Medien, aber auch Medien fragten fast schon besorgt, wo Fauci sei. Die Hashtags #NoDrFauci und #WhereIsFauci trendeten.

Das Fehlen des Doktors ließ Spekulationen aufkommen, wie es um das Verhältnis zu Trump bestellt sei und ob Fauci bald entlassen werde. Vermutlich auch, um der Gerüchteküche zu begegnen, gab der am Wochenende dem Wissenschaftsmagazin "Science" ein Interview. Trump höre ihm zu, sagte Fauci, "auch wenn wir in manchen Sachen nicht einer Meinung sind". Aber er könne ja auch nicht vor die Mikrofone springen und den Präsidenten wegdrücken. Etwa wenn der behaupte, China habe das Virus monatelang verschwiegen, was nicht mit den Fakten übereinstimme.

*Datenschutz

Auch Trump ist bemüht, etwaige Unstimmigkeiten zu relativieren. "Er ist ein guter Mann. Ich mag Dr. Fauci sehr", sagte er am Montag bei einer Pressekonferenz, an der der Immunologe nicht teilnahm. Auf die Frage, ob Fauci mit der Einschätzung übereinstimme, dass die USA bald wieder für Geschäfte offen sein müssten, sagte Trump, er habe lange mit Fauci gesprochen und dieser habe Verständnis geäußert. "He doesn't not agree", sagte Trump - er habe nicht nicht zugestimmt. Auch so kann Kritik ausgedrückt werden, auf ganz diplomatische Art.

Quelle: ntv.de