Politik

Mini-Job-Wunder? Die 500-Euro-Jobs im Haushalt

40.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiten laut Bundeswirtschaftsministerium derzeit in privaten Haushalten. Allerdings schätzt das Ministerium, dass 3,3 Millionen Haushalte Hilfen in Anspruch nehmen. Das bedeutet: Fast alle Putzfrauen, Kindermädchen und Babysitter werden illegal beschäftigt.

Um dieser massenhaften Schwarzarbeit "das Wasser abzugraben" sollen ab Januar 2003 spezielle Minijobs im Haushalt geschaffen werden. Das Prinzip ist einfach: Die Haushaltshilfen dürfen bis zu 500 Euro monatlich verdienen, für die Kranken- und die Rentenversicherung zahlt der Arbeitgeber pauschal 10 Prozent des Lohnes. Anders als bei den schon bekannten Billigjobs (325-Euro-Jobs) können Haushaltshilfen auch mehr als 15 Stunden in der Woche arbeiten.

Steuerliche Abzugsfähigkeit gering

Minijobs im Haushalt sind steuerlich absetzbar, in der Regel bis zu 360 Euro im Jahr. Nur wenn die Haushaltshilfe bei einem Dienstleistungsunternehmen angestellt ist und von dort an die Privathaushalte ausgeliehen wird, erhöht sich dieser Betrag auf 480 Euro. Wer eine Haushaltshilfe ganz 'normal' sozialversicherungspflichtig beschäftigt (bei über 500 Euro Gehalt), der kann zwölf Prozent der Aufwendungen steuerlich absetzen, maximal 1.200 Euro.

Schattenseiten der Minijobs

Die geringen Sozialabgaben haben aber auch Nachteile, denn Ansprüche erwerben die in Privathaushalten Beschäftigten praktisch keine. In der Krankenversicherung besteht trotz der Fünf-Prozent-Abgabe der Arbeitgeber Versicherungsfreiheit, das heißt, die Haushaltshilfe muss allein für ihren gesamten Verdienst Krankenversicherungsbeiträge zahlen – es sei denn, sie ist familienversichert.

Auch in der Rentenversicherung gibt es kaum Leistungen für den Arbeitgeberbeitrag von 5 Prozent für die Altersrente. Haushaltshilfen sind beispielsweise nicht gegen das Risiko der Erwerbsminderung abgesichert. Zwar kann die Beschäftigte wie bei den 325-Euro-Jobs auf die Versicherungsfreiheit verzichten, um Rentenansprüche zu erwerben; dies hat jedoch zur Folge, dass sie selbst den übrigen Beitrag bis zum vollen Beitragssatz zahlen muss, und das sind 14,5 Prozent (die Differenz von 5 zu 19,5 Prozent).

"Natürlich wird sich das kaum eine Beschäftigte leisten können", moniert der Deutsche Juristenbund in einem offenen Brief an die Bundesregierung. Sozialhilfebedürftigkeit und Altersarmut seien vorprogrammiert. "Für Frauen in den betroffenen Berufen bedeutet das: Der schon jetzt hohe Abstand ihrer Altersrenten zu den deutlich höheren Renten von Männern wird sich weiter erhöhen".

Quelle: ntv.de