Politik

Ringen um Feuerpause in Nahost Diplomatische Drähte glühen

2012-11-15T160825Z_01_JER28_RTRMDNP_3_PALESTINIANS-ISRAEL-CITY.JPG5925220915948029725.jpg

Benjamin Netanjahu fordert die Einstellung der Hamas-Raketenangriffe.

(Foto: REUTERS)

Es gibt Hoffnung, dass sich Israel und die Hamas auf einen Waffenstillstand einigen könnten. Ägypten spielt dabei eine Schlüsselrolle. In Kairo geben sich Politiker und Unterhändler die Klinke in die Hand. Israels Regierungschef Netanjahu ist bereit, die Luftangriffe auf den Gazastreifen zu beenden. Er fordert aber ein Ende der Raketenangriffe.

Parallel zu den militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der radikal-islamischen Palästinenserorganisation werden die diplomatischen Bemühungen zur Beilegung des Konflikts verstärkt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will die Angriffe im beenden, wenn zugleich die Raketenattacken auf Israel eingestellt werden. Dies habe er in Telefongesprächen US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt, berichtete die israelische Zeitung "Haaretz".

Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas hat einem Bericht der israelischen Zeitung "Jediot Achronot" zufolge Bedingungen für ein Ende der Raketenangriffe auf Israel genannt. Die seit 2007 bestehende Blockade der Enklave durch Israel und Ägypten müsse aufgehoben und die Tötungen von Mitgliedern militanter Palästinensergruppen durch Israel aufhören. Das Blatt berief sich auf die den Islamisten nahestehende Webseite Palestine Al-Jum. Die Forderungen habe der Hamas-Exilchef Chaled Maschaal dem Leiter des ägyptischen Geheimdienstes, Rafat Schehata, genannt.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi sieht seinerseits "Anzeichen für eine Feuerpause". Ägypten arbeite bei seinen Bemühungen mit mehreren anderen Ländern zusammen, darunter arabischen und westlichen Ländern sowie Russland. Konkreter äußerte er sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Kairo nicht. Medienberichten zufolge ist ein israelischer Unterhändler in Kairo, um den Entwurf einer Vereinbarung über ein Ende der Gewalt zu prüfen. Nach Hamas-Angaben war auch Maschaal in der ägyptischen Hauptstadt.

Medienzentrum bombardiert

Israel hat seit Mittwoch fast 1000 Ziele im Gazastreifen mit dem erklärten Ziel angegriffen, Raketen, Waffenlager und andere Hamas-Einrichtungen zu zerstören. Die Hamas und andere militante Gruppen in der Enklave am Mittelmeer feuerten zugleich fast 750 Raketen und Granaten Richtung Israel ab. Bisher gab es dabei insgesamt 48 Tote. Ihrerseits berichtete die israelische Armee gegen Mitternacht, dass seit drei Stunden keine Raketen mehr aus dem Palästinensergebiet auf Israel abgeschossen worden seien.

Die israelische Luftwaffe setzte am frühen Morgen ihre Angriffe fort. Sie bombardierte ein Medienzentrum in Gaza-Stadt. Mindestens sechs Journalisten wurden nach palästinensischen Angaben verletzt. Zwei Kinder starben demnach bei Angriffen im Norden des Palästinensergebiets. In dem Gebäude sind mehrere Medien untergebracht.

Israel vertraut bei seinem Vorgehen auf den engen Verbündeten USA. Nach den Worten eines hochrangigen Sicherheitsberaters von Präsident Obama hat die Regierung Netanjahu die Entscheidung über eine mögliche Bodenoffensive im Gazastreifen selbst in der Hand: "Wir wollen dasselbe wie die Israelis. Und das ist ein Ende des Raketenbeschusses aus Gaza."

Die Arabische Liga kündigte einen Solidaritätsbesuch im Gazastreifen an. Die Organisation kritisierte die Angriffe als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Libanons Außenminister Adnan Mansour rief die arabischen Staaten zu einem diplomatischen Boykott Israels auf. Tunesiens Außenminister Rafik Abdel Salam stattete Gaza einen Solidaritätsbesuch ab und forderte einen sofortigen Stopp der israelischen Angriffe. Bereits am Freitag hatte Ägyptens Ministerpräsident Hischam Kandil mit einem Kurzbesuch Unterstützung für die Palästinenser demonstriert.

Zu einem neuen Zwischenfall kam es an der Grenze zwischen Israel und Syrien. Eine israelische Militärpatrouille sei von Bewaffneten im Gebiet der Golanhöhen von syrischem Territorium aus beschossen worden, berichtete der israelische Onlinedienst "Ynet". Eine syrische Mörsergranate sei abgefeuert worden, aber nicht auf israelischem Gebiet niedergegangen. Es sei zu einem Schusswechsel gekommen. Berichte über Verletzte lagen nicht vor. Der von Israel 1967 eroberte Golan war zuletzt wiederholt von Geschossen aus Syrien getroffen worden.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP/rts

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.