Politik

Lauschangriff auf Erdogan? Dutzende türkische Polizisten festgenommen

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Die Staatsanwälte, die im Korruptionsskandal gegen Erdogans Regierung ermitteln, wurden suspendiert.

(Foto: REUTERS)

Mindestens 22 türkische Sicherheitsleute sollen Präsident Erdogan und weitere Staatsangehörige abgehört haben - nun werden sie verhaftet. Sie sollen Anhänger von Erdogans Erzrivalen sein. Ankara fürchtet einen "Parallelstaat".

Die türkische Polizei hat einem Medienbericht zufolge mindestens 22 Mitarbeiter der Sicherheitskräfte wegen mutmaßlich illegaler Abhöraktivitäten festgenommen. Ihnen werden Lauschangriffe auf Politiker, Staatsbedienstete und Unternehmer vorgeworfen, wie die private Nachrichtenagentur Dogan meldete. Andere Agenturberichte gehen von 34 Festgenommenen aus, denen zudem Fälschung von Dokumenten und die Verletzung der Privatsphäre der Betroffenen vorgeworfen werden.

Sie wurden bei Razzien in überwiegend östlichen und südöstlichen Städten in Gewahrsam genommen. Die Aktion gilt als Teil der Kampagne, die Präsident Recep Tayyip Erdogan seit einiger Zeit gegen Unterstützer seines Erzrivalen, den in den USA lebenden muslimischen Prediger Fethullah Gülen, fährt.

Erdogan befürchtet "Parallelstaat"

Erdogan wirft ihm vor, einen "Parallelstaat" innerhalb der türkischen Verwaltung zu errichten, um die Regierung zu stürzen. So sollen Gülens Anhänger in Polizei und Justiz Ermittlungen wegen Bestechlichkeit angestrengt haben, die die Regierung Ende 2013 massiv in Bedrängnis brachten.

Im Zuge des Skandals gelangten Mitschnitte von abgehörten angeblichen Gesprächen Erdogans sowie von Ministern und anderen hochrangigen Regierungsvertretern in die Öffentlichkeit. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich bisher nicht zu dem Dogan-Bericht über die Festnahmen.

Seit Juli wurden schon zahlreiche Polizisten und Justizbeamte festgenommen, weil sie mit Fethullah kooperieren sollen. Überdies wurden kürzlich die Staatsanwälte suspendiert, die die Korruptionsermittlungen in Gang gesetzt hatten.

Quelle: ntv.de, lsc/rts/AFP