Gezerre um EMA-StandortEU-Arzneibehörde soll nach Bonn umziehen

Kaum steht der Brexit fest, wird auch schon um neue Standorte für EU-Behörden gerangelt. Die Arzneimittelbehörde der EU beispielsweise könnte gut einen neuen Platz in Bonn finden, sind sich Bundesverbände und NRW-Gesundheitsministerin sicher.
Nach dem Brexit-Votum der Briten haben mehrere Länder Interesse an der in London ansässigen EU-Arzneimittelbehörde EMA angemeldet. Die nordrhein-westfälische Landesregierung unterstützte am Wochenende die Forderung des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller, die Behörde nach Bonn zu holen. Zuvor hatten bereits Pharmaverbände anderer EU-Staaten die Verlagerung des EMA-Sitzes in ihr Land gefordert, unter anderem Italien, Schweden und Dänemark.
NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) sagte in der aktuellen Ausgabe des "Kölner Stadt-Anzeiger": "Natürlich wäre es hervorragend, wenn diese wichtige Behörde künftig ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen, dem größten deutschen Bundesland, haben könnte."
Bonn habe "Expertise"
Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller hatte am Freitag erklärt: "Wir fordern die Verantwortlichen auf Bundes- wie Länderebene auf, sich für Bonn als neuen Standort der EMA einzusetzen."
Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Verbands, Hermann Kortland, begründete dies mit der in Bonn bereits vorhandenen Expertise beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Zudem säßen viele Arzneimittel-Hersteller an der sogenannten Rheinschiene.
Die 1995 gegründete EMA ist als EU-Behörde zuständig für die Beurteilung und Überwachung von Human- und Tierarzneimitteln.