Politik

Biospirit soll grün werden EU führt Öko-Siegel ein

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Mit der Aktion "Biosprit macht Hunger" protestierten Umweltschützer gegen die Übernahme von klassischen Ackerflächen für den Anbau von Biosprit-Produkten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Klima-Bilanz von Kraftstoffen hängt nicht nur davon ab, was am Ende aus dem Auspuff kommt, sondern auch davon, wie die Produktion und der Transport das Klima be- oder entlasten. Die EU-Kommission will sicherstellen, dass Biosprit klimaschonend hergestellt wird.

Die EU will mit einem Zertifizierungssystem sicherstellen, dass die Nutzung von Biokraftstoffen nicht der Umwelt mehr schadet als nützt - etwa durch die Rodung von Regenwald. "Unser Zertifizierungssystem ist das weltweit strengste", erklärte Energiekommissar Günther Oettinger in Brüssel. Nur der Verbrauch von Biokraftstoffen, die ein hohes Einsparpotenzial gegenüber herkömmlichem Treibstoff beweisen, könnten auf die EU-Klimaziele angerechnet werden.

Das Zertifizierungssystem sieht vor, dass unabhängige Prüfer die gesamte Produktionskette für Biokraftstoffe begutachten, "vom Landwirt und von der Mühle über den Händler bis zum Kraftstofflieferanten", hieß es aus der Kommission. Biokraftstoffe werden unter anderem aus Getreide und Pflanzenölen gewonnen. Die Prüfer sollten sich vor Ort etwa davon überzeugen, dass die Anbauflächen "vorher bereits landwirtschaftliche Nutzflächen und kein tropischer Regenwald waren".

Oettinger prüft indirekte Folgen

Die Kommission will das Zertifikate-System nicht selbst umsetzen, sondern setzt dafür auf Industrie, Nichtregierungsorganisationen und Regierungen. Diese sollten Zertifikate nach den EU-Standards erarbeiten und auch die Prüfer einsetzen. Die Kommission ihrerseits will die Regeln und die Praxis begutachten. "Auch der Kontrolleur wird kontrolliert", sagte Oettinger.

Umweltschützer kritisieren, die EU-Initiative gehe nicht weit genug. "Sie verhindert nicht die dramatische Zunahme der Regenwaldabholzung und der Treibhausgasemissionen", teilte Greenpeace mit. Indirekte Folgen des Biospritanbaus für die Klimabilanz blieben außen vor. Wenn die Flächen für Lebensmittel und Ölpflanzen zu knapp seien, würden andernorts unberührte Wälder abgeholzt.

Modellrechnungen für indirekte Effekte durch geänderte Landnutzung will Oettinger bis Jahresende vorlegen. Die Grünen im Europaparlament sprachen von einem "Öko-Schwindel". Der Vorschlag sei alles andere als nachhaltig, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Rebecca Harms.

Deutschland ist mit einer eigenen "Nachhaltigkeitsverordnung" bereits vorausgeprescht. Heimische Biosprithersteller haben sich nach deutschen Vorgaben zertifizieren lassen. Die deutschen Systeme namens ISCC und REDcert werden voraussichtlich auf EU-Ebene anerkannt. Unternehmen können sich künftig ein nationales Siegel besorgen, das dann von Brüssel überprüft wird und in allen 27 Staaten gilt.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa

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