Politik

Clinton-Matinee in Berlin Eine haarige, witzige Angelegenheit

Hillary Clinton kommt nach Berlin, um Werbung für ihr Buch zu machen. Ob sie Präsidentin werden will, erzählt sie natürlich nicht. Dafür gibt es feministischen Subtext und viel gute Laune.

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Gute Laune: Hillary Clinton im Schillertheater in Berlin.

(Foto: dpa)

Wenn es konkret wird, ist sie genauso vage wie jeder andere Politiker und jede andere Politikerin. Zu den jüngsten Entwicklungen im NSA-Skandal sagt Hillary Clinton, man müsse abwarten, was die Fakten seien. Und dass die deutsch-amerikanische Freundschaft eine Notwendigkeit sei.

Dennoch ist diese Sonntagsmatinee im Westberliner Schillertheater unterhaltsam. Clinton ist ein Typ, den man zu kennen glaubt. Man nimmt sie als eine eloquente und kluge Amerikanerin wahr, schlagfertig und sehr selbstironisch. Da macht es auch nichts, dass das Gespräch mit dem Chefredakteur des "Zeit"-Magazins zu einer Abfolge von Histörchen aus ihrem Buch gerät. Erzählen Sie mal die Geschichte mit Barack Obama in Prag! Und wie Sie Putin zum ersten Mal getroffen haben! Ganz so platt fragt Christoph Amend natürlich nicht. Aber fast.

Clinton dürfte das sehr recht sein. Sie ist nach Berlin gekommen, um ihr Buch zu promoten. In den USA läuft der Absatz nicht so gut wie erwartet, ihre Umfragewerte sind auch nicht mehr so überragend wie noch vor ein paar Wochen. Mit einer ungeschickten Bemerkung hatte es angefangen: Als sie und ihr Mann Bill Anfang 2001 das Weiße Haus verlassen hätten, seien sie nicht nur "total pleite" gewesen, sie hätten sogar Schulden gehabt, sagte Hillary Clinton Anfang Juni in einem Interview. Danach rechneten US-Medien vor, wie viel Geld sie für ihre Vorträge an Universitäten bekomme. Die Summen liegen zwischen 200.000 und 300.000 Dollar. Clinton läuft Gefahr, als geldgierig und abgehoben abgestempelt zu werden.

Davon ist an diesem Vormittag in Berlin nichts zu spüren. Die ehemalige US-Außenministerin verbreitet eine gute Laune, der man sich kaum entziehen kann. Das liegt nicht zuletzt an ihrem Sinn für Pointen. Putin habe bei ihrer ersten Begegnung mit gespreizten Beinen dagesessen, erzählt sie. Klinge nach einem russischen Cowboy, wirft Amend ein. "Genau!", antwortet Clinton. "Mit oder ohne Hemd!"

"Hundebesitzerin, Haar-Ikone, Hosenanzug-Aficionado"

Der Subtext von weiblichen und männlichen Stereotypen ist eine feste Größe, wenn Clinton spricht. "Glauben Sie, dass Politikerinnen noch immer anders behandelt werden als Politiker?", fragt Amend. Ihre Antwort ist ein bedeutungsschweres, zugleich amüsiertes "Ye-es." Das reicht schon, das Publikum lacht. Auch durch den NSA-Skandal wird die Laune nicht getrübt, zumal Clinton darauf hinweist, dass US-Präsident Barack Obama eine Überprüfung der Abhörpraktiken schon angeordnet habe, "bevor Mr. Snowden sich nach China und Russland absetzte".

Clinton sagt, weil sie eine Frau sei, werde sie ständig auf Äußerlichkeiten und auf ihre Familie angesprochen. In London, wo sie gerade herkommt, sei sie gefragt worden, ob eine Großmutter Präsidentin sein könne; ihre Tochter Chelsea erwartet ihr erstes Kind. Solche Fragen ärgern sie offensichtlich, und viele Frauen im Publikum wissen vermutlich nur zu gut, wovon sie spricht. Viele Präsidenten seien Großväter gewesen, sagt Clinton, und natürlich hat sie Recht. Aber zugleich kokettiert sie selbst mit Äußerlichkeiten.

Auf ihrem Twitter-Account zählt Clinton ihre ehemaligen Ämter auf, bezeichnet sich zusätzlich als "Hundebesitzerin, Haar-Ikone, Hosenanzug-Aficionado". Hätte sie ihr Buch nicht "Hard Choices" genannt, sie hätte ihm den Titel "The Scrunchy Chronicles" gegeben, sagt sie; "scrunchies" sind Haargummis. Untertitel: "112 Länder, und trotzdem geht es immer nur um meine Haare". Das liegt jedoch nicht am Interviewer, das liegt an ihr selbst. Clinton liefert bereitwillig Anekdoten. Irgendwann sei sie es leid geworden, sich ständig ihre Haare machen zu lassen. Sie habe ihr Haar wachsen lassen und zusammengebunden. Das hatte Folgen: Der bulgarische Ministerpräsident machte bei einer Begegnung mit ihr in Sofia einen sehr besorgten Eindruck. Was los sei, fragte sie ihn. "Mir wurde gesagt, wenn Sie Ihre Haare als Zopf tragen, dann haben Sie keine gute Laune."

Zum Schluss stellt Amend noch die Frage, auf die alle gewartet haben - nein, er stellt sie nicht, Clinton würde ohnehin nicht verraten, ob sie als Präsidentschaftskandidatin antreten wird. Stattdessen fragt er, wer sie spielen sollte, wenn der Film über die Clintons wirklich gedreht würde. "Meryl Streep." Applaus, Abgang.

Quelle: ntv.de