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Tapfere Bundeswehrsoldaten Erstmals Ehrenkreuz verliehen

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Leistungen, "die weit über das erwartete Maß an Tapferkeit im Rahmen der Pflichterfüllung hinausgehen": Kanzlerin Merkel bei der Verleihung des Ehrenkreuzes.

(Foto: AP)

Für Mut und Tapferkeit sind erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Soldaten mit dem Ehrenkreuz ausgezeichnet worden. Dies löste Kritik aus - doch der Bundeswehrverband verteidigte die Auszeichnung.

Mit dem "Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit" hat Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals in der gut 50-jährigen Geschichte der Truppe Soldaten für außergewöhnlichen Mut im Einsatz ausgezeichnet. Nach Angaben der Bundeswehr werden die Orden für Einzelleistungen verliehen, "die weit über das erwartete Maß an Tapferkeit im Rahmen der Pflichterfüllung hinausgehen".

Die Soldaten hätten bei ihrem Einsatz in Afghanistan in akuter Lebensgefahr alles getan, um ihren Kameraden und mehreren einheimischen Kindern zu helfen, sagte Merkel bei einer Feierstunde im Bundeskanzleramt. Zugleich appellierte sie an die Bevölkerung, Leistung und Belastungen der Bundeswehr stärker zu würdigen. "Wir reden darüber in Deutschland immer noch zu wenig. Unsere Soldaten müssen für ihren Einsatz mehr Anerkennung erhalten", betonte die Kanzlerin. Die neue Auszeichnung geht auf Anregung des Verteidigungsministers und CDU-Politikers Franz Josef Jung zurück.

Rettungsversuch trotz explodierender Munition

Nach einem Selbstmordanschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille am 20. Oktober 2008 nahe Kundus hatten die vier nun ausgezeichneten Soldaten versucht, ihre getroffenen Kameraden und mehrere afghanische Kinder zu retten. Sie setzten dabei ihr Leben aufs Spiel, weil die Munition auf dem getroffenen Fahrzeug noch explodierte. Bei dem Anschlag wurden zwei deutsche Soldaten und fünf afghanische Kinder getötet. Kundus ist mit Abstand der gefährlichste Einsatzort der Bundeswehr in Afghanistan.

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Kritiker hatten vor der Verleihung des Ehrenkreuzes auf den Missbrauch von militärischen Auszeichnungen im Nationalsozialismus hingewiesen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit dem Kanzleramt wählte die Bundesregierung einen zivilen Rahmen für die erste Verleihung des Ehrenzeichens. Dennoch hatte das neue Tapferkeits-Ehrenkreuz Streit ausgelöst. Kritiker wiesen auf den Missbrauch solcher Auszeichnungen im Nationalsozialismus hin. Hitler hatte das "Eiserne Kreuz" mit dem Hakenkreuz in der Mitte millionenfach verleihen lassen.

Kirsch: Haben mit der Wehrmacht "nichts am Hut"

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, verteidigte jedoch die Auszeichnung. Die Bundeswehr habe durch die Prinzipien des Staatsbürgers in Uniform und der Inneren Führung mit der Wehrmacht "überhaupt nichts am Hut". Er sei durchaus dafür, aufgrund der deutschen Vergangenheit vorsichtig mit bestimmten Symbolen umzugehen. "Aber eine Nation, die keine Symbole hat, die ist arm dran", sagte er.

Die Auszeichnung beschreibe zudem in gewisser Hinsicht die neue Rolle der Bundeswehr als einer "Einsatzarmee". Und die habe in einem Einsatz wie in Afghanistan auch "mit Tod und Verwundung zu leben". Dies bedeute, dass ein Soldat mitunter auch "sein Leben in die Waagschale werfen" müsse.

Tapferkeitsmedaillen auch in anderen Ländern

Das Ehrenkreuz für Tapferkeit gleicht dem Ehrenkreuz in Gold, das nach 20 Jahren Dienstzeit als Lohn für Treue und Pflichterfüllung verliehen wird. Im Unterschied zu den bisherigen Ehrenkreuzen wird für die neue Tapferkeitsauszeichnung keine Mindestdienstzeit vorausgesetzt.

Auch in anderen NATO-Ländern haben militärische Auszeichnungen für besonders mutige Soldaten zum Teil eine lange Tradition. So werden in Frankreich seit 1802 die Medaille der Ehrenlegion und seit 1852 die "Médaille Militaire" verliehen; in Großbritannien ist seit 1856 das Viktoriakreuz die höchste militärische Auszeichnung. Die USA ehren besonders mutige Soldaten mit der "Medal of Honor", die 1861 der damalige Präsident Abraham Lincoln gestiftet hatte.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa/afp

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