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Attentat von Berlin Fälschlich Verdächtigter: Polizei schlug mich

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Den Truck steuerte Amis Amri - der Pakistaner Naveed B. war nur zufällig in der Nähe.

picture alliance / Michael Kappe

Kurz nach dem Attentat von Berlin nimmt die Polizei einen Mann auf offener Straße fest: den Pakistaner Naved B. Doch er hat nichts mit dem tödlichen Vorfall zu tun. Nun beschreibt der Asylbewerber, wie er behandelt wurde - und warum er nach Deutschland kam.

Der Mann, der vor Anis Amri verdächtigt wurde, den Truck in den Berliner Weihnachtsmarkt gesteuert zu haben, hat die Polizei bezichtigt, ihn geschlagen zu haben. Der Pakistaner Naved B. äußerte die Vorwürfe in einem Interview mit dem "Guardian".

Er habe nach seiner Festnahme die Augen verbunden bekommen, dann sei er von einer Polizeiwache zu einer anderen gebracht worden. Dort wurde er entkleidet und es wurden Fotos gemacht. Als er sich wehrte, sei er mehrfach geschlagen worden. Der zur Verfügung gestellte Dolmetscher habe seine Muttersprache aus Belutschistan nicht gesprochen, einer Provinz in Pakistan. Dies habe die Kommunikation mit den Beamten sehr erschwert. Nachdem die Polizei ihm gesagt hatte, was passiert war, habe er erwidert, er könne noch nicht einmal ein Fahrzeug anlassen, geschweige denn fahren.

Der Asylbewerber erklärte, er sei nach Deutschland gekommen, um Hilfe zu suchen, und erhalte hier Essen, Arzneimittel und sei in Sicherheit. Naved floh seinen eigenen Angaben zufolge, weil er in seiner Heimat als Mitglied einer säkularen Separatistenbewegung verfolgt worden war. Nach seiner Festnahme habe seine Familie in Pakistan Drohanrufe bekommen und sei von Sicherheitsbehörden kontaktiert worden.

Zwei Tage und eine Nacht sei er festgehalten worden und habe in dieser Zeit nur kalten Tee und Kekse bekommen. Naved schlief demnach auf einem hölzernen Bett ohne Matratze und hinter dem Rücken verbundenen Händen. Als die Polizei ihn wieder freiließ, habe man ihm erklärt, er sei verhaftet worden, weil er über die Straße rannte. Deshalb vermutete man, er sei ein Verbrecher. Die Beamten hätten ihm gesagt, er solle auf keinen Fall in seine vorherige Asylbewerberunterkunft zurückkehren, da sein Leben dort womöglich in Gefahr sei.

Naved sagte, er fürchte nun um sein Leben. Sein Asylantrag wird noch bearbeitet, weil es bislang keinen Dolmetscher gegeben hat, der seine Muttersprache Belutschisch übersetzen konnte – denn nur so könne er erklären, warum er Schutz in Deutschland suche: "Manche meiner Cousins wurden von Sicherheitsbehörden getötet. Die meisten der Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, wurden verhaftet oder getötet. Es war eine Frage der Zeit, bis sie mich geholt hätten. Deshalb bin ich nach Deutschland gekommen."

Menschenrechtsgruppen geben an, dass in der Provinz Belutschistan islamistische Gruppen aktiv sind, darunter die Terrormiliz Islamischer Staat. Sie und pakistanische Sicherheitsbehörden werden für verschiedene Massaker an der belutschischen Bevölkerung verantwortlich gemacht.

Quelle: n-tv.de, rpe

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