Politik

Neue Generalsekretärin der SPD Fahimis erste Attacken

Wenn Sigmar Gabriel als Wirtschaftsminister unterwegs ist, muss ab heute Yasmin Fahimi die SPD zusammenhalten und gegen den Gegner sticheln. Kann sie das?

Es ist ein sympathischer Auftritt, mit dem sich Yasmin Fahimi als das neue Gesicht der SPD präsentiert. Mit einem Lächeln berichtet sie von den merkwürdigen Fragen, die ihr seit einigen Wochen gestellt werden. Eine davon lautet, "ob ich denn einen türkischen Pass hätte?". Den hat sie nicht. Ihr Vater ist Iraner, nicht Türke.

Besonders persönlich ist Fahimis Rede, mit der sie sich auf das Amt der Generalsekretärin bewirbt, nicht. Besonders politisch allerdings auch nicht. Sie spricht mehr darüber, wie sie die Parteizentrale im Willy-Brandt-Haus organisieren möchte. Wie bei einem Bewerbungsgespräch verweist sie auf ihre 14-jährige Erfahrung bei der Gewerkschaft IGBCE: "In diesen Jahren habe ich einiges gelernt, was ich jetzt einbringen möchte." Sollte Fahimi eigene politische Akzente setzen wollen, lässt sie sich damit zumindest noch etwas Zeit. Bei einem Empfang am Vorabend ließ sie sich ständig von einer Parteisprecherin begleiten, die darauf achtete, dass sie nicht unüberlegt etwas Falsches sagte.

Der Rest ist SPD-Konsens, der erst einmal niemandem weh tut, der zu diesem Parteitag gekommen ist. Sie bleibt sehr eng an ihrem Redemanuskript. Begeistern kann sie so aber natürlich kaum. Den deutlichsten Applaus bekommt sie für eine Spitze gegen die CSU: Trotz gemeinsamer Regierung wolle sie sich nicht gemein machen mit denen, "die mit Betrugsvorwürfen Stimmung gegen Menschen aus Ost-Europa machen, selber aber keine ehrliche Doktorarbeit zustande bringen."

"52 Denkfehler, die sie besser anderen überlassen"

Dass sich Fahimi nicht weiter aus dem Fenster lehnt, ist bestimmt nicht ungeschickt: Sie wurde nominiert vom Vorsitzenden Sigmar Gabriel, ist aber eine alte Bekannte ihrer Vorgängerin Andrea Nahles, die häufig andere Ziele verfolgt, als der Parteichef. An wen von beiden sich Fahimi stärker gebunden fühlt, muss sie wahrscheinlich noch selbst klären. Den Rückhalt der Partei hat sie erst einmal: 88 Prozent wählen sie.

Sichtlich erleichtert bedankt sich Fahimi für das Ergebnis und gibt noch eine zweite Kostprobe davon, wie sie im politischen Geplänkel mittun wird: Peter Tauber, ihr Kollege von der CDU hatte ihr ein Buch mit Überlebenstechniken geschenkt. "Als ob ich die in der Berliner Wildnis bräuchte." Sie habe sich aber schon mit einem anderen Buch vorbereitet. Der Titel: "52 Denkfehler, die sie besser anderen überlassen".

Das Amt der Generalsekretärin war frei geworden, weil Andrea Nahles ins Arbeitsministerium wechselte. Zwei weitere wichtige Posten besetzte die SPD: Dietmar Nietan wurde neuer Schatzmeister, seine Vorgängerin war Barbara Hendricks, die nun Umweltministerin ist. Außerdem wurde ein sechster Stellvertreterposten für den Parteivorsitzenden geschaffen, weil Ralf Stegner, Parteichef aus Schleswig-Holstein sonst leer ausgegangen wäre.

Obwohl die Europawahl naht, blieb für inhaltliche Debatten bei diesem Parteitag kaum noch Zeit. Einige Delegierte wollten sich zum Leitantrag äußern, doch Gabriel bat inständig darum, auf Wortmeldungen zu verzichten. Schließlich müssten viele bald abreisen.

Quelle: n-tv.de

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